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Immobilien als Erfolgsrezept

Die Finanzkrise führt für fast alle Schweizer Pensionskassen zu herben Verlusten. Da hält sich die Berner Pensionskasse Coopera vergleichsweise gut. Der hohe Immobilienanteil in ihrem Portefeuille zahlt sich jetzt aus.

Eine Kasse, die durch die Finanzkrise wie auch von früheren Börsencrashs nicht betroffen ist, dürfte so schwierig zu finden sein wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Doch es gibt sie. Eine von ihnen hat ihren Sitz in Ittigen. «Die Krise wurde doch schon lange erwartet, weshalb also die Aufregung?» meint Daniel Maeder, Geschäftsführer der Coopera Sammelstiftung PUK mit Sitz in Ittigen. Was auf den ersten Blick nach einer Verharmlosung der dramatischen Situation der Pensionskassen inmitten des grössten Aktiencrashs seit der grossen Depression aussieht, erklärt sich aus der Geschichte der Coopera-Sammelstiftung. «Einige Unternehmen machten sich schon bei der Einführung des Pensionskassen-Obligatoriums im Jahr 1984 Sorgen. Denn sie sahen voraus, dass dies durch den Renditedruck auf die angehäuften Spargelder und die damit verbundene Börsenspekulation zu grossen Problemen führen wird», sagt Maeder.

Kasse für 330 Betriebe

Der Coopera haben sich inzwischen 330 Betriebe mit etwa 3300 Arbeitnehmern angeschlossen. Es sind Klein- und Mittelbetriebe aus der ganzen Schweiz, die in ganz verschiedenen Branchen tätig sind, von der Akademie für Eurythmische Kunst in Dornach bis zur Bürobedarfsfirma Witzig in Frauenfeld. Die Coopera beschäftigt kein eigenes Personal, sie wird von der Maeder Treuhand in Ittigen verwaltet, bei der 550 Stellenprozente mit der Verwaltung der Kasse beschäftigt sind. Konstante Rendite In den 1980er-Jahren stellte er sich somit die Frage, wie eine Alternative zu den konventionellen Kassen aussehen könnte. Die Antwort darauf war die Gründung der Coopera Sammelstiftung mit einem Anlagevermögen von heute 265 Millionen Franken. Was aber bedeutet eine alternative Kasse für die Versicherten konkret: Müssen sich diese mit mickriger Verzinsung und schlechten Vorsorgeleistungen abfinden? «Nein», meint Maeder, «die Alterssparguthaben verzinsen wir zurzeit gemäss dem BVG-Mindestzinssatz von 2,75 Prozent, 2009 voraussichtlich etwas über dem Mindestzinssatz. Schweizer Pensionskassen erzielten 2007 auf ihren Anlagen durchschnittlich eine Rendite von 2 Prozent, die Coopera hingegen von 4 Prozent. Eine Performance von 4 Prozent hat sie seit 2003 immer erzielt. Einen Nachteil hat allerdings die Anlagepolitik der Kasse: Renditen von 10 Prozent, wie sie viele Kassen zum Beispiel im guten Börsenjahr 2005 erzielten, kann Coopera nicht erreichen.

80 Prozent in Immobilien

Die Anlagepolitik der Kasse umschreibt Maeder wie folgt: «Wir wollen ganz konkret wissen, zu welchem Zweck unser Vorsorgegeld eingesetzt wird. Deshalb haben wir in unserer Bilanz fast keine Anlagen am Kapitalmarkt.» Die Kasse investiert deshalb vor allem in Immobilienwerte: Grundpfandgesicherte Darlehen und Hypotheken machen 40 Prozent des Vermögens aus, nochmals 40 Prozent sind in eigenen Immobilien und Beteiligungen an Immobiliengesellschaften angelegt. Mit dieser Politik läuft die Kasse nur ein geringes Risiko, in eine Unterdeckung zu geraten: «Wir streben einen Deckungsgrad von 105 bis 110 Prozent an. Ende 2007 lag er auf etwas über 106 Prozent, im Moment dürfte er infolge der Währungs- und Kursschwankungen auf den Obligationen etwas tiefer liegen. Da wir stark in Immobilien investiert sind, werden wir kaum mit einer Unterdeckung zu kämpfen haben, solange in der Schweiz die vorsichtige Bewertungs- und Finanzierungspraxis bestehen bleibt», ist das Fazit von Maeder.

Sorgen über neue Regeln

Der hohe Immobilienanteil bereitet ihm nun Kopfzerbrechen. Die neuen, ab Januar 2009 geltenden Anlagevorschriften des Bundes beinhalten eine Erhöhung des erlaubten Aktienanteils auf 50 Prozent und eine Reduktion des Immobilienanteils auf maximal 30 Prozent. «Dies straft ausgerechnet jene, bei denen sich diese Anlagen in der jetzigen Finanzkrise bewährt haben, also Pensionskassen mit einem hohen Liegenschaften- und Hypothekenanteil», meint Maeder. Wie die Pensionskasse Coopera den neuen Regeln gerecht werden kann, steht noch nicht fest. Dem Geschäftsführer schwant Böses: «Offenbar will der Bundesrat, dass die Pensionskassen noch höhere Risiken eingehen, deshalb wurde der erlaubte Aktienanteil erhöht. Meines Erachtens täte er besser daran, die Mechanismen des Börsengeschäftes und der Spekulation generell zu hinterfragen.» Auch was sich der Bundesrat unter «Alternativen Anlagen» (erlaubt sind neu 15 Prozent, zum Beispiel Hedge Funds, Private Equity, Rohstoffe) nach der Neuregelung vorstellt, sei alles andere als vorsichtige Anlagepolitik.

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