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Viele Frauen und ein nerviger Rapper

Die Bad Bonn Kilbi hat am Wochenende den Festivalsommer eingeläutet. Für den Kultanlass pilgern seit Jahr und Tag Musik-Freaks aus der ganzen Schweiz nach Düdingen.

Quentin Schlapbach
Sophie Hunger machte am Donnerstag den Auftakt. Fotos: Franziska Rothenbuehler
Sophie Hunger machte am Donnerstag den Auftakt. Fotos: Franziska Rothenbuehler

Die Show beginnt schon mit dem Einsingen. Wobei es weniger ein Einsingen ist, das Aurelié Poppins praktiziert, sondern vielmehr ein Einschreien. Cocaine Piss heisst die Band der jungen Frau, und entsprechend geht es auch auf der Bühne zu und her. Die Belgier spielen Punk alter Schule, derb in der Wortwahl und im Habitus. Aber die Musik gerät ob der Tanzeinlagen von Poppins fast ein wenig zur Nebensache.

Es ist Ausdruckstanzen für Fortgeschrittene, was die Frau da eine Stunde lang praktiziert. Sogar ihre in Frauenkleider gehüllten männlichen Bandkollegen wirken neben ihr wie brave Musterschüler. Nach dem Konzert klebt der zuvor grosszügig aufgetragene schwarze Lippenstift überall, nur nicht mehr an Poppins Lippen.

Es sind Auftritte wie dieser, welche die Bad Bonn Kilbi über die Jahre zum Geheimtipp unter den Schweizer Festivals gemacht haben. Die Tickets sind jeweils schon nach wenigen Minuten ausverkauft. Wer auf sicher gehen will, ist Mitglied im Tonverein des Konzertlokals Bad Bonn und geniesst ein Vorzugsrecht.

Wie der 15-minütige Fussmarsch vom Bahnhof Düdingen aufs Festgelände zeigt, wandern die begehrten Festivalpässe in die ganze Schweiz. Ob Zürcher, Thurgauerin oder Romand – wer offen für musikalische Experimente ist, darf sich die Kilbi nicht entgehen lassen und scheut deshalb auch nicht den weiten Weg.

Der britische Rapper Slowthai offenbarte während seines Auftritts ein Aggressionsproblem.
Der britische Rapper Slowthai offenbarte während seines Auftritts ein Aggressionsproblem.

Frauen geben den Ton an

Wie die Bandleaderin von Cocaine Piss waren dieses Jahr auch die Headliner des Festivals weiblich – Courtney Barnett, Sophie Hunger oder die schottische Plattenlegerin Sophie. Im Gegensatz zu vielen Mainstream-Festivals haben die Musik-Fans in Düdingen aber auch offene Ohren für die etwas weniger bekannten Künstlerinnen und Künstler.

Eines der Highlights des dreitägigen Festivals am Schiffenensee war der Auftritt des neuseeländischen Psyche­­delic-Rock-Sängers Connan ­­Mockasin. Im Gegensatz zu ­­Cocaine Piss ist seine Bühnenpräsenz eher dezent. Wenn ­­Mockasin das Publikum anheizen will, schwingt er über seinem Kopf einzig mit einem imaginären Mini-Lasso. Nur der Kleidungsstil des scheuen Neuseeländers ist extravagant – Rock, Sonnenbrille und Fischermütze, wie sie Paddington der Bär trägt.

Aber Mockasins Musik lädt auch weniger zum Tanzen als zum Träumen ein. Es sind Songs, wie man sie aus Filmen kennt, wo ein Mann spätnachts in einer Hotelbar einsam an einem Glas Whisky nippt und plötzlich einer geheimnisvollen Frau begegnet. «Forever Dolphin Love» heisst eines seiner Lieder, wo eine eingängige Melodie auf ein Minimum an Text und Mockasins verblüffend echt klingendes Delfingeschnatter trifft.

Weniger gelungen war derweil der Auftritt des britischen Rappers Slowthai. Die Erwartungen an den Newcomer waren gross. Aber der Funken wollte von ­­Beginn an nicht so recht überspringen. Als dann ein Zuschauer ein Bier auf die Bühne warf, kippte Slowthais Gereiztheit in Aggression über.

Er verlangte, dass man ihm den Übeltäter auf die Bühne ausliefern solle. Er hätte die Zuschauer aber genauso gut nach einem Privatflug auf den Mond fragen können – das schrullige Bad-Bonn-Publikum gibt augenscheinlich nicht viel auf platte Hip-Hop-Attitüden. Und so machte Slowthai selbst einen Abstecher in die Reihen, wobei er erst wieder weiter­­rappte, als ein Security den Bierwerfer überzeugen konnte, dass er doch gehen solle, wenn es ihm nicht passe.

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