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Grosser Mangel an Kinderpsychiatern

Im Kanton Bern gibt es zu wenig frei praktizierende Psychiater für Kinder und Jugendliche. In der Region Interlaken fehlen sie ganz. Es bleiben nur die kantonalen Angebote. Diese sind überlastet.

Insbesondere in den Landregionen lassen sich zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater nieder.
Insbesondere in den Landregionen lassen sich zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater nieder.
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In der Region Interlaken gibt es keine private Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Einzig die Ärzte der kantonalen Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) sind für die kleinen Patienten da. Doch sie haben lange Wartelisten. Kinder und Jugendliche, die nicht als Notfall gelten, warten häufig sechs Monate oder länger auf eine Therapie. Für die KJP-Angestellten ist der Druck gross, denn sie sind hauptsächlich mit Notfällen und Zuweisungen beschäftigt. So kommen sie kaum dazu, reguläre Abklärungen und Psychotherapie anzubieten, obwohl der Bedarf besteht.

Diese Angaben macht der bernische Regierungsrat zur aktuellen Situation im Oberland. Er antwortet damit auf eine Interpellation von Grossrat Christoph Ammann (Meiringen, SP), dem die Situation in seiner Region Sorgen bereitet. Der Rektor, der manchmal auf schnelle Abklärungen von Schülern angewiesen wäre, bezeichnet die Lage als unzumutbar. Am Effort der KJP liege das nicht, hält Ammann fest. Dort seien Arbeitszeiten von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends die Regel.

Die Lage ist im ganzen Kanton prekär

Das Oberland mag ein Extrembeispiel sein. Ungenügend sei die Situation aber im ganzen Kanton, hält der Regierungsrat fest. Nur in Bern ist die Lage mit knapp zehn Praxen weniger angespannt. In den peripheren Regionen aber sei das Angebot beschränkt. Gemäss Schätzungen des Regierungsrats kommen im gesamten Kanton auf einen ambulant tätigen Therapeuten rund 5000 Kinder und Jugendliche.

«Damit ist das Problem von grösserer Tragweite, als ich es aus eigener Erfahrung und Oberländer Sicht angenommen habe», sagt Christoph Ammann. Die Politik müsse eingreifen. «Denn einerseits fehlen Psychiater mit eigener Praxis, andererseits ist der Kanton nicht in der Lage, in die Bresche zu springen», so Ammann.

«Es ist ein doppeltes Problem»

Im Kanton Bern liegt die Verantwortung für die ambulante psychiatrische Versorgung für Kinder und Jugendliche bei den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (UPD). «Es ist ein doppeltes Problem», sagt Benno Schimmelmann, Mitglied der Geschäftsleitung und Direktor für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das eine Problem liege darin, dass sich insbesondere in den Landregionen zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater niederlassen würden. Fürs Oberland wären rund fünf bis zehn Praxen nötig, um eine Entlastung zu erreichen, schätzt Schimmelmann.

Eine Möglichkeit, Ärzten die Übernahme einer Praxis in der Peripherie schmackhaft zu machen, wären finanzielle Anreize. Einen ersten Versuch in diese Richtung machte vor einigen Jahren die Krankenkasse Visana, als sie den Hausärzten und den Psychiatern im Oberland während eines Pilotprojekts leicht höhere Tarife bezahlte als denjenigen in der Stadt. Vom Kanton Bern wurde das Projekt begrüsst, der Bundesrat hingegen kritisierte, dass man aus regionalpolitischen Gründen höhere Tarife bezahle.

Ausbau budgetiert, aber von Sparmassnahmen bedroht

Das andere Problem liegt laut Schimmelmann darin, dass die UPD die fehlenden frei praktizierenden Ärzte nicht einfach ersetzen können, «denn unser Stellenbudget ist beschränkt». Zwar sei ein kleiner Ausbau in den Regionen geplant. Das Geld dafür ist budgetiert, doch der Regierungsrat warnt: Wegen der aktuellen Sparbemühungen seien diese Ressourcen bedroht.

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