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Die Zinsen bleiben sehr tief

Hypothekarschuldner können sich auf weiterhin günstige Zeiten freuen. Wer dagegen Geld zur Bank bringt, erhält dafür auch dieses Jahr praktisch keinen Zins.

Kurz vor seinem Abgang beschenkt BEKB-Chef Hanspeter Rüfenacht die Aktionäre.
Kurz vor seinem Abgang beschenkt BEKB-Chef Hanspeter Rüfenacht die Aktionäre.
Christian Pfander

Die Zinswende wird Hanspeter Rüfenacht wohl nicht mehr als Chef der Berner Kantonalbank (BEKB) erleben. Denn Mitte Jahr übergibt er den Posten an Armin Brun, den bisherigen Leiter des Privat- und Firmenkundengeschäfts (wir berichteten). «Ich rechne nicht damit, dass wir 2019 die Sparzinsen erhöhen können», sagt Rüfenacht bei einem Gespräch mit dieser Zeitung in seinem Büro am Bundesplatz.

Momentan sind Privatkonten bei der BEKB unverzinst, auf normalen Sparkonten gibt es einen Minizins von 0,05 Prozent. Eine Belastung sind die Kontogebühren, die viele Banken in den letzten Jahren erhöht haben. Kunden mit sehr grossen Guthaben werden seit 2015 teilweise gar Negativzinsen verrechnet. Für das Gros der Privatkunden ist dies bei der BEKB nicht geplant: «Das wollen wir möglichst verhindern», sagt Rüfenacht.

Auf der anderen Seite profitieren Hypthekarschuldner davon, dass die Schweizerische Nationalbank an ihrem negativen Leitzins festhält. Die Zinsen, die sie der Bank zahlen müssen, sind praktisch wieder auf Rekordtief. Die Bank ist im Sandwich zwischen den bei null blockierten Sparzinsen und gesunkenen Kredit- und Hypozinsen. Dieses Zinsdifferenzgeschäft, mit zwei Dritteln der Erträge die wichtigste Einnahmequelle, bringt immer weniger ein (siehe Kasten).

Seit 2010 ist die Zinsmarge der BEKB von 1,5 auf 0,86 Prozent gefallen. Das macht rund 150 Millionen Franken aus. Die Zinsmarge ist im Vergleich zu anderen Banken eher tief. Rüfenacht verweist darauf, dass die BEKB relativ viel für Zinsabsicherungen ausgebe: «Hätten wir keine Negativzinsen der Nationalbank, wären unsere Absicherungskosten im letzten Jahr um gegen 25 Millionen Franken geringer ausgefallen.» Die sinkende Zinsmarge könne inzwischen nicht mehr vollumfänglich mit Neugeschäft kompensiert werden.

«Ich rechne nicht damit, dass wir 2019 die Sparzinsen erhöhen können.»

Hanspeter Rüfenacht?Chef der Berner Kantonalbank

Die Kantonalbank forciert dafür das Geschäft mit Anlagefonds. 2016 hat sie begonnen, Fonds nicht nur für institutionelle Kunden, sondern auch für Privatkunden zu produzieren und anzubieten. «Wir sind erfolgreich gestartet, haben doch unsere Privatkunden bereits über 1 Milliarde Franken investiert», sagt Rüfenacht. Um sich im umkämpften Fondsgeschäft abzuheben, gibt die BEKB seit 2017 einige als nachhaltig propagierte Vorsorgefonds heraus. Hier haben die Kunden inzwischen 250 Millionen Franken investiert. Nachhaltig bedeutet nicht nur langfristig wirtschaftlich erfolgreich, sondern «gleichzeitig gesellschaftlich verantwortungsvoll und umweltbewusst».

Umbau der Filialen

Im Wandel sind auch die Filialen. Die Schalter verschwinden, stattdessen setzt nach anderen Banken auch die BEKB auf eine wohnliche Atmosphäre mit Tischen und Stühlen. Aus den Schalterbeamten werden Kundenberater, die bei einem Kaffee die Produkte, die Geldautomaten oder das Webportal erklären. Ziel ist natürlich auch, neue Produkte zu verkaufen. Provisionen kassieren die Kundenberater aber nicht.

Als Pilotfiliale wurde letztes Jahr die Niederlassung in Hägendorf (SO) umgestaltet. Im Mai soll die neue Filiale in Interlaken eröffnet werden. Die Bank richte sich auf die Kundenbedürfnisse aus, sagt Rüfenacht, schliesslich nähmen die Bezüge an den Schaltern jedes Jahr um etwa 10 Prozent ab. Die Kunden benutzen vermehrt Automaten und bezahlen bargeldlos.

Seit Rüfenacht 2012 Chef geworden ist, hat die BEKB gut ein Drittel der damals 94 Standorte aufgegeben. Zudem baute die Bank in dieser Zeit 234 Vollzeitstellen ab. 2018 wurden noch die Filialen Schönried und Rapperswil geschlossen. Am Filialnetz mit nunmehr 60 Standorten hält Rüfenacht vorläufig weitgehend fest. Einzelne Schliessungen könne es noch geben, aber «für die Berner Kantonalbank ist eine flächendeckende Präsenz nach wie vor sehr wichtig».

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