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«Jede Hilfe wäre zu spät gekommen»

EriswilDer Ruf nach einer 24-Stunden-Ambulanz in Huttwil wird nach dem tragischen Tod der jungen Eriswilerin lauter. Doch für die Frau wäre vermutlich jede Hilfe zu spät gekommen. Selbst der Einsatz einer Herznotfallgruppe hätte wohl nichts gebracht.

Die Retter waren schnell: Nur gerade 17 Minuten brauchte der Sanitäter im Notfalleinsatzauto, um von Langenthal nach Eriswil zu gelangen. Nur wenig später folgten auch schon die Eriswiler Feuerwehr, die zusätzlich aufgeboten worden war, und die Ambulanz aus Langenthal. Doch jede Hilfe kam an diesem Sonntagmorgen zu spät: Die Frau, eine 33-jährige Eriswilerin, war bereits tot, als die Retter eintrafen. Das tragische Ereignis wirft nun Fragen auf: Wäre der Tod der jungen und gesunden Frau zu verhindern gewesen, wenn Huttwil wie früher über einen 24-Stunden-Betrieb der Ambulanz verfügt hätte? Eriswils Gemeindepräsident Hans Kleeb (SVP) jedenfalls forderte, der Betrieb rund um die Uhr sei wieder einzuführen. Doch der Tod der jungen Frau hätte vermutlich auch mit einer Ambulanz in Huttwil nicht verhindert werden können. Klar, die Retter wären schneller in Eriswil gewesen. Doch Elmar Rollwage, Ressortleiter Rettungsdienst bei der Spital Region Oberaargau (SRO) AG, sagt: «Im konkreten Fall wären wir wohl so oder so zu spät gewesen.» Über die Todesursache mag Rollwage indessen nicht spekulieren. Diese werde im Moment abgeklärt. Ein klassischer Herzinfarkt aber dürfte ausgeschlossen sein. Dann zählt laut Rollwage «jede Minute». Bei einem Herzinfarkt sinken die Überlebenschancen pro Minute um 10 Prozent. In einem solchen Fall müssten die Retter die Patienten innert 5 bis 6 Minuten erreichen, sagt Rollwage. Der Zustand der Eriswilerin war aber offenbar so schlecht, dass auch sofortige Hilfe keine Rettung gebracht hätte. Weil bei einem Herzinfarkt die Zeit entscheidend ist, wurde im Herbst 2010 in Huttwil eine Herznotfallgruppe gegründet. Dabei rücken Sanitäter, die mit Defibrillatoren ausgerüstet sind, mit der Feuerwehr aus. Der Vorteil: Die Teams sind schneller vor Ort als die Ambulanzen und können erste lebensrettende Massnahmen einleiten, bis die Rettungssanitäter eintreffen. Im Eriswiler Notfall wurde die Herznotfallgruppe aus Huttwil allerdings gar nicht erst aufgeboten. Der Grund: Die Herznotfallgruppen decken nur jeweils ihre eigenen Gemeindegebiete ab. Doch «der Einsatz der Herznotfallgruppe hätte in diesem Fall keinen Sinn gehabt», so Rettungschef Rollwage. Das weiss auch Gemeindepräsident Kleeb, der sich mittlerweile ein Bild des tragischen Vorfalls gemacht hat. «Jede Hilfe wäre zu spät gekommen», sagt er. Die Frau sei ja schon beim Eintreffen der Sanitäter tot gewesen. Trotzdem will Kleeb nun für den 24-Stunden-Betrieb der Ambulanz in Huttwil kämpfen. Die Chancen stehen gut: Im Moment gilt die Hilfsfristregel 80/30. Das heisst, innerhalb von 30 Minuten muss die Ambulanz 80 Prozent der Bevölkerung versorgen können. Der Kanton will aber bis 2014 die neue Regel 90/15 einführen. Wird die neue Regel eingeführt, dürfte die Ambulanz in Huttwil wieder rund um die Uhr bereitstehen.Dominik Balmer>

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