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Bahnstreit: Jetzt muss Doris Leuthard eingreifen

Der Kommentar von Wirtschaftsredaktor Julian Witschi zum Streit zwischen den SBB und der BLS.

Der vom Bund lancierte Ideenwettbewerb um die Neuvergabe des Fernverkehrs ist zur Schlammschlacht geworden. Dies ist einer öffent­lichen Ausschreibung unter Staatsbahnen unwürdig. Das Image des bewährten Schweizer Bahnsystems nimmt Schaden.

Die SBB kämpfen mit unnötig harten Bandagen um ihr Monopol und wollen der BLS nur die Rolle einer Juniorpartnerin zugestehen. Die Berner Konkurrentin könne keinen Mehrwert für die Kunden generieren, argumentieren die SBB. Zudem er­höhe die Konkurrenz der BLS gar die Gesamtkosten.

Die SBB schreckten in den vergangenen Wochen auch nicht vor Druckversuchen zurück. So verknüpften sie den umstrittenen Bau einer Werkstätte für die S-Bahn der BLS in Riedbach mit dem Fernverkehr. SBB-Chef Andreas Meyer warf gestern dem Verwaltungsrat der BLS auch noch vor, dieser habe «nicht sachlich genug» diskutieren wollen.

Die BLS-Führung wiederum spielt jetzt auf Mann, nachdem sie sich lange zurückgehalten hat. Selten hat man den bodenständigen und nüchternen Verwaltungsratspräsidenten Rudolf Stämpfli derart aufgebracht gesehen wie gestern. Er versucht, den SBB-Chef (ohne ihn zu nennen) als Sündenbock darzustellen, wenn er darauf hinweist, dass sich Fachleute beider Bahnen auf jenes Konzept geeinigt haben, das die BLS nun eingereicht hat. Und SBB-Präsidentin Monika Ribar habe dieses Konzept unterstützt.

Es reicht nun nicht, einfach das Bundesamt für Verkehr über die Konzessionsvergabe entscheiden zu lassen. Das Amt hat den Prozess letzten Herbst zu spät gestartet und blauäugig auf eine Konsenslösung in dem lukrativen Geschäft gesetzt. Der offene Streit gefährdet die Zusammenarbeit der beiden Bahnen in den verschiedensten Bereichen. Es ist nun an Verkehrsministerin Doris Leuthard einzugreifen.

Ihre Maxime muss sein, für gesunden Wettbewerb zu sorgen. Ein sicheres Monopol auf Jahrzehnte hinaus dagegen macht träge. Daher lautet das Ziel des Bundes seit Jahren «SBB plus X». Das spornt auch die Bundesbahnen zu noch besserer Leistung an.

Mail: julian.witschi@bernerzeitung.ch

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