Zum Hauptinhalt springen

Alec von Graffenried tritt aus dem Nationalrat zurück

Der Berner Nationalrat Alec von Graffenried wird im Oktober 2015 nicht mehr kandidieren. Der grüne Politiker gibt als Grund die zu grosse Belastung des Mandates an.

YB-Fan, Bernburger, leutselig, kulturaffin: Alec von Graffenried.
YB-Fan, Bernburger, leutselig, kulturaffin: Alec von Graffenried.
Claudia Salzmann
Im Frühjahr gab er seine Kandidatur für den Gemeinderat und das Stapi-Amt bekannt. Erst im Oktober lancierte Rot-Grün-Mitte den gemeinsamen Wahlkampf.
Im Frühjahr gab er seine Kandidatur für den Gemeinderat und das Stapi-Amt bekannt. Erst im Oktober lancierte Rot-Grün-Mitte den gemeinsamen Wahlkampf.
Stefan Anderegg
Frisch gewählt: Alec von Graffenried war von 2000 bis 2007 Regierungsstatthalter (mit im Bild Reto Jent).
Frisch gewählt: Alec von Graffenried war von 2000 bis 2007 Regierungsstatthalter (mit im Bild Reto Jent).
Jürg Spori
1 / 10

Nationalrat Alec von Graffenried hat die Parteispitze der Grünen Kanton Bern darüber informiert, dass er aufgrund der zu grossen Belastung im Juni aus dem Nationalrat zurücktritt, wie die Partei am Mittwochmittag mitteilte. Die Grünen bedauern den Rücktritt sehr, wie es in dem Communiqué heisst. Alec von Graffenried habe in den acht Jahren seines Wirkens im Nationalrat die Grünen stark geprägt, zu einer breiten Abstützung der Partei beigetragen und unzählige Projekte initiiert und mitgeprägt.

Die Gründe für von Graffenrieds Rücktritt seien privater und beruflicher Natur. Die Zusatzbelastung, die mit einem Nationalratsmandat im Milizsystem verbunden ist, sei zu hoch, lässt sich der 52-Jährige zitieren. Und weiter: «Ich habe mich daher entschlossen kürzer zu treten und mich auf meine berufliche Arbeit bei Losinger Marazzi zu konzentrieren. Dazu kommen weitere Aufgaben, die meinen Einsatz fordern, namentlich mein Präsidium bei Bern Tourismus.»

Grüne unter Zugzwang

Von Graffenrieds Rücktritt stellt die Grünen acht Monate vor den Eidgenössischen Wahlen vor organisatorische Herausforderungen. Die Partei wird alles daran setzen, die Nachfolge schnellstmöglich zu klären, wie sie in der Mitteilung schreibt.

Bei den Nationalratswahlen 2011 landete der Berner Solarpionier Urs Muntwyler auf dem ersten Ersatzplatz. Ob er auf von Graffenrieds Platz nachrutscht, ist noch offen. Entsprechende Gespräche seien im Gang, sagte Grünen-Präsident Blaise Kropf auf Anfrage.

Besetzt werden muss auch die nun frei werdende Linie auf der Nationalratsliste. Sie steht nach geltender Regelung der Grünen Freien Liste der Stadt Bern zu. Wer dort allenfalls in Frage kommt, ist ebenfalls noch offen.

Wohl eher nicht Jo Lang

Dass nun eine Kandidatur von alt Nationalrat Jo Lang doch wieder ein Thema wird, glaubt Kropf nicht. Die Linie stehe der Stadtberner Grünen Freien Liste zu.

Der ehemalige Zuger Nationalrat Lang schaffte 2011 die Wiederwahl nicht. Unterdessen ist er in den Kanton Bern gezogen und liebäugelte mit einer Kandidatur. Auf Seiten der Grünen hielt sich dieses Interesse aber in Grenzen. Sie setzen lieber auf Kandidaten vom Land, um die Regionen nicht zu vernachlässigen.

Der Vorstand der Grünen Kanton Bern wird das weitere Vorgehen an seiner Sitzung vom 16. März klären, sodass die Delegiertenversammlung am 5. Mai die Nachnomination vornehmen kann.

Wackelsitz

Im Kanton Bern ist bei den Wahlen im Herbst ein Sitz weniger zu vergeben als bisher. Wackeln könnte deshalb der dritte Sitz der Grünen. Mit dem Rücktritt von Graffenrieds wird es nun allenfalls für das Grüne Nationalrats-Nesthäkchen Aline Trede etwas leichter. Sie rutschte 2013 für Franziska Teuscher ins eidgenössische Parlament nach.

Mit von Graffenried und Grünen-Copräsidentin Regula Rytz hatte Trede starke Konkurrenz im eigenen Lager.

Mitglied der Rechtskommission

Alec von Graffenried wurde bei den Wahlen 2007 in den Nationalrat gewählt. Er eroberte damals für die Grünen Kanton Bern das dritte Nationalratsmandat, das die Grünen bei den Wahlen 2011 erfolgreich verteidigen konnten. Bei den Wahlen 2011 stieg Alec von Graffenried für die Grünen zudem ins Rennen um ein Ständeratsmandat, für den Einzug ins Stöckli reichte es jedoch nicht.

Der Berner Alec von Graffenried studierter Rechtswissenschafter. Ab 1990 war er als Fürsprecher tätig. Von 2000 bis 2007 amtete er als Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Bern. Im Nationalrat ist er Mitglied der Kommission für Rechtsfragen. Im Jahr 2014 präsidierte er gar die Rechtskommission.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch