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Pulvers Lösung: Zwei Jahre Sek, vier Jahre Gymnasium

In Bern soll es künftig nur noch einen Weg ins Gymnasium geben: Von der 8.Klasse in die Quarta. Weil heute viele Gymnasiasten erst in der Tertia ans Gymnasium wechseln, sind die Berner Gymnasien schweizweit im Hintertreffen.

Die Zeit am Gymnasium soll künftig einheitlich vier Jahre dauern.
Die Zeit am Gymnasium soll künftig einheitlich vier Jahre dauern.
Keystone

Das Gymnasium dauert für alle Berner Schülerinnen und Schüler künftig vier Jahre. Und es beginnt nach der 8.Klasse. Mit diesem Entscheid will der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver den verschiedenen Gymnasiumsvarianten in den Gemeinden ein Ende setzen.

Heute kann jede Gemeinde frei wählen, ob sie ihre Schülerinnen und Schüler schon nach der 8.Klasse in die Quarta oder erst nach der 9.Klasse in die Tertia schickt. Die Folgen: 1300 Schülerinnen und Schüler besuchen bereits in der Quarta das Gymnasium. Nach einem Jahr Unterricht stossen jene 600 Jugendlichen hinzu, welche die 9.Klasse noch an der Sekundarschule absolviert haben. Fast alle Klassen müssen dann nochmals neu zusammengesetzt werden. Auch der Unterricht im Schwerpunktfach kann erst in der Tertia beginnen.

Verlorene Zeit

Bis alle Gymnasiasten in der Tertia auf dem gleichen Stand sind, geht viel Zeit verloren. Im Grunde dauert das Berner Gymnasium nur drei Jahre, stellte Bernhard Pulver gestern an einer Medienorientierung fest.

Diese Unruhe im Gymnasium ist laut Pulver ein wichtiger Grund dafür, dass die Berner Maturanden im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen in anderen Kantonen schlechter abschliessen. Nirgends sonst können die einzelnen Gemeinden frei darüber entscheiden, wann sie ihre Jugendlichen ins Gymnasium schicken.

Auch in Bern soll das Gymnasium künftig einheitlich organisiert sein. Schulbehörden und Lehrkräfte hätten das Problem allerdings am liebsten mit einem zusätzlichen Ausbildungsjahr gelöst: Nämlich mit neun Jahren Volksschule und vier Jahren Gymnasium.

Für Bernhard Pulver ist das der falsche Weg. Die Ausbildungszeit würde sich nämlich von 12 auf 13 Jahre verlängern. Das wäre kaum im Interesse der Schülerinnen und Schüler: Die 1300 Jugendlichen, die heute schon von der 8.Klasse ins Gymnasium gehen, müssten mit dieser Variante eine einjährige Warteschlaufe in der Sekundarschule in Kauf nehmen. Und der Kanton zusätzliche Kosten von jährlich 12 Millionen Franken. Dies, obwohl laut Pulver das zusätzliche Schuljahr den Wert der Ausbildung kaum erhöhen würde.

Nach wie vor wäre es möglich, dass einzelne Schülerinnen und Schüler auch nach neun Jahren an der Volksschule noch ins Gymnasium eintreten könnten; allerdings wie alle anderen in die Quarta.

Wird im Kanton Bern künftig das Einheitsmodell mit acht Jahren Volksschule und vier Jahren Gymnasium eingeführt, müssten im Kanton etwa vierzehn Klassen des 9.Schuljahrs geschlossen werden. Und zwar nicht nur in ländlichen Gebieten. Auch etliche Agglomerationsgemeinden behalten ihre Jugendlichen neun Jahre lang an der Volksschule.

Keine Mehrkosten

Neu müssten 27 zusätzliche Quartaklassen eröffnet werden. An allen Gymnasiumsklassen wären künftig aber weniger Lektionen nötig. Deshalb rechnet die Erziehungsdirektion unter dem Strich nicht mit Mehrkosten. Einzig in Thun müssten für den Ausbau des Gymnasiums einmalig zwei Millionen Franken investiert werden. Die Gemeinden, welche heute ihre Jugendlichen erst nach der 9.Klasse in die Tertia schicken, werden sich wohl gegen das neue Modell wehren. Bernhard Pulver hat Verständnis dafür: «Natürlich ist es für die Sekundarschulen ein Verlust, wenn die stärkeren Schüler schon nach der 8.Klasse ins Gymnasium wechseln», sagte er. Er ist aber überzeugt, dass das 9.Schuljahr auch ohne die Gymnasiasten gut gestaltet werden kann. «Das beweisen ja jene zwei Drittel der Gemeinden, welche die Schülerinnen schon heute von der 8.Klasse ins Gymnasium schicken.»

Zum Entscheid der Erziehungsdirektion können Parteien, Gemeinden und andere Institutionen bis September Stellung nehmen. Voraussichtlich in einem Jahr wird der Grosse Rat darüber entscheiden. Eingeführt würde das einheitliche Gymnasiumsmodell in vier Jahren.

Im französischsprachigen Kantonsteil wird nichts geändert. Dort gab es schon bisher nur ein einziges Modell: Nach drei Vorbereitungsjahren an der Sekundarschule folgen drei Jahre Gymnasium – für alle.

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