Milliardär Wyss beglückt Bern erneut

Bern

Der Berner Unternehmer und Philanthrop Hansjörg Wyss ist bereit, 100 Millionen Franken in ein neues Umweltforschungszentrum der Universität Bern zu investieren.

Hansjörg Wyss ist der Umweltschutz generell ein grosses Anliegen.

Hansjörg Wyss ist der Umweltschutz generell ein grosses Anliegen.

(Bild: Laurent Gillieron (Keystone))

Philippe Müller

Ein schöneres Weihnachtsgeschenk hätte sich der Kanton Bern kaum wünschen können: Macht er in den nächsten Monaten alles richtig, dürften schon bald über zehn Jahre hinweg insgesamt 100 Millionen Franken aus den USA nach Bern fliessen. Absender: der Berner Unternehmer Hansjörg Wyss, der in Amerika lebt. Mit dem Geld soll an der Universität Bern das Wyss Centre Bern aus der Taufe gehoben werden, ein weltweit führendes Zentrum im Bereich der Umwelt- und Klimaforschung.

Mäzen Wyss und seine Stiftung knüpfen die Investition allerdings an Bedingungen: Erstens muss der Regierungsrat für das in den letzten Monaten in Eile erarbeitete Konzept im März die Zustimmung des Grossen Rates abholen. Zweitens muss das Projekt Hansjörg Wyss dann inhaltlich und organisatorisch auch noch überzeugen. Mit einem Entscheid der Stiftung ist im nächsten April oder Mai zu rechnen.

Die dritte Bedingung ist finanzieller Natur: Der Kanton und die Universität Bern müssen während zehn Jahren zusammen ebenfalls eine Summe von total 100 Millionen Franken in das neue Zentrum investieren.

Geld für lokale Forschung

Im letzten halben Jahr hat ein Kernteam unter der Leitung der Volkswirtschaftsdirektion und von Professoren der Uni Bern gemeinsam mit dem Rektorat ein Konzept für das Wyss Centre Bern entwickelt. Dazu gehört die Sicherung der von Wyss verlangten Geldströme. Der vorliegende Vorschlag sieht vor, dass die Universität Bern einen gewissen Cash-Betrag beisteuert und zusätzlich als monetären Gegenwert wissenschaftliche Dienstleistung erbringt.

Der Kanton seinerseits will ab dem Budget 2020 jährlich während zehn Jahren 5 Millionen Franken für das Projekt reservieren. Der Grossteil des Kantonsbeitrags ist für konkrete Umweltforschungsprojekte im Kanton Bern vorgesehen. Auf der Liste steht etwa das Vorhaben, die Jungfrauregion zur ersten CO2-neutralen Tourismusregion der Schweiz zu machen. Auch der nachhaltige Umgang mit Wasser und Boden im Dreiseengebiet oder das kantonale Waldbrandmanagement sind mögliche Forschungsvorhaben. Weitere 20 Millionen Franken würde der Kanton für die Grundfinanzierung des Wyss Centre beisteuern inklusive der Mietkosten für die benötigten Räumlichkeiten.

Damit ist bereits klar, dass für das Wyss Centre Bern kein Neubau erstellt wird. Vielmehr sollen möglichst im Umkreis der Universität Büroräume zugemietet werden. Die Suche ist jedoch noch nicht gestartet.

50 neue Jobs in Bern

Der Regierungsrat rechnet damit, dass mit der Errichtung des Wyss Centre in Bern rund 50 zusätzliche Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Fachkräfte geschaffen würden. Die Grundidee des Zentrums ist es, drei bereits vorhandene Forschungsbereiche der Universität Bern zusammenzuführen, dadurch Synergien zu schaffen und eine Weiterentwicklung zu einem weltweit führenden Forschungsinstitut zu schaffen. Es handelt sich um das Interdisziplinäre Zentrum für nachhaltige Entwicklung und Umwelt, das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung sowie das Institut für Pflanzenwissenschaften.

Für den Rektor der Universität Bern, Christian Leumann, ist klar, was er vom Wyss Centre Bern erwartet: «Wir müssen die Themen Klimawandel, Biodiversität und Bodennutzung zusammenführen. Das Ziel wäre es, durch unsere Forschung Prognosen und konkrete Vorschläge zum Klimawandel und zum Umgang mit ihm zur Verfügung zu stellen.»

«Wir müssen die Themen Klimawandel, Biodiversität und Bodennutzung zusammenführen.»Christian Leumann Rektor der Universität Bern

Er stellt sich das so vor, dass in den vier definierten Forschungszonen in Südamerika, Ostafrika, Südostasien und Bern, wo das Wyss Centre sogenannte Hubs betreiben soll, die Bevölkerung in der Bewältigung des Klimawandels unterstützt wird. «Wir wollen den Leuten sagen können, welche Nahrungsmittel sie in Zukunft am besten anbauen sollen, welche Nutztiere sich eignen und wie man die Raumplanung den neuen Gegebenheiten anpassen kann.» Leumann erkennt für die Universität mit dem Projekt eine grosse Chance: «Es würde uns in diesen Forschungsgebieten weltweit stark nach vorne bringen.»

«Grosse Chance für Kanton»

Entzückt ist auch der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP). Er war es persönlich, der Hansjörg Wyss im vergangenen Frühling angefragt hat, ob er an einem solchen Forschungszentrum in Bern interessiert wäre und sich eine Beteiligung vorstellen könnte. «Die Idee dazu war zuvor im Regierungsrat entstanden.» Wyss sei zu der Zeit ohnehin in Bern gewesen, weil er bekanntlich auch die Erweiterung des Kunstmuseums mit 20 Millionen Franken unterstützt. «Er hat sofort positiv reagiert.» Wyss ist der Umweltschutz generell ein grosses Anliegen. So wurde erst Ende Oktober bekannt, dass er bis ins Jahr 2030 eine Milliarde Dollar für den Erhalt des Planeten Erde spenden will.

Ammann sieht im Projekt eine «grosse Chance, den Kanton Bern entscheidend weiterzubringen». Für ihn ist klar, dass die finanziell angespannte Situation des Kantons Bern kein Hinderungsgrund für dieses visionäre Vorhaben sein darf. «Bei einem Gesamtbudget von jährlich 10 Milliarden Franken müsste nach meinem Dafürhalten ein Beitrag von 5 Millionen möglich und politisch mehrheitsfähig sein.»

Sollten sowohl das Kantonsparlament als auch die Wyss-Stiftung im Frühling Ja zum Forschungszentrum sagen, würde das Wyss Centre Bern ab 2020 sukzessive tätig.

Berner Zeitung

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