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Dubiose Geschäfte mit Holz

Am ersten Prozesstag gegen den Ex-Geschäftsführer des Verbands Bernischer Waldbesitzer (VBW) ging es vor allem darum, wer für die ausstehenden Zahlungen verantwortlich war. Diese führten letztlich zum Konkurs des VBW.

Im November 2005 deponierte der Verband Bernischer Waldbesitzer (VBW) seine Bilanz. Angehäuft hatte sich ein Schuldenberg von rund 1,2 Millionen Franken, der Verband war nicht mehr zahlungsfähig. Das Loch in den Finanzen entstand, weil eine italienische Holzabnahmefirma mit ungedeckten Checks ihre Schulden begleichen wollte. Der VBW fungierte eigentlich lediglich als Vermittler zwischen Produzenten und Kunden. Wie der Schlussbericht des Untersuchungsrichters zeigt, hatte der Geschäftsführer in den Jahren 2000 bis 2003 jedoch die Praxis eingeführt, den Produzenten ihr geliefertes Holz zu bezahlen, bevor die Kundenrechnung beglichen war. Das Geld für diese Überbrückung war für den Selbsthilfefonds der Schweizerischen Holzwirtschaft (SHF) bestimmt. Der bernische Verband VBW war für dessen Inkasso zuständig.

Anklage: Misswirtschaft

Kurz vor dem Konkurs hatten die Verantwortlichen des Verbands, allen voran Präsident Hermann Weyeneth, den Geschäftsführer als Ursache der finanziellen Misere geortet. Der Verband entliess ihn per sofort und reichte Strafanzeige ein.

Seit gestern steht der Geschäftsführer nun vor dem Einzelgericht Bern-Laupen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, grobfahrlässige Misswirtschaft betreiben zu haben. Der mehrtägige Prozess begann mit den Zeugenaussagen von drei Personen: dem Treuhänder, welcher in den fraglichen Jahren die Revision des VBW erledigte. Danach folgte der Mitarbeiter des Geschäftsführers, zuständig für die logistische Seite der Holzvermittlung wie Transport. Er führte die Statistik über die Holzmengen, die beim VBW durchkamen. In der Befragung durch Einzelrichterin Salome Krieger sagte er, dass daraus nicht ersichtlich gewesen sei, ob die Rechnungen bereits bezahlt worden seien.

Schwache Zahlungsmoral

Der dritte Zeuge am ersten Tag hatte eine weite Reise hinter sich: Der Agent, welcher die Geschäfte mit der italienischen Sägerei vermittelt hatte, reiste eigens aus Süditalien zum Prozess an. Seine Aufgabe war die Vermittlung zwischen dem VBW und den Abnehmern in Italien. Der Mann arbeitete unabhängig, ohne Vertrag mit dem Waldbesitzerverband.

Im Verlauf seiner Aussagen wurde klar, dass sich die italienischen und die Schweizer Geschäftspraktiken grundsätzlich unterscheiden: «Die Zahlungsmoral der italienischen Käuferfirma war katastrophal», sagte er freimütig. Doch zumindest hätten sie bezahlt. Auch ein Check über 500'000 Franken, den er dem VBW-Geschäftsführer unter dem eigenen Namen ausgestellt hatte, bezeichnete er lediglich als «Garantie, um den Zahlungswillen zu unterstreichen». Dieser Check war – wie laut dem Bericht des Untersuchungsrichters auch andere dieser Firma – nicht gedeckt. Der Italiener verwahrte sich aber gegen die Unterstellung, der Check sei ein Geschenk an den Geschäftsführer gewesen: «Ich habe nie Geschenke machen müssen.»

Weyeneth als Zeuge

Heute werden zwei weitere, gewichtige Zeugen befragt: zuerst der Expräsident des VBW, Hermann Weyeneth. Ihm war ebenfalls ungetreue Geschäftsführung vorgeworfen worden; das Verfahren wurde jedoch im Dezember 2007 eingestellt. Als zweite Zeugin wird Marianne Räss erwartet. Sie war zur Zeit des VBW-Konkurses Präsidentin des SHF. Der Angeschuldigte wird morgen einvernommen, das Urteil nächsten Dienstag eröffnet.

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