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Frauen mit Brustkrebs oft falsch behandelt

Wer Brustkrebs hat, wird nicht überall nach Lehrbuch behandelt. Die Qualitätsunterschiede zwischen den Kantonen sind gross, dies zeigt eine neue Studie. In den Kantonen Bern und Solothurn ist die Lage besonders unübersichtlich.

Grosse regionale Unterschiede: Wie kompetent Brustkrebs behandelt wird, ist stark vom Kanton abhängig
Grosse regionale Unterschiede: Wie kompetent Brustkrebs behandelt wird, ist stark vom Kanton abhängig
Keystone

Jede zehnte Frau in der Schweiz erkrankt an Brustkrebs. Die Sterberate liegt bei rund einem Viertel. Damit führt Brustkrebs zu den meisten Todesfällen unter den Krebserkrankten. Umso schockierender sind die Ergebnisse einer neuen Studie über die Früherkennung und Behandlung von Brustkrebs: Über 30 Prozent der Patientinnen erhalten nicht die optimale Therapie – die Behandlung ist stark davon abhängig, in welcher Region eine Frau lebt (siehe Kasten). Überblick fehltFür die Kantone Solothurn und Bern sind keine Zahlen verfügbar, da es hier kein Krebsregister gibt – obwohl dies wiederholt gefordert wurde: «Seit zwanzig Jahren wird diskutiert», berichtet Nationalrätin Bea Heim, die sich schon lange für eine systematische Erfassung von Krebsfällen einsetzt. Im Solothurner Kantonsrat hat sie ihren Vorstoss 1990 durchgebracht. Er scheiterte dann aber im Parlament an der Finanzierung: Als Nationalrätin setzt sie sich heute für ein Krebsregister auf nationaler Ebene ein. Derzeit ist eine Parlamentarische Initiative am Laufen. Sie wurde in der nationalrätlichen Kommission bereits angenommen. Im Herbst beschäftigt sich die Ständeratskommission damit. Doch Bea Heim will sich nicht zu früh freuen: «Die Argumente dagegen sind immer die gleichen. Die Kantone warten auf den Bund – und der Bund findet, die Kantone sollen machen.» Und dann seien da natürlich noch die Kosten, die man scheue. Dabei sind die Argumente für ein Krebsregister stark: Eine Datenbank würde Rückschlüsse für Prävention und Therapie zulassen – und in manchen Fällen sogar Leben retten. Denn es könnten Sterberaten und Therapieansätze miteinander in Verbindung gebracht und die Qualität verbessert werden. Mit dem gewonnenen Wissen liessen sich vielleicht sogar Kosten senken. Denn wer mehr weiss, kann die Mittel gezielter einsetzen. Kompetenzzentrum in BernBeat Thürlemann, Mitautor der Studie, vermutet, dass sich einige Kantone vor einem Krebsregister drücken, weil sie an den Strukturen ihrer Spitalversorgung nichts ändern möchten. Berner Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud lässt diesen Vorwurf nicht gelten: «Seit ich im Amt bin, beschäftige ich mich mit der Strukturbereinigung. Wir haben in unserem Kanton Kompetenzzentren gebildet – für den Brustkrebs ist dies das Brustzentrum Aare, ein Netzwerk des Inselspitals, an das zum Beispiel auch das Bürgerspital Solothurn angeschlossen ist.» Der Widerstand gegen das Krebsregister sei politischer Natur, vor allem die bürgerlichen Parteien seien dagegen. Krebsforscher wie Franco Cavalli fordern, dass Spitäler Brustkrebspatientinnen nur noch annehmen dürfen, wenn sie pro Jahr mehr als fünfzig Fälle behandeln: Qualität durch Erfahrung. Gesundheitsdirektor Perrenoud unterstützt diese Forderung, hat sie aber im Kanton Bern noch nicht umgesetzt. Allerdings hat er bereits eine Arbeitsgruppe zur Qualitätskontrolle eingesetzt, die sich mit dem Thema befasst. Für Onkologe Thomas Furrer von der Hirslanden-Gruppe ist neben der Fallzahl, die er bei hundert ansetzt, auch das interdisziplinäre Arbeiten wichtig: «Bei uns wird stets ein Gremium gebildet, dem in der Regel ein auf die Brust spezialisierter Gynäkologe (Senologe), ein Bestrahlungsspezialist (Radiotherapeut) und ein Spezialist für Chemotherapie (Onkologe) beiwohnen.» Kriterien für die SpitalwahlAuch im Inselspital Bern wird so gearbeitet. Mit über vierhundert Brustkrebsfällen pro Jahr bringen die beteiligten Ärzte die nötige Erfahrung mit. Andreas Günthert, Leiter Senologie, meint allerdings: «Auch kleinere Spitäler können ihre Verantwortung wahrnehmen, unter der Voraussetzung, dass sie einem Netzwerk angeschlossen sind.» Doch werden die Fälle auch wirklich weitergereicht? «Vielfach stehen wir den Kliniken beratend zur Seite, nur wenige Patientinnen müssen nach Bern kommen», sagt Günthert. Mögliche Gefahr bei diesem System: Der behandelnde Arzt muss zumindest so kompetent sein, dass er sich nicht überschätzt und wenn nötig auch tatsächlich Hilfe zuzieht. Brustkrebspatientinnen tun gut daran, sich bei der Wahl der Klinik nach den Fallzahlen sowie der Vorgehensweise zu erkundigen: Je höher die Zahl der Brustkrebsoperationen, desto grösser ist die Kompetenz – und je besser die interdisziplinäre Vernetzung, desto eher bekommt man die richtigen Therapie. Dies gilt übrigens auch für die Früherkennung. Am besten lässt man die Vorsorgeuntersuchung mittels Röntgenuntersuchung in einer spezialisierten Klinik durchführen. Die Mammografie wird übrigens bei über 50-jährigen Frauen von den Kassen übernommen.

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