Berner Schüler sollen besser lesen können

Der Grosse Rat will, dass die Berner Schülerinnen und Schüler besser lesen können. Er hat deshalb am Dienstag der Kantonsregierung mehrere Hausaufgaben gegeben.

Leseschwache Schüler sollen ein individuell einsetzbares Zusatzlehrmittel erhalten. (Symbolbild)

Leseschwache Schüler sollen ein individuell einsetzbares Zusatzlehrmittel erhalten. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler im kanton Bern soll verbessert werden. Dies verlangt der Grosse Rat. Erstens soll der Regierungsrat einen Test einführen, mit dem rechtzeitig festgestellt werden kann, ob die Schüler gut genug lesen. Dieser Test soll zu Beginn des 7. Schuljahrs durchgeführt werden und nicht etwa Schüler untereinander vergleichen. Er soll einfach zeigen, ob sie Minimalanforderungen im Textverständnis erreichen. Zweitens soll die Regierung prüfen, ob leseschwache Schüler ein individuell einsetzbares Zusatzlehrmittel erhalten. Dies zur Verbesserung ihrer Lesefähigkeiten.

Die Rede war am Dienstag von einer Lernsoftware, die den Kompetenzstand beim Lesen erfasst und darauf abgestimmt individuelle Übungsmöglichkeiten anbietet. Der Grosse Rat forderte drittens auch, dass die Regierung prüft, ob leseschwache Schüler von einem Fremdsprachenfach dispensiert werden können. Allerdings schrieb der Grosse Rat diese Forderung gleich als erfüllt ab, weil der neuen Lehrplan 21 diese Möglichkeit nach Angaben der Regierung eröffnet.

Viertens muss die Kantonsregierung weitere Massnahmen prüfen, damit das Leseverständnis im Rahmen des Lehrplans 21 stärker gefördert wird.

Grosse Probleme für Leseschwache

Aufgestellt hatte diese Forderungen der Muriger SP-Grossrat und Schulleiter Roland Näf. Er wies darauf hin, dass auch gemäss neuster PISA-Studie Schweizer Schüler international gesehen im Lesen nur Mittelfeld sind. Leseschwache Schüler kämpften abgesehen davon mit handfesten Problemen. Funktionale Analphabeten erfüllten die Voraussetzungen für eine Berufslehre nicht, riskierten Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe-Abhängigkeit.

Seine Analyse wurde im Berner Rathaus von sämtlichen Fraktionssprecherinnen und -sprechern geteilt. Uneinig war man sich nur, ob Punkt 1 und Punkt 4 von Näfs Motion in der stärkeren Form der Motion oder in der schwächeren des Prüfungsauftrags (Postulat) an die Regierung überwiesen werden sollte.

Näf hielt bei diesen Punkten an der Motion fest. Er sagte, es müsse nun etwas gehen. Eine Mehrheit des Grossen Rats sah das gleich wie er und überwies die Punkte 1 und 4 als Motion.

Regierung wollte Postulat

Die Berner Regierung wollte diese Punkte als Postulat überwiesen haben. Der kantonale Erziehungsdirektor Bernhard Pulver sagte aber im Rat, mit der Überweisung von Punkt 4 als Motion könne er gut leben: Er sei bereits daran, mit der Pädagogischen Hochschule über Massnahmen zu reden.

Skeptischer zeigte sich Pulver zur Forderung nach den Tests: Solche flächendeckende Prüfungen seien im Volk umstritten, sagte er. Ausserdem würde ja vielleicht eine nähere Prüfung von Näfs Anliegen zeigen, dass der für den Lesetest vorgeschlagene Zeitpunkt nicht der beste sein.

Näf sagte dazu, es handle sich um eine sogenannte Richtlinienmotion. Pulver werde somit den nötigen Spielraum zur Umsetzung der Forderungen haben. Er habe sich sehr gut überlegt, ob Anfang 7. Schuljahr der richtige Zeitpunkt für den Test sei und darüber mit viele Lehrpersonen gesprochen.

Das fünfte oder sechste Schuljahr komme für den Test nicht in Frage, weil diese beiden Jahre wegen der Übertrittsverfahren schon belastet seien.

mib/sda

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