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Der Fake-Stöckli-Wähler aus Nidwalden

Hans Stöckli wirbt auf Inseraten mit der prominenten Unterstützung von Marathonläufer Viktor Röthlin – obwohl dieser im Kanton Bern gar nicht wahlberechtigt ist.

Mit solchen Inseraten lässt der bisherige Ständerat Hans Stöckli für sich werben.
Mit solchen Inseraten lässt der bisherige Ständerat Hans Stöckli für sich werben.
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Politiker posieren seit jeher gerne mit Sportstars vor der Kamera. BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon in den Armen von Schwingerkönig Christian Stucki, FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen strahlend neben Christian Fassnacht an der YB-Meisterfeier, der Berner Gemeinderat im kollektiven Jubelrausch beim Empfang der SCB-Spieler im Erlacherhof.

Die Masche dahinter ist relativ simpel: Sportler sind im Volk beliebt, Politiker nicht zwingend. Aber in der Gesellschaft eines prominenten Sportstars wirkt selbst der verbissendste Hinterbänkler auf uns Wähler irgendwie sympathischer.

Dass Sport zieht, dachte sich wohl auch Hans Stöckli. Der SP-Ständeratskandidat hat sich für die heisse Phase seines Wahlkampfs einen besonders verdienten Athleten an Bord geholt: den ehemaligen Spitzenmarathonläufer Viktor Röthlin. Auf Inseraten – auch in dieser Zeitung – posiert Stöckli zusammen mit Röthlin vor dem Bundeshaus, darunter der Satz: «Meine Wahl: Sport-Ständerat Hans Stöckli». Die Wortwahl insinuiert, dass Röthlin am kommenden Sonntag den Namen des SP-Manns in die Urne legen wird.

Nur gibt es da einen Haken. Röthlin wohnt in Ennetmoos, im Kanton Nidwalden, und ist somit im Kanton Bern gar nicht wahlberechtigt. Das bestätigt auf Nachfrage auch dessen Management. «Röthlins Wahl» ist also bloss eine hypothetische. Und damit stellt sich die Frage: Werden die Wählerinnen und Wähler mit diesem Inserat nicht in die Irre geführt?

Ein Indiz dafür lieferte am Dienstagmorgen ausgerechnet David Stampfli, Grossrat und Geschäftsführer der SP Kanton Bern. Er postete ein Foto des Zeitungsinserats in den Sozialen Medien. «Viktor Röthlin wählt Hans Stöckli!», kommentierte er seinen Beitrag. Auf die Nachfrage, ob Röthlin als Nidwaldner den Berner SP-Kandidaten überhaupt wählen kann, löschte Stampfli dann kurzerhand seinen Post. Drei Minuten später stellte er aber eine neue Version ins Netz. «Viktor Röthlin unterstützt Hans Stöckli!», heisst es nun im Beitrag.

Unterstützung ist laut Viktor Röthlin denn auch die korrekte Wortwahl. Der ehemalige Spitzensportler schreibt in einer kurzen Stellungsnahme, dass er während zehn Jahren im Kanton Bern wohnhaft gewesen sei, in Prés d'Orvin nach wie vor seinen Zweitwohnsitz habe und auch mit einer Bernerin verheiratet sei. Es stimme zwar, dass er Hans Stöckli nicht persönlich wählen könne. «Aber es macht meiner Meinung nach durchaus Sinn, dass ich ihn unterstütze.» Dies, weil Stöckli dem Sport im Parlament eine Stimme geben könne.

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