Projekt im Ried hätte einen schweren Stand

Ried

In Ried bei Niederwangen wird eine riesige Siedlung gebaut. Befürworter des Kulturlandschutzes erläutern an diesem Beispiel, ob und wie solche Projekte auf der grünen Wiese künftig noch möglich wären.

In den letzten Tagen sind in Ried bei Niederwangen Baumaschinen aufgefahren. Sie bereiten das Gelände vor für den Bau einer neuen Siedlung auf der grünen Wiese.

In den letzten Tagen sind in Ried bei Niederwangen Baumaschinen aufgefahren. Sie bereiten das Gelände vor für den Bau einer neuen Siedlung auf der grünen Wiese.

(Bild: Stefan Anderegg)

Lucia Probst
Christoph Aebischer@cab1ane

Bagger ziehen Schneisen, und Lastwagen führen Humus weg. Statt Weizen, Gras und Sonnenblumen wachsen im Ried in Niederwangen schon bald zwei- bis siebenstöckige Häuser mit 1000 Wohnungen aus dem Boden.

Für dieses Quartier geht Kulturland im Umfang von rund 62Fussballfeldern unwiederbringlich verloren. Wäre dies noch möglich, wenn Kulturland besser geschützt sein wird und Bauland optimaler genutzt werden muss? Daniel Wachter, Vorsteher des kantonalen Amts für Gemeinden und Raumordnung, will das nicht komplett ausschliessen.

«Am Ende bleibt dies auch künftig ein politischer Entscheid», sagte er am Rande der gestrigen Medienkonferenz zur Verschärfung der Regeln beim Bauen. Auch Hans Jörg Rüegsegger und Daphné Rüfenacht, Co-Präsidenten des Komitees für die Kulturlandinitiative, schliessen Bauprojekte auf der grünen Wiese nicht aus. Allerdings würden die Hürden deutlich höher, betonen der Präsident des Berner Bauernverbands und die grüne Grossrätin.

Kanton nimmt mehr Einfluss

«Es ist auch mir nicht egal, dass dieses Land verschwindet», sagt die Könizer Planungsdirektorin Katrin Sedlmayer (SP). Das tue weh und sei ein grosser Einschnitt in einen schönen Grünraum. Die neue Siedlung passt eigentlich nicht zur Siedlungspolitik der Gemeinde, die vor allem ihre städtischen Ortsteile nach innen verdichten will.

Mit dem gestern vorgestellten Baugesetz gibt es einige neue Kriterien zu berücksichtigen. Eine klare Änderung gegenüber heute ist die Zuständigkeit: Weil es sich im konkreten Fall um besten Ackerboden handelt, nimmt der Kanton stärkeren Einfluss.

Selbst wenn das Projekt von kantonaler Bedeutung wäre, müsste die sogenannte Fruchtfolgefläche zudem kompensiert werden, indem man zum Beispiel gleich viel Boden anderswo auszont.

Vor einer Einzonung wäre auch der Bedarf nachzuweisen: Liessen sich die Wohnungen nicht anderswo errichten, beispielsweise auf brach liegenden Flächen oder in bestehenden Wohngebieten? Noch wichtiger als heute wäre die verkehrliche Erschliessung. Schliesslich gäbe es Vorgaben zur Bebauungsart: Die Gebäude müssten wohl insgesamt höher werden.

Widerstand gegen Dichte

«Man könnte hier dichter bebauen», sagt auch Sedlmayer. Nur ist sie überzeugt: «Das wäre in der Bevölkerung nicht mehrheitsfähig gewesen.» Ursprünglich sei dies nämlich sogar vorgesehen gewesen. Das rief erbitterte Gegner auf den Plan.

Sedlmayer gleiste vor acht Jahren die Planung darum komplett neu auf und setzte auf weit mehr Grünflächen. Das Ried ist seit Jahrzehnten eingezont und hat eine wechselvolle Geschichte. Anders planen würde sie trotz der aktuellen Entwicklungen auf Kantonsebene nicht. «Das Ried ist ein Spezialfall, für mich stimmt das Projekt so auch heute noch.»

Zu wenig Kulturlandschutz

Die Co-Präsidenten Rüegsegger und Rüfenacht hätten gerne rigidere Vorgaben auf kantonaler Ebene als die gestern präsentierten. Der Gegenvorschlag der Regierung zu ihrer Initiative reiche nicht. Während Rüegsegger sich daran stört, dass nur Fruchtfolgeflächen und nicht auch die doppelt so grosse landwirtschaftliche Nutzfläche im selben Mass geschützt werden sollen, kann Rüfenacht nicht akzeptieren, dass auch künftig klare Siedlungsgrenzen fehlen im Kanton Bern.

Läge das Ried ausserhalb dieser Siedlungsgrenze, würde eine Bebauung ausser Rang und Traktanden fallen. Für das aktuelle Projekt, das 2000 Menschen ein Zuhause bieten wird, gelten aber sowieso noch die alten Regeln. Wenn Ende 2017 die ersten Bewohner einziehen werden, entlastet dies die Gemeinde.

«Darüber bin ich froh, wir brauchen Wohnraum», sagt Sedlmayer. Das Ried liege immerhin nicht «total am falschen Ort», sondern grenze an den Siedlungsraum. Ohne Ried wäre in Köniz der Druck noch grösser, nach innen zu verdichten. «Das ist aber längst nicht immer einfach», sagt Sedlmayer.

Berner Zeitung

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