Dreck und Unrat: Bund sperrt Rastplatz in Wileroltigen

Wileroltigen

Nach dem ruhigen letzten Jahr gehen die Wogen bereits wieder hoch: Weil die Fahrenden den Autobahnrastplatz übermässig verschmutzt haben, hat der Bund die Anlage kurzerhand geschlossen.

Eine durchgestrichene Parkplatztafel, Abschrankungen und schliesslich ein Fahrverbot: Seit Mitte Woche ist die Zufahrt zum Autobahnrastplatz Wileroltigen gesperrt.

Eine durchgestrichene Parkplatztafel, Abschrankungen und schliesslich ein Fahrverbot: Seit Mitte Woche ist die Zufahrt zum Autobahnrastplatz Wileroltigen gesperrt.

(Bild: Manuel Zingg)

Stephan Künzi

Wie sich die Dinge wiederholen. Nachdem es letztes Jahr in Wileroltigen während des ganzen Sommers um die Fahrenden ruhig geblieben war, drohen heuer die Emotionen wieder überzukochen. Wie schon vor zwei Jahren, als auf der Wiese direkt an der Autobahn über Wochen hinweg verschiedene Roma-Familien rasteten. Und es zu offenen Konflikten mit der ansässigen Dorfbevölkerung kam.

Auch damals begann die Saison der Fahrenden damit, dass eine erste Gruppe auf dem Autobahnrastplatz haltmachte. In der Folge liess der Bund die Anlage aus Sicherheitsgründen vorübergehend sperren – und genau das passiert jetzt zum zweiten Mal. Seit Mittwoch ist die Zufahrt wieder dicht, wie das Onlineportal Nau.ch schreibt.

Ärger bei den Passanten

Dabei sind die Fahrenden schon lange da. Seit März standen mehr oder weniger immer Gespanne auf dem Rastplatz, lösten sich die einzelnen Familien mehr oder wenige nahtlos ab. Zu Reibereien kam es kaum. Bis Mitte der Woche: Weil sich der Abfall auftürmte und die Toiletten über Gebühr verschmutzt waren, griff das Bundesamt für Strassen ­(Astra) durch und riegelte die ­Anlage ab.

«Die Situation ist mehr und mehr aus dem Ruder gelaufen», zieht Astra-Sprecher Thomas Rohrbach Bilanz. Am Ende habe das Autobahnpersonal feststellen müssen, dass der Rastplatz nicht mehr mit dem üblichen Aufwand zu reinigen sei.

Mittlerweile sind die Toiletten wieder sauber, aber noch immer geschlossen. Übers Wochenende soll nun auch der Unrat verschwinden. «Wir sind mit den Fahrenden übereingekommen, dass sie selber Ordnung schaffen», fährt Rohrbach fort. Und stellt in Aussicht: Wenn alles nach Plan läuft, steht die Anlage am Montag der Öffentlichkeit wieder im vollen Umfang zur Verfügung.

Dass der Bund mit der Sperrung viele Passanten verärgert hat, weiss Rohrbach. «Die Reaktionen kommen jeweils umgehend», sagt er und zeigt dafür auch Verständnis. Besonders im Blick hat er dabei die Lastwagenfahrer, für die der Rastplatz vor allem gebaut worden ist. Sie müssen ihre Fahr- und Ruhezeiten einhalten und handeln sich bei einer unangekündigten Schliessung nur allzu rasch Probleme ein. Wenn sie eigentlich in Wileroltigen anhalten müssten, dann aber notgedrungen weiterfahren und so zu spät Pause machen, riskieren sie eine Busse.

Nun ein Depot

Ob der Bund dieses Jahr im Umgang mit den Fahrenden etwas gar blauäugig war? Rohrbach mag es nicht von vornherein ausschliessen. Er erinnert nochmals daran, dass das Nebeneinander in den vergangenen Monaten so reibungslos funktioniert hat. Und dass die letzte Saison so ruhig verlaufen ist – nun aber sollen die Zügel wieder angezogen werden.

«Wir werden vorbeigehen und eine Sicherheitsleistung verlangen», kündigt der Sprecher an. Das tat der Bund eigentlich schon immer. Doch Rohrbach lässt offen durchblicken, dass man als Aussenstehender nicht einfach mitbekommt, wann eine Familie die andere ablöst und damit ein neues Depot fällig wird. Aus dem Geld finanziert der Bund ausserordentliche Aufwände wie eben umfangreiche Reinigungsarbeiten oder auch Reparaturen.

Trotzdem sollen die Fahrenden auch nach der Wiedereröffnung weiterhin auf dem Rastplatz haltmachen können. Nicht zuletzt, weil sie sich im Moment kaum wegweisen lassen – vielleicht lässt der Bund das Areal künftig aber durch einen Sicherheitsdienst überwachen, wie Rohrbach in Aussicht stellt.

Auch bei den Fahrenden selber lösen die jüngsten Entwicklungen in Wileroltigen Kopfschütteln aus. Allen voran bei Andreas Geringer, der seit Jahr und Tag als Vermittler zu den Ansässigen unterwegs ist: Er könne nicht verstehen, dass sich einzelne Familien nicht an die Regeln hielten. Denn letztlich hätten unter den Konflikten, die sich daraus entwickelten, alle Fahrenden zu leiden.

Berner Zeitung

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