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Bordellbetreiber: «Korrekt sein ist nicht einfach»

Das Puff mit den Bordellen: Nicht nur die verschärfte Bewilligungspraxis für osteuropäische Prostituierte sorgt im Milieu für rote Köpfe. Auch die fehlenden Absprachen unter den Behörden verärgern die Betroffenen.

Prostituierte kritisieren die neue Bewilligungspraxis des Kantons.
Prostituierte kritisieren die neue Bewilligungspraxis des Kantons.
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Ärger im Rotlichtmilieu: Seit der Kanton per 1.Oktober die Bewilligungspraxis für osteuropäische Prostituierte verschärft hat, melden sich betroffene Frauen und Bordellbetreiber zu Wort. Sie wollen sich auf dem Rechtsweg dagegen wehren, dass osteuropäische Prostituierte vom Kanton nur dann eine Bewilligung erhalten, wenn sie beweisen können, dass sie selbstständig erwerbend sind.

Der Lengnauer Bordellbetreiber Stefan Zaugg hält nichts vom Beschwerdeweg. Er will sich korrekt verhalten und alle Behördenauflagen erfüllen. Dies sei allerdings nicht einfach, stellt er konsterniert fest: «Im Kanton Bern weiss eine Hand nicht, was die andere tut.»

Aufwendig und kompliziert

Zauggs Papillon-Bar wurde 2008 geschlossen, weil einige der ausländischen Prostituierten nicht korrekt angemeldet waren. Seither nimmt er das Gesetz ernst. So ernst, dass er Anfang November von zwei Frauen verlangt habe, sie müssten erst das Meldeverfahren beim Kanton erfolgreich durchlaufen, bevor sie ihre Erwerbstätigkeit aufnehmen könnten.

Eine der beiden Prostituierten ist eine Ungarin. Sie hat sich schon öfter für 100 Franken im Tag bei Zaugg eingemietet. «Ich arbeite selbstständig, zahle einen fairen Preis fürs Zimmer und werde anständig behandelt», sagt sie.

Das Bewilligungsverfahren beim kantonalen Migrationsdienst erlebte sie dagegen als brüskierend, aufwendig und kompliziert. Es sei unklar, welche Dokumente den Behörden vorzulegen seien. «Trotzdem wird von uns verlangt, dass wir das alles selbstständig erledigen», so die Frau. Früher sei das Meldeverfahren per Internet erfolgt und habe zwei bis drei Tage gedauert. «Heute muss die Frau einreisen und persönlich bei Fremdenpolizei oder Migrationsdienst vorsprechen.»

Verwirrende Auskünfte

Ärgerlich findet sie auch, dass sie von Gemeinde und Kanton unterschiedliche Auskünfte erhalten habe. «Der Kanton will eine Meldebestätigung der Gemeinde. Die Gemeinde gibt mir das Papier aber erst, nachdem der Kanton meinen Aufenthalt bewilligt hat.»

Laura Marinello vom kantonalen Migrationsdienst bestätigt: «Die Frauen müssen bei der Gemeinde ihr Gesuch um Aufenthalts- beziehungsweise Arbeitsbewilligung einreichen. Dieses Gesuch sendet uns dann die Gemeinde zur Prüfung.» Danach werde die Frau zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.

Ein Vorgehen, das Marcel Krebs, Geschäftsleiter der Gemeinde Lengnau, allerdings nicht bekannt ist. Prostituierte müssten sich zwar wohl auf der Gemeinde melden, sagt er auf Anfrage. «Wir hinterlegen dann eine Kopie ihres Passes auf der Gemeinde. Meldung an den Kanton machen wir keine.» Dies wiederum erstaunt Marinello: Auch aus Lengnau träfen solche Gesuche ein.

«Das ist reine Schikane»

Laut Bordellbetreiber Zaugg arbeiten die Fremdenpolizeien der Städte anders als der Kanton. Eine osteuropäische Prostituierte, die sich in Zauggs Bieler Etablissement habe einmieten wollen, habe zwar alle geforderten Unterlagen eingereicht sowie sich persönlich bei der Fremdenpolizei gemeldet. «Man erklärte ihr erst, sie erhalte den Entscheid an ihre Adresse in Ungarn geschickt», so Zaugg. Dies sei Anfang November gewesen, der Entscheid stehe noch heute aus. «Das ist reine Schikane. So drängen die Behörden die Frauen in die Illegalität.»

Dem widerspricht André Glauser, Sicherheitsdelegierter der Stadt Biel. «Unsere Praxis sieht nicht vor, dass sich in Biel befindliche Personen den Entscheid der Behörde im Heimatland abwarten müssen.» Zudem arbeiteten die Fremdenpolizeibehörden des Kantons und der Städte nach einem vereinbarten Prozessablauf. «Das Ziel ist, die Dossiers innert 8 Tagen zu behandeln.» Glauser räumt jedoch ein, dass regionale Unterschiede in der Verfahrensabwicklung, beispielsweise aus Kapazitätsgründen, möglich seien.

Staatlich zertifiziert

Laut Laura Marinello sind zwar zwischen den Behörden die nötigen Absprachen getroffen. Allerdings sei die Praxis noch nicht überall eingespielt. «Das Ziel ist jedoch, dass das Bewilligungsverfahren im ganzen Kanton gleich gehandhabt wird.» Auch sei ein Merkblatt zu den von den Frauen benötigten Dokumenten in Arbeit. Problematisch ist laut Marinello, dass viele der Frauen ihre Papiere nicht erst zur Prüfung einreichten, sondern gleich einreisten. «Wir laden nur jene Frauen zum Gespräch ein, deren Unterlagen wir geprüft und für gut befunden haben.» Marinello rechtfertigt das komplizierte Verfahren: «Wir wollen sicher sein, dass die Frauen selbstständig sind.»

Vier der osteuropäischen Prostituierten, die sich bei Zaugg eingemietet haben, erhielten vom Kanton die Bewilligung. Der Bordellbetreiber ironisch: «Das sind die ersten staatlich zertifizierten Prostituierten im Kanton.»

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