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Jetzt werden Felswände mit Radar vermessen

InnertkirchenDrei Wochen nach dem letzten Felssturz an der Burgfluh kam gestern eine Weltneuheit zum Einsatz. Mit dem schwenkbaren Radar-Mikrowellengerät können die Bewegungen in der 600 Meter hohen Felswand künftig millimetergenau verfolgt werden.

Ein strahlender Ueli Gruner stand gestern Morgen im Bielen von Innertkirchen. Dies nicht nur des herrlichen Frühlingswetters wegen, sondern weil dem Experten des Berner Geologiebüros Kellerhals+Haefeli AG ein langjähriger Wunsch in Erfüllung gegangen ist: «Seit Jahrzehnten sehnte ich mich nach dem Moment, wo ein Messgerät grosse Felsflächen abscannen und genauestens vermessen kann.» Kritische Wände ausmessen Das von der Gümliger Gamma Remote Sensing AG entwickelte Radargerät wurde gestern erstmals an der Burgfluh zu einer sogenannten Initialmessung eingesetzt. Bereits ausgemessen sind die Tschingelfluh am Brünigpass und die Simmenfluh in Wimmis. Die Innertkirchler Burgfluh ist für Ueli Gruner eine besonders heikle Mission: «Unmittelbar unter der Fluh führt die internationale Transitgasleitung zwei bis drei Meter tief durch den Ackerboden. Wenn hier ein Felsbrocken von 100 Kubikmetern oder grösser draufstürzt, kann das hinter dem Kirchet eine Katastrophe zur Folge haben.» Paolo Beretta, technischer Leiter der Transitgas AG, wird noch konkreter: «Eine vollständige Zerstörung der Gasleitung durch einen Bergsturz könnte eine Explosion mit einem Feuerball von nicht weniger als 600 Metern Radius zur Folge haben.» Umleitung letzte Variante Schon jetzt redet Paolo Beretta deshalb von einer allfälligen Erhöhung der Pipeline-Überdeckung um mindestens einen halben Meter. An eine Umleitung der Gasleitung, wie dies zurzeit im sechs Kilometer weiter südöstlich gelegenen Spreitgraben am Grimselpass geschieht, mag der Experte aus Italien vorerst nicht denken: «Dies wäre dann wirklich die letzte Variante, wenn alle übrigen Vorkehrungen nichts mehr nützen würden.» Jährlich zwei Messungen Die entsprechenden Energien, die durch einen solchen Bergsturz auf den Boden und die darunter liegende Gasleitung einwirken könnten, hat Geologe Ueli Gruner bereits berechnet: «Möglich wäre auch, einen Schutzdamm zu bauen. Im Moment ist es aber am wichtigsten, zu wissen, wo sich wie viel Felsmasse in Bewegung befindet.» Man darf also gespannt sein auf die nächste Radarmessung im kommenden Herbst, die dann Aufschluss über die Gesteinsbewegungen geben wird. Die Felswände werden künftig zweimal pro Jahr vermessen und deren Bewegungen ausgewertet. Ueli Gruner: «Messungen in kürzeren Zeitabständen kämen höchstens infrage, wenn sich eine starke Beschleunigung in den Felsbewegungen abzeichnen würde, denn diese Messmethode ist sehr teuer.» Mit Nasa-Know-how Eine satte Viertelmillion kostete die Herstellung des neuen Radargerätes, welches von der Gümliger Gamma Remote Sensing AG hergestellt worden ist. Entwickelt wurde das Hightechgerät massgeblich von Gamma-Mitarbeiter Charles Werner, der jahrelang für die US-amerikanische Raumfahrtbehörde (Nasa) gearbeitet hat: «Unser mit schwachen Mikrowellen arbeitendes Messgerät ist weltweit das erste seiner Art. Darum haben wir es patentieren lassen.» Das Gerät wurde auch bereits für die Beobachtung von Gletscherbewegungen eingesetzt. Bruno Petroni>

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