Kanton will 360 neue Polizisten

Im kantonalen Vergleich hat Bern unterdurchschnittlich wenige Polizistinnen und Polizisten. Der Regierungsrat möchte dies ändern.

Der Personalbestand der Kantonspolizei Bern ist deutlich tiefer als der schweizerische Durchschnitt.

Der Personalbestand der Kantonspolizei Bern ist deutlich tiefer als der schweizerische Durchschnitt.

(Bild: Twitter/@kanton_bern)

Der Berner Regierungsrat will den Personalbestand der Polizei schrittweise erhöhen. Bis 2030 will er insgesamt 360 Stellen schaffen. Damit würde der Kanton in gut zehn Jahren über eine Polizeidichte verfügen, die dem heutigen gesamtschweizerischen Durchschnitt entspricht. Das erklärte Polizeidirektor Philippe Müller (FDP) am Montag vor den Medien. In einem ersten Schritt soll der Personalbestand bis 2025 um 170 Personen erhöht werden.

Weniger Polizisten als andere Kantone

Die Kantonsregierung begründet ihre Forderung in einem 60-seitigen Bericht. Gemessen an der Bevölkerungszahl hat Bern demnach viel weniger Polizisten als vergleichbare Kantone wie Waadt, Zürich und Graubünden. Im Kanton Bern kommt 1 Polizist auf 521 Einwohner, schweizweit liegt die Zahl bei 454.

Die geplante Erhöhung sei «kein Luxus, sondern ein massvolles Ziel», sagte Regierungsrat Müller. Aus seiner Sicht gibt es keine schlüssige Erklärung dafür, dass Bern eine vergleichbar tiefe Polizeidichte habe.

Im Gegenteil: Der «Hauptstadtkanton Bern» habe zusätzliche Aufgaben zu bewältigen, etwa wegen der zahlreichen Demonstrationen in der Stadt Bern und den vielen Sportveranstaltungen. Ausserdem nehme die Gewalt im öffentlichen Raum zu, besonders in den Städten.

Die Polizei will dieser Entwicklung mit mehr Präsenz und mehr Prävention entgegenwirken. Zusätzliche Stellen braucht es laut Müller auch für den Kampf gegen die grassierende Cyber-Kriminalität, für die Terrorabwehr und im Einsatz gegen häusliche Gewalt.

Kosten von 62 Millionen Franken

Zurzeit gibt es 1963 Stellen für Angestellte mit Polizeiausbildung. Die Schaffung von 360 neuen Stellen würde dem Kanton Bern jährliche Mehrkosten von 62 Millionen Franken bescheren. Die nötigen Mittel will der Regierungsrat im Planungsprozess einstellen.

Der Anstoss für das Geschäft kam vom Kantonsparlament. Der Grosse Rat bestellte 2016 einen Bericht zur Überprüfung des Personalbestandes der Polizei, indem er einen Vorstoss des SP-Politikers Adrian Wüthrich überwies.

Wüthrich ist Präsident des kantonalen Polizeiverbandes. Mittlerweile ist er Nationalrat. Der von ihm initiierte Bericht wird nun dem Kantonsparlament zugeleitet.

Knappe Kasse

Der Personalbestand der Kapo wurde letztmals vor rund zehn Jahren überprüft. Im Schlussbericht des Projekts «Lobenar» wurde eine Aufstockung des Personalbestandes um 139 Stellen gefordert.

Das Ziel wurde verfehlt: Wegen der knappen Kantonskasse wurden letztlich nur 76 Stellen geschaffen, wie Regierungsrat Müller in Erinnerung rief. Die Entwicklung des Personalbestandes hinke deshalb weiter hinter dem Bevölkerungswachstum her.

Nach wie vor hoch sind zudem die offenen Zeitguthaben bei den Polizisten: Zurzeit liegen sie bei 26 Tagen pro Kopf, wie aus dem Bericht hervorgeht.

mb/sda

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