«Ich bin besser akzeptiert, als viele denken»

Nationalrätin und Grüne-Schweiz-Präsidentin Regula Rytz will Ständerätin werden. Sie lässt die landläufige Meinung nicht gelten, dass sie für Bürgerliche nicht wählbar sei.

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Philippe Müller

Frau Rytz, Sie wollten nicht Berner Stadtpräsidentin werden und auch nicht Regierungsrätin. Ständerätin aber schon. Warum?
Regula Rytz: Nach vielen Jahren Engagement auf der kommunalen und kantonalen Stufe habe ich mich 2011 entschieden, auf die nationale Ebene zu wechseln. Ich möchte hier auch bleiben, weil hier viele wichtige Weichen gestellt werden, etwa in der Klima- und Wirtschaftspolitik. Ich kann mir aber gut vorstellen, von der grossen in die kleine Kammer zu wechseln. 

Beim städtischen und kantonalen Exekutivamt wären Ihre Wahlchancen sehr gross gewesen. Im Kampf um den rot-grünen Ständeratssitz dürften Sie es gegen den Bisherigen Hans Stöckli von der SP eher schwer haben. Was ist Ihre Motivation?
Es wird ein sportliches und freundschaftliches Duell zwischen Hans Stöckli und mir, darauf freue ich mich. Mir ist wichtig, dass die sozial und ökologisch denkenden Wählenden in diesem Kanton eine Auswahl haben. Wir müssen im nächsten Jahr mit den stärksten Kräften antreten. Denn es werden Richtungswahlen sein für die Zukunft unseres Landes und auch für die Rolle unseres Kantons in der Eidgenossenschaft. Es tut mir wirklich weh zu hören, wie negativ National- und Ständeräte aus anderen Kantonen über den Kanton Bern reden, vor allem in Sachen Finanzausgleich. 

Sie sprechen von einem freundschaftlichen Duell. Aber es ist doch klar, dass Sie die Wahl gewinnen und Hans Stöckli schlagen wollen.
Ich will einen engagierten Wahlkampf machen und mit der Bevölkerung darüber diskutieren, wie wir den Aufbruch in die postfossile Energiezukunft zu einer Chance für die lokale Wirtschaft machen können. Für mich geht es um eine inhaltliche Stärkung des rot-grünen Tickets. Am Ende entscheidet die Bevölkerung, ich kann mit jedem Resultat leben. Hans Stöckli ist ein beliebter Ständerat und wird viel Unterstützung haben.

Hans Stöckli dürfte im bürgerlichen Lager mehr Stimmen holen als Sie. 
Vielleicht. Ich bin allerdings überparteilich besser akzeptiert, als viele denken. Ich habe bei den Nationalratswahlen 2015 von allen Kandidierenden im Kanton Bern am zweitmeisten Panaschierstimmen geholt. Ich arbeite in vielen überparteilichen Gremien mit. Und ich habe schon bewiesen, in Zusammenarbeit mit anderen politischen Kräften Widerstände überwinden zu können. Etwa, als ich als Stadtberner Gemeinderätin damals ein Bahnhofplatzprojekt in Rekordtempo mehrheitsfähig machen musste. 

Ein Vorteil für Sie könnte die Frauenfrage sein, weil es im Ständerat nur wenige Frauen gibt. Werden Sie diesen Trumpf im Wahlkampf ausspielen?
Ich mache seit über 30 Jahren Politik und bin immer meine Frau gestanden. Und ich setze mich dafür ein, dass es in allen politischen Entscheidungsgremien eine angemessene Vertretung von Frauen gibt. Die Frauenfrage wird im Wahlkampf ein wichtiges Thema sein. Dass ich aber keine Alibi-Frauenkandidatin bin, ist glaube ich allen klar. 

In vier Jahren wären Ihre Wahlchancen besser gewesen, weil Hans Stöckli dann als Ständerat abtreten wird. Warum warten Sie nicht bis dann?
Man muss dann starten, wenn es nötig ist. Rot-Grün muss bei den nationalen Wahlen 2019 landesweit zehn bis zwanzig Sitze hinzugewinnen, damit wir die nationale Politik in eine soziale und ökologische Richtung lenken können.

Dient Ihre Ständeratskandidatur auch ein Stück weit dazu, Ihren Nationalratssitz zu verteidigen?
Mein Resultat bei den letzten Wahlen 2015 zeigt, dass ich dafür auf keine Ständeratskandidatur angewiesen bin. Nein, ich kandidiere aus inhaltlicher Überzeugung für die kleine Kammer. Ich will dort etwas bewegen, für den Kanton Bern und für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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