Bei CSL Behring sind 110 Stellen offen

Bern/Lengnau

Der Pharmakonzern CSL wuchs auch im Geschäftsjahr 2018/2019 stark. Das Unternehmen sucht in grossem Stil neue Mitarbeiter an seinen Berner Standorten.

In Lengnau geht der Bau des neuen Werks nach einer längeren Pause weiter. In der Mitte wird das Gebäude um einen Stock erhöht.

In Lengnau geht der Bau des neuen Werks nach einer längeren Pause weiter. In der Mitte wird das Gebäude um einen Stock erhöht.

(Bild: zvg)

Julian Witschi

CSL Behring ist eine Jobmaschine. Das Pharmaunternehmen, das zur australischen CSL-Gruppe gehört und Medikamente aus Plasma zum Beispiel für Bluter herstellt, hat im Geschäftsjahr 2018/2019 in der Stadt Bern 186 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg damit per Mitte Jahr auf 1681.

Für die noch im Aufbau befindliche Fabrik in Lengnau am Jurasüdfuss arbeiten zudem bereits 232 Personen. Das sind 42 Mitarbeitende mehr als vor einem Jahr. In Lengnau haben vor wenigen Tagen die ersten beiden KV-Lernenden ihre Lehre begonnen. In Bern sind es 45 Lernende.

Der Personalbedarf des stark wachsenden Unternehmens ist damit nicht gestillt. Derzeit seien in Bern 78 Stellen offen, sagt Niklaus Krähenbühl, Leiter des Rechtsdienstes von CSL Behring. In Lengnau sind zudem 32 neue Stellen ausgeschrieben.

Später, dafür grösser

Das Werk in Lengnau sollte ursprünglich 2020 betriebsbereit sein, dann im Jahr 2021, nun ist der Produktionsstart 2022 vorgesehen. Denn die Bauarbeiten waren Anfang 2018 unterbrochen worden, um die Anlage unter anderem für die Produktion des neuen Gerinnungsmedikaments Idelvion zu optimieren.

Während in Bern Medikamente aus menschlichem Blutplasma hergestellt werden, geht es in Lengnau um rekombinante Gerinnungsfaktoren: Das bedeutet, die gewünschten Proteine werden in gentechnisch veränderten Zellkulturen von Tieren hergestellt. Für die Patienten, die gut auf das neue Medikament ansprechen, hat es den Vorteil, dass sie es nicht mehr zweimal pro Woche, sondern nur alle 10 bis 14 Tage spritzen müssen, wie Krähenbühl erklärt.

Zudem richtet CSL Behring das neue Werk so ein, dass auch andere solche rekombinante Medikamente von CSL hier optimal produziert werden könnten. Diese Optimierung erfordert ein drittes Geschoss auf einem Teil des Gebäudekomplexes. Damit könne die umfangreiche Technik für Strom, Wasser und Raumklima von der Produktion getrennt werden, was Sicherheit und Reinheit verbessere, sagt Unternehmenssprecherin Sandra Ruckstuhl.

Nach Einsprachen von Anwohnern liegen nun alle Baubewilligungen vor. Die Bauarbeiten dazu haben begonnen und kommen gut voran, wie Ruckstuhl sagt. Bis im Jahr 2021 sollen die Tests laufen, damit die Gesundheitsbehörden die Anlage abnehmen können. Den Erhalt der Betriebsbewilligung erwartet CSL Behring im Jahr 2022.

Die Kosten für das neue Werk steigen wegen der Gebäudeaufstockung nicht. CSL Behring beziffert das Investitionsvolumen weiterhin auf rund 1 Milliarde Franken.

«Nach Einsprachen von Anwohnern liegen nun alle Baubewilligungen vor. Die Bauarbeitenfür die Aufstockung haben begonnen und kommen gut voran.»Sandra Ruckstuhl, Sprecherin von CSL Behring

Auch in Bern investiert das Unternehmen in den Ausbau des Standorts im Wankdorf, nämlich über 250 Millionen Franken. Für den neuen, sechsgeschossigen Gebäudetrakt kann rund ein Jahr nach der Grundsteinlegung im September die Aufrichte erfolgen. Ab 2021 soll darin produziert werden.

Seit CSL im Jahr 2000 das Zentrallaboratorium Blutspendedienst übernommen hat, habe die Gruppe total über 800 Millionen Franken in der Stadt Bern investiert, sagt Ruckstuhl. Geschäftszahlen zu den Berner Standorten weist CSL nicht aus. Gewachsen ist der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr aber vor allem mit dem Verkauf von Protein- und Antikörperprodukten, die grösstenteils aus Bern kommen. Der weltweite Umsatz von CSL stieg um 11 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn kletterte gar um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar.

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