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SVP-Initiative: Geringe Auswirkungen für Bern

Das Ja zur Zuwanderungsinitiative dürfte für den Grossraum Bern kurzfristig nur geringe Auswirkungen haben. Zu diesem Schluss kommt die Credit Suisse, die ihre dritte Regionalstudie zu Bern vorlegte.

Die Zuwanderungsinitiative dürfte laut CS-Studie auf den Grossraum Bern geringe Auswirkungen haben.
Die Zuwanderungsinitiative dürfte laut CS-Studie auf den Grossraum Bern geringe Auswirkungen haben.
Andreas Blatter

Schweizweit erwarten die CS-Ökonomen bekanntlich eine Halbierung des Beschäftigungswachstums in den nächsten Jahren. Der Grossraum Bern dürfte dabei weniger stark betroffen sein als andere Landeszentren, sagte der Studienverantwortliche Thomas Rühl vor den Medien. Denn anderswo sei die Zuwanderung stärker ausgeprägt.

In Branchen mit Fachkräftemangel erwartet Rühl aber mehr Automatisierung und die Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Davon betroffen seien die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) ebenso wie die Medizintechnik und die Uhrenindustrie.

Die neuste Regionalstudie der CS stellt das Städtedreieck Bern-Thun-Burgdorf als wirtschaftlichen Motor des Mittellandes dar. Prägend sei die MEM-Industrie, die sich erholt habe und der Berner Konjunktur Rückenwind verleihe. Dazu komme ein interessanter Mix von Dienstleistungsbranchen.

Bund bringt Stabilität, aber. . .

Als zweischneidiges Schwert sehen die Autoren der Studie das starke Gewicht der Bundesverwaltung. Einerseits garantiere sie Stabilität und verschaffe Bern ein gewisses Renommee als Hauptstadt.

Andererseits werfe die Bundesverwaltung keine Steuern ab, verursache beträchtliche Sicherheitskosten, besetze gute Lagen in der Stadt und absorbiere Arbeitskräfte, die auch in der Privatwirtschaft tätig sein könnten.

«All diese Faktoren sollte man einbeziehen, wenn man sich die Frage stellt, ob sich der Bund unter dem Strich lohnt oder nicht», sagte Rühl. Eine Antwort könne und wolle er selber nicht liefern.

Cashcows fehlen

Die Autoren der Studie legen den Finger im weiteren auf die Steuerpolitik. «Bern fehlen ergebige Steuerzahler, sowohl bei den natürlichen als auch bei den juristischen Personen», stellen sie fest. Trotz vergleichsweise hoher Unternehmenssteuersätze erziele der Kanton Bern pro Beschäftigtem in der Privatwirtschaft einen geringeren Ertrag als andere Kantone.

Die CS-Ökonomen halten eine Senkung der Unternehmenssteuern für angezeigt. Die Verluste für die Kantonskasse hielten sich in Grenzen, denn zurzeit stammten sowieso nur rund zehn Prozent der Steuereinnahmen von Unternehmen. Eine Steuersenkung würde aber die Standortattraktivität heben und so Firmen anlocken.

«Stadt Bern zu günstig»

Eher überraschend kommt die Bewertung der CS zur Stadt Bern: Eigentlich seien die Steuern in der Bundesstadt zu tief, geben die CS-Ökonomen zu verstehen. In anderen Kantonen sei die Steuerbelastung im Zentrum höher als in den peripheren Gebieten. In Bern sei es gerade umgekehrt.

«Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist in Schieflage», stellte Rühl fest. Für periphere Gemeinden sei es schwierig, Wirtschaftswachstum zu generieren, solange die Stadt Bern mehr Leistungen zu einem tieferen Preis anbiete. Allenfalls liesse sich das Ungleichgewicht über den kantonalen Finanzausgleich korrigieren. Die Forderung nach einer Steuererhöhung in Bern wollte Rühl nicht erheben.

Tschäppät erfreut

Stadtpräsident Alexander Tschäppät hat Kenntnis von der Studie, wie er auf Anfrage sagte. Bern komme gut weg, das sei erfreulich. Die CS-Ökonomen seien offensichtlich der Meinung, dass die Unternehmen selbst dann in Bern blieben, wenn die Steuern ansteigen würden.

Das liege daran, dass eben andere Faktoren wie Qualität der Arbeitskräfte, Anbindung an den öffentlichen Verkehr und Lebensqualität ausschlaggebend seien. «So oder so kann es nicht unser Ziel sein, die Steuern zu erhöhen», betonte Tschäppät.

SDA/mas

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