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AKW Mühleberg: 6. November 1972 – 20. Dezember 2019

Am Freitagmittag ging das AKW Mühleberg für immer vom Netz. Wir nehmen Abschied.

Das AKW Mühlberg wurde am Freitag um 12.30 Uhr abgeschaltet. Rechts im Bild das Zelt für die geladenen Gäste.
Das AKW Mühlberg wurde am Freitag um 12.30 Uhr abgeschaltet. Rechts im Bild das Zelt für die geladenen Gäste.
Raphael Moser

Wir nehmen Abschied von unserem zuverlässigen Quell der Kraft, unserem Energiebündel, unserer sprudelnden Geldquelle, unserem vertrauten «Atomi» am schönen Aare­strand. Im hohen Alter von 47 Jahren Laufzeit ging es Freitagmittag um 12.30 Uhr für immer vom Netz.

Dank der einfühlsamen Pflege seiner Belegschaft und der steten Nachrüstung mit künstlichen Gelenken, Organen und Schrittmachern war es bis zuletzt rüstig. Seine Lebenszeit wurde so weit über die vorerst geplante Dauer hinaus ausgedehnt.

Das AKW Mühleberg wurde in eine Epoche der Unschuld geboren, in der die Atomkraft noch von allen als Zauberkraft der Zukunft gefeiert wurde. Bei dem von der Betriebsfeuerwehr glücklich gestoppten Grossbrand vom 28. Juli 1971 im Maschinenhaus erlebte es seine Feuertaufe. In all den Jahren erfreute es uns mit seiner unerschöpflichen Energie. Es war ein Leuchtturm des Fortschritts und ein Segen für die Kassen der BKW und der Gemeinde Mühleberg.

Ab den 1980er-Jahren schränkten Altersbeschwerden wie die Arthrose seines Reaktormantels seine Lebensqualität ein. Auch der jahrelange Kampf seiner Gegner setzte ihm zu. Sie deckten es mit Einsprachen ein, zerrten es vor Gericht und verglichen es gar unzimperlich mit einem Schrotthaufen.

Sie forderten gar sein vorzeitiges Ableben. Aarehochwasser, neue Erdbeben- und Nachrüstungsvorschriften der Atomaufsichtsbehörde, sowie der Absturz des Strompreises gaben unserem «Atomi» schliesslich den Rest. Seine obersten Angehörigen entschieden sich deshalb für einen freiwilligen Exit.

Seine sterblichen Reste kommen noch lange nicht zur Ruhe. Sie müssen vorerst in den Gebäuden am Aarestrand verbleiben, bis ihre Strahlung so weit abgeklungen ist, dass sie umgebettet werden können. Die Urnenbeisetzung findet dann wohl etwa im Jahr 2024 im engsten Familienkreis im Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen AG statt.

Dort oder womöglich in einem Tiefenlager an einem noch zu bestimmenden Ort in der Schweiz werden die sterblichen Reste unseres «Atomis» noch ewige 200'000 Jahre lang – hoffentlich unbehelligt von Erdbeben und Wassereinbrüchen – friedlich verglühen.

Wir danken für die grosse Anteilnahme der Medien, der Politik und der AKW-Gegner.

Anstelle von Blumengeschenken gedenke man besser nachhaltiger Wasser-, Solar- und Windenergieprojekte.

Die Hinterbliebenen:

Die Angestellten des AKW Mühleberg Die Bernische Kraftwerke AG (BKW) Das Eidgenössische Nuklear­sicherheitsinspektorat (Ensi) Das Bundesamt für Energie Die Anwohner der Einwohnergemeinde Mühleberg

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In der neusten Folge des BZ-Podcasts «Rede wi druckt» diskutieren wir über das AKW Mühleberg – seine Stilllegung, seine Geschichte und seine Zukunft:

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