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Jazzrockiges Donnerwetter

konzertGenregrenzen sind für Schnellertollermeier einzig dazu da, um sie mit lautem Getöse einzureissen. Am Sonntag stellt die Luzerner Band ihr Debütalbum im Berner Progr vor.

Schnellertollermeier – der Name klingt sportlich. Und so ist auch die Musik: Atemlos hetzen die drei Herren von Schnellertollermeier durch bizarre Klanglandschaften, hüpfen über repetitive Groovepattern und irren durch wilde Improvisationen. Ob das nun Jazz oder Rock ist, scheint ihnen einerlei. Jazzige Dissonanzen gehen einmütig einher mit harten Rockriffs: Man hört, dass Gitarrist Manuel Troller, Bassist Andi Schnellmann und Schlagzeuger David Meier neben dieser Band noch mit etlichen anderen Projekten – Troller etwa war als Gitarrist in Sophie Hungers Liveband engagiert – unterwegs sind und diese Inspirationen wieder zurück in die Band tragen. Kompromisslose Sounds Im vergangenen Jahr legten die drei an den Musikhochschulen von Luzern und Bern ausgebildeten Musiker ihr Debütalbum «Zorn einen ehmer üttert stem!!» vor. Der Titel klingt wahlweise nach komplizierter Konzeptmusik, dadaistischem Freejazz oder ermüdendem Fusionsound. Doch keine Spur von alledem! Schnellertollermeier haben zwar eine sehr verspielte Seite in der Musik, verlieren sich aber nie im selbstreferenziellen Geflecht von fragmentarischem Zitategedudel, sondern finden stets einen Groove, welcher der Musik einen neuen Impuls verleiht und sie kompromisslos nach vorne treibt. So bleiben die Songs trotz kryptischen Titeln wie «Kein Hupen aus dem Tal» oder «Topic of Tropic of» äusserst zugänglich. Und wenn die Musik in ihrem jazzrockigen Donnerwetter trotzdem einmal kurz in flirrendem Pianissimo innehält, so doch nur, um im nächsten Moment umso brachialer zurückzukehren. Kreative Grenzgänger Mit ihrem Grenzgängertum ist das Trio Schnellertollermeier nicht alleine. In jüngster Zeit haben eine ganze Reihe junger Schweizer Bands an der Grenze zwischen Rock und Jazz mit ihren kompromisslosen Sounds auf sich aufmerksam gemacht: Das Lucien Dubuis Trio aus Biel etwa, Hans-Peter Pfammatters Scope oder das Trio from Hell aus Zürich können als Verwandte im Geiste der jungen Luzerner Band angeführt werden. Unüberhörbar machen sie sich an die Arbeit, die eh schon bröckelnden Genregrenzen endgültig niederzureissen, um den Blick auf neue, noch brachliegende Felder zu öffnen. Ein solches Feld haben Schnellertollermeier mit dem Debütalbum gefunden – und umgepflügt. Man darf gespannt sein, was auf dem Feld dieser jungen Band in Zukunft noch so alles blühen wird. David Loher ;Konzert: So 24.4., 20.30 Uhr, Progr Bern. CD: Schnellertollermeier, «Zorn einen ehmer üttert stem!!» (Veto Records). >

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