BLS will bis zu 45 Mitarbeitende entlassen

Die Bahn hat am Donnerstag ihre Abbaupläne konkretisiert.

Wo lang? Die BLS hat am Donnerstag ihre Umbaupläne präsentiert.

Wo lang? Die BLS hat am Donnerstag ihre Umbaupläne präsentiert.

(Bild: BLS)

Cedric Fröhlich@cedricfroehlich

Dass es einige treffen wird, wissen die Angestellten der BLS schon lange. Im letzten Sommer hatte die Bahn eine «Effizienzsteigerung» angekündigt. Das ist Managerdeutsch für «sparen» und sorgte für Unruhe unter den 3100 Mitarbeitenden. Weil die Pläne relativ vage waren und vielleicht auch weil die Bahn das Unterfangen «Best Way» taufte. Wobei nicht klar war, wer auf diesem Weg dabei sein wird. Überhaupt blieb offen, wo die Reise hinführen soll.

Am Donnerstagmorgen beantwortete die BLS diese Fragen teilweise. Bis ins Jahr 2023 sollen die Kosten um jährlich 50 bis 60 Millionen Franken gesenkt werden. Um dies zu erreichen, streicht die BLS 170 Vollzeitstellen – und gibt drei Reisezentren auf.

Die meisten dieser Stellen werden im Rahmen von Pensionierungen und anderen Abgängen wegrationalisiert. Entlassungen soll es maximal 45 geben. Für die betroffenen Angestellten hat die BLS gemeinsam mit den Gewerkschaften einen Sozialplan ausgearbeitet.

Neue Realitäten

Die BLS spart nicht nur, sie investiert auch: 85 Millionen Franken. «Neue Wege» will BLS-Chef Bernard Guillelmon gehen. Für ihn gehört dazu, dass man sich von «alteingesessenen Abläufen» löst. Was das konkret bedeutet? Weniger Excel-Tabellen zum Beispiel. Im Controlling oder in der Finanzabteilung setzt man auf «IT-Standardlösungen». «Viele Tätigkeiten werden wir schneller, also effizienter, erledigen können», sagt ein Unternehmenssprecher. Neu denken will die BLS auch im Einkauf. «Waren bestellen, wenn man sie wirklich benötigt», erklärt der Sprecher, «das führt zu Einsparungen.»

Schliesslich will die BLS auch den Verkauf anpassen. Sie legt Apps und Webshops zusammen und reduziert die Zahl der regionalen Reisezentren von 26 auf 23. Welche Zentren schliessen, liess das Unternehmen offen. In den nächsten Tagen werden die betroffenen Mitarbeitenden und Gemeinden informiert.

«Treffen wird es vor allem die ländlichen Gebiete», glaubt Michael Buletti. «Und ältere Menschen.» Buletti ist Sekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Die Gewerkschaft stand seit Dezember in Verhandlungen mit dem Bahnunternehmen. Digitalisierung und Automatisierung, das seien neue Realitäten, sagt auch er. Von Fundamentalopposition gegen die BLS-Pläne mag er deshalb nicht sprechen. «Es ist logisch, dass die BLS Schritt halten will.»

Belegschaft unter Druck

Kündigungen in diesem Ausmass kann Buletti dennoch nicht nachvollziehen. Der Umbau dauere Jahre, es müsse möglich sein, für alle eine Anschlusslösung zu finden, gerade für die älteren Angestellten. Das war für Buletti der «Knackpunkt» in den Verhandlungen mit der BLS. «Für uns ist wichtig, dass das gesamte Personal mitgenommen wird.» Der Abbau treffe zudem nicht nur jene, die ihre Jobs verlieren: «Die Belegschaft gerät noch stärker unter Druck.» Eigentlich sei das erträgliche Mass überschritten. Die Lokführer zum Beispiel müssten seit Jahren immer engere Zeitvorgaben erfüllen.

Ähnlich äussert sich auch Bruno Zeller, Branchenleiter öffentlicher Verkehr im Personalverband Transfair. Er fordert: «Neue Arbeitsweisen müssen zuerst eingeführt werden und funktionieren, bevor Stellen verschwinden.» Den Sozialplan hält er zwar für eine «tragfähige» Lösung. Gleichzeitig müsse die BLS ihre Sparbemühungen nicht nur beim Personal verstärken, sondern auch beim Material etwa. Er ist überzeugt, so liesse sich der Stellenabbau minimieren.

Berner Zeitung

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