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Der softe Separatist von Moutier

Der gemütliche Stapi Marcel Winistoerfer steht in der Kritik der Berner Behörde.

Marcel Winistoerfer im Moment der Niederlage.
Marcel Winistoerfer im Moment der Niederlage.
Beat Mathys

Am Tag danach ist Moutiers projurassischer Stadtpräsident Marcel Winistoerfer (CVP) nach unruhigem Schlaf immer noch fassungslos: «Ich wusste, dass die Annullierung möglich ist, aber ich dachte nicht, dass die Statthalterin so weit geht», gesteht er. Er wechselt jetzt vom Französischen in die deutsche Mundart und ringt nach Worten für seine Trauer und Enttäuschung.

Ungläubig blickte er am Montag in die Kameras der Lokalmedien – so, als ob er gerade aus einem bösen Traum erwacht wäre und sich erst die Augen reiben müsste. Für ihn war es tatsächlich ein Albtraum, und er war wahr geworden: Die bernjurassische Statthalterin Stéphanie Niederhauser hatte eben Moutiers Entscheid vom 18. Juni 2017, zum Kanton Jura zu wechseln, für ungültig erklärt. Die Gravitation arbeitete an Winistoerfers traurigem Gesicht. Fast hatte man Mitleid mit dem Mann.

Kandidat der Entspannung

Auf dem Präsidentenstuhl sitzt Winistoerfer (61) erst seit 2016. Sein Vorgänger, der scharfzüngige Taktiker Maxime Zuber, zog sich damals zurück, weil er fürchtete, als «rotes Tuch» bei der Moutier-Abstimmung die berntreuen Gegner zu mobilisieren.

Der gemütliche Sekundarlehrer Winistoerfer, der wie ein Dorfvater Moutiers Generationen durch sein Schulzimmer ziehen sah, sollte als softer Separatist die Stimmung entspannen. «Ich bin eigentlich kein Politiker im engeren Sinn», sagt er mit seinem sympathischen Schalk. Und jetzt steht dieser Mann im Zentrum der Kritik, die zur Annullierung der Abstimmung führte.

Die Regierungsstatthalterin wirft ihm vor, 2017 unzulässig in den Abstimmungskampf eingegriffen zu haben. «Ich habe nur falsche Berner Behauptungen korrigiert», widerspricht er. Berner Vertreter hätten sich genauso eingemischt. Es ist eine übliche Taktik der Kontrahenten im Jura-Infight: einen Vorwurf zurückzuweisen und ihn an den Absender zurückzuschicken.

«Es ist die natürlichste Sache der Welt, dass ich einstehe für das, wofür mein Herz schlägt.»

Marcel Winistoerfer (CVP), Stadtpräsident Moutier

«Dass ich an einem speziellen Ort wie Moutier für das einstehe, wofür mein Herz schlägt, ist die natürlichste Sache der Welt», findet Winistoerfer. Nur weil er Stadtpräsident sei, müsse er nicht seine Meinung verleugnen und total neutral sein.

Nach dem Schock vom Montag hat er noch einmal die 88 Seiten Begründung der Statthalterin quergelesen und darin nur die Argumente der Einsprecher und ihrer Anwälte gefunden. «Alle diese Ausführungen sind gegen uns gerichtet», erklärt er. Keine einzige Kritik der Statthalterin hat ihn überzeugt oder wenigstens nachdenklich gestimmt? «Nein, keine», sagt er.

Hat er im Abstimmungskampf keine Fehler gemacht? «Ich würde alles noch einmal gleich machen.» Würde er das Abstimmungsregister von Moutier wieder erst im letzten Moment den Bundesbehörden herausrücken, sodass man es nicht mehr richtig kontrollieren kann?

«Vierzig Jahre lang haben wir Bern das Register jeweils brav gegeben, und es ist missbraucht worden.» Würde er nicht von selber dem Vorwurf des Abstimmungstourismus nachgehen, damit seine Gemeindebehörde glaubwürdig wirkt? «Ich habe totales Vertrauen in Moutiers Behörden.»

Doch ein Hardliner?

«Ich kann nicht verstehen, dass es frankofone Jurassier gibt, die für Bern einstehen», sagt Winistoerfer. Gerade im geteilten Moutier aber wäre es hilfreich, wenn der Stadtpräsident Verständnis für anders tickende Jurassier hätte. Ist der freundliche Separatist Winistoerfer am Ende doch ein kompromissloser Heisssporn?

«Auch die Minderheit hat eine Stimme bei mir, alle können mit mir reden», widerspricht er. Er sei auch kein Heisssporn, sondern bloss ein «Sympathisant». Radikale Gruppierungen meide er. Am Freitag werde er auch nicht an der Demonstration in Moutier teilnehmen.

Das könnte auch damit zu tun haben, dass sich Winistoerfer bei den Gemeindewahlen vom 25. November zur Wiederwahl stellt und mit dem berntreuen Patrick Tobler (SVP) Konkurrenz erhält. «Vielleicht wird die Wahl kompliziert, aber vielleicht zeigt sich die jurassische Mehrheit erst recht an der Urne», hofft er.

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