Huttwil

Asylsuchende ziehen ins Sportzentrum Huttwil

HuttwilMarkus Bösiger hat einen neuen Nutzer für sein Sportzentrum in Huttwil gefunden. Dieser will dort unter anderem ein Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende einrichten.

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Es gehörte zur Drohkulisse, die Markus Bösiger in Huttwil seit Monaten aufbauten, wenn es um die Zukunft seines Sportzen­trums ging: das Asylzentrum. Hartnäckig hielten sich denn auch entsprechende Gerüchte im Zentrum an der oberen Langete. Jetzt steht fest: Wo Rauch ist, ist auch hier Feuer, obschon dies bisher immer dementiert worden war.

Am Dienstag informierten die kantonale Polizei- und Militärdirektion und die Einwohnergemeinde Huttwil gemeinsam, dass im Sportzentrum ein Zentrum für bis zu 100 Asylsuchende entsteht. Es ist ein besonderes Zentrum, wie Iris Rivas, die Leiterin des kantonalen Migrationsdienstes, präzisiert: Vorgesehen ist es, um die Ankunft von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) besser zu strukturieren.

Wie die der Asylsuchenden insgesamt hat auch die Anzahl der UMA seit Mai stark zugenommen. Iris Rivas spricht von einer Vervierfachung. Das bestehende Zentrum in Bäregg bei Langnau genügt deshalb nicht mehr; heute sind es im ganzen Kanton fünf. Wenn diesen Zentren jedoch ständig neue Jugendliche zugewiesen würden, bringe das deren Strukturen immer wieder durcheinander.

Zugang finden

Deshalb will der Kanton die Ankommenden ab Januar in einem besonderen Zentrum aufnehmen und dort rasch abklären, wo und wie sie untergebracht werden können. Der Sport soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Kinder und Jugendliche seien nach ihrer langen Flucht häufig traumatisiert und deshalb für die nötigen Abklärungen nicht zugänglich. Könnten sie sich sportlich betätigen, öffneten sie sich rascher und könnten sich dadurch auch besser im Zielland ihrer Flucht integrieren, verweist Iris Riva auf wissenschaftliche Erkenntnisse.

Diese seien durch Erfahrungen bestätigt worden, unter anderem auch bei Sportlagern des Zen­trums Bäregg im Sportzentrum Huttwil. Über den Sport funktioniere der Zugang auch über sprachliche Barrieren, ergänzt Lukas Zürcher, Verantwortlicher Kommunikation des Projekts Campus Perspektiven im Sportzentrum Huttwil.

Das ist denn auch der Hintergrund für die Ansiedlung des Ankunftszentrums in Huttwil: Im Sportzentrum stehen für die sportpädagogische Betreuung die vielfältigen Anlagen zur Verfügung. Die Zentrum Bäregg GmbH mietet eines der beiden Unterkunftsgebäude für bis zu fünf Sportklassen mit je 15 bis 20 Jugendlichen.

Nur ein Mosaikstein

Das neue Ankunftszentrum ist jedoch nur ein Mosaikstein der neuen Mieterin, wenn auch ein wichtiger, der für eine gewisse Grundauslastung sorge, wie Lukas Zürcher betont. Angestrebt werde ein buntes Mosaik an Aktivitäten aus den Bereichen Sport, Bildung und Kultur, in dem die bestehenden Nutzer der Anlage eine ebenso wichtige Rolle spielen wie neue, die man dafür gewinnen wolle.

Hinter dem Projekt Campus Perspektiven steht das Unternehmen Zihler social development aus der Stadt Bern. Es verweist auf seine breite Erfahrung in ­sozialem Unternehmertum und Sportpädagogik hin. Als Vorzeigeprojekt nennt es ein Sportcamp für Strassenkinder in Äthiopien, für dessen Patronat es unter anderem Alt-Bundesrat Adolf Ogi und Nationalrätin Pascale Bruderer gewinnen konnte.

Nicht äussern will sich Lukas Zürcher zum Mietzins, den Markus Bösiger verlangt. Über sein Umfeld hatte dieser, der nicht mit den Medien spricht, verlauten lassen, «unter einer Million im Jahr» laufe nichts.

Zufrieden mit der neuen Lösung fürs Sportzentrum zeigt sich der Huttwiler Gemeindepräsident Hansjörg Muralt (SVP). Seit er von Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) über Bösigers Absichten im Zusammenhang mit einem Asylzentrum informiert worden sei, habe er diesem zu verstehen gegeben, ein solches müsste mit einer Gesamtlösung für das Sportzentrum verbunden werden. «Das ist nun der Fall.»

Eis dürfte ein Traum bleiben

Insgeheim erhofft sich der Gemeindepräsident sogar, dass die neuen Mieter im Sportzentrum wieder Eis machen. «Das Bedürfnis dafür wäre im Emmental und im Oberaargau vorhanden.» Solche Erwartungen dämpft Zürcher: «Für uns stehen in der Halle Tennis oder Beachvolleyball im Vordergrund.»

Informationsanlässe von Kanton, Campus Perspektive und Zentrum Bäregg: ?Montag, 21.?Dezember, 17–19 Uhr und 19.30–21.30 Uhr, Sportzentrum Huttwil. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.12.2015, 11:42 Uhr

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