Seefischerei litt unter der Hitze

Gunten

Der Hitzesommer und dessen Auswirkungen auf die Fischerei waren Thema an der Hauptversammlung der Berner Berufsfischer.

Die Berufsfischer an den Berner Seen spürten die Folgen der Hitze im vergangenen Sommer.

Die Berufsfischer an den Berner Seen spürten die Folgen der Hitze im vergangenen Sommer.

(Bild: Beat Mathys)

Der Hitzesommer 2018 drückte auf den Felchenertrag der Seefischerei, wie die Berner Berufsfischer an ihrer Hauptversammlung in Gunten berichteten. Nur am Brienzersee wuchs der Ertrag. Mit der Emme trocknete 2018 sogar der zweitgrösste Berner Fluss aus, und über 40000 Fische mussten mit Notabfischungen umgesiedelt werden.

Doch auch die Berufsfischer an den Seen spürten die Folgen der Hitze. «Die Felchen verzogen sich ins kühlere Wasser der Tiefe», sagte Fischereiinspektor Thomas Vuille. «Dort fanden sie aber weniger geeignetes Futter.»

Felchen wurden leichter

Vor allem im Bielersee ging der Felchenertrag stark zurück – «ein schlechtes Jahr», stellte Berufsfischerpräsident Silvano Solcà fest. Zudem wurden die Felchen in den letzten Jahren leichter, wie Andreas Hertig, im Fischereiinspektorat zuständig für die Fischereiwirtschaft, anhand einer Statistik über die letzten 30 Jahre zeigte.

Im Thunersee lag der Rückgang im Rahmen der üblichen Schwankungen. Doch auch hier merkten die Fischer, wie die Felchen vor der Hitze flohen. Eine Ausnahme war der Brienzersee, wo der letzte Berufsfischer, Beat Abegglen, seit ein paar Jahren wieder steigende Erträge verzeichnet.

Vielfalt in den Seen

Froh sind die Berufsfischer, dass die Schleppangelfischerei vor allem spätnachts gesetzlich so eingeschränkt wird, dass Schäden an Netzen und die Unfallgefahr geringer werden. Die Entdeckung der neuen Oberländer Felchenart Balchen 2 führt zu keiner Änderung der Fischereivorschriften: «Wir freuen uns über die Vielfalt in unseren Seen», sagte Andreas Hertig vom Fischereiinspektorat. «Und da die Arten immer noch da sind, wurde wohl bisher nicht allzu viel falsch gemacht.»

Sorgen machen sich Fischer und Inspektorat, weil sich die Kormorane im Laichgebiet der gefährdeten Äschen bei Thun stark vermehren. Thomas Vuille vermisst das Thema fischfressende Vögel auch in der Standortbestimmung zur Fischerei in der Schweiz, die der Bundesrat kürzlich veröffentlicht hat.

Politische Vorstösse aus Fischereikreisen für eine Reduktion der ARA-Klärleistungen hatten den Bericht ausgelöst; Berufsfischer hoffen, dass ihre Felchenerträge mit mehr Phosphat wieder zunehmen. Der Bericht bezeichne nun eine Erhöhung der Phosphorkonzentration über den natürlichen Referenzzustand der Seen als höchst riskant, sagte Inspektor Vuille. Entsprechend wenig Begeisterung zeigte Fischerpräsident Solcà für diesen Teil des Berichts.

Mit Sorgen angesichts des Klimawandels und Forderungen wie Gewässerrenaturierungen, der Reduktion giftiger Mikroverunreinigungen oder der Eindämmung invasiver Arten rennt der Bericht bei den Fischern hingegen offene Türen ein. So teilen sie Andreas Hertigs «mulmiges Gefühl», seit im Bielersee Stichlinge gefunden wurden, die im offenen Wasser schwimmen – gleich wie die Stichlinge, die für die Bodenseefischer zur Plage geworden sind.

Johann von Gunten wurde von den Berner Berufsfischern zum neuen Vizepräsidenten gewählt, und Ruedi Thomann löst den langjährigen Sekretär Hans Sieber im Amt ab; der übrige Vorstand wurde für eine weitere Amtsperiode bestätigt. (pd)

Berner Oberländer

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