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IV-Stelle muss über die Bücher

Die IV-Stelle entschied nach ungenügenden

2008 fiel ein junger, körperlich behinderter Mann aus der Region Thun zum zweiten Mal durch die Abschlussprüfung der Handelsmittelschule. Die IV-Stelle Bern (IVB) stellte fest, dass dafür nicht seine Behinderung verantwortlich sei: «Es wäre ihm gesundheitlich möglich gewesen, diese Ausbildung zu beenden und ohne wesentliche Einschränkung eine kaufmännische Tätigkeit auszuüben», so der Standpunkt der IVB. Daher habe er keinen Anspruch mehr auf weitere Eingliederungsmassnahmen im Rahmen der erstmaligen Ausbildung. Schon 2008 vor Gericht Der junge Mann focht diesen Entscheid erfolgreich an: 2008 hiess das Berner Verwaltungsgericht seine Beschwerde gut: «Er wäre zwar physisch und psychisch durchaus in der Lage gewesen, die Abschlussprüfungen zu bestehen. Das heisst aber nicht, dass allein deshalb kein Anspruch auf weitere Eingliederungsmassnahmen mehr besteht», so das Gericht 2008. Entscheidend sei, ob der Mann trotz seiner körperlichen Behinderung und ohne Abschluss eine Stelle finden könne, die einen Rentenanspruch ausschliesst. Ob und wieweit das möglich sei, konnte das Gericht damals mangels ausreichender medizinischer Akten nicht entscheiden. Kein Anspruch auf Rente? Im Nachgang zum Urteil kam es zu weiteren medizinischen Abklärungen. Danach entschied die IVB: «Dem Mann ist eine kaufmännische Tätigkeit zu einem vollen Pensum möglich.» Es bestehe keine Einschränkung der Erwerbstätigkeit und somit kein Rentenanspruch. Der junge Mann zeigte sich damit nicht einverstanden und gelangte erneut ans Verwaltungsgericht des Kantons Bern. Dieses kam in seinem vergangenen Dienstag veröffentlichten Urteil zum Schluss, dass die Arbeits- und Leistungsunfähigkeit nach wie vor ungenügend abgeklärt ist. Einig waren sich die untersuchenden Ärzte darüber, dass eine Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter zwar grundsätzlich möglich sei. Allerdings könne der junge Mann aufgrund seiner Behinderung keine Arbeit ausüben, bei der er länger stehen und gehen müsse oder aber manuelle Arbeiten gefordert seien. «Auch eine kaufmännische Tätigkeit ist üblicherweise zumindest teilweise mit Stehen, Gehen und zumindest leichten manuellen Arbeiten wie Kopieren, Aktenbringen und -holen sowie Einräumen von Gegenständen verbunden», gab das Gericht zu bedenken. Gericht gibt Mann Recht Einer der Ärzte merkte an, dass nur «im optimalen Platzierungsfall» von einer vollen Leistungsfähigkeit ausgegangen werden könne. Der junge Mann verfüge nur über eine «reduzierte Angst- und Stressverarbeitungsfähigkeit», die an einem Arbeitsplatz berücksichtigt werden müsse. Wie aber der vom Arzt erwähnte «optimale Arbeitsplatz» aussehen würde, blieb unklar. Insgesamt stimmten die Richter daher dem jungen Mann darin zu, dass die Abklärungen nach wie vor ungenügend sind. «Angesichts der Komplexität des Falls drängt sich eine arbeitsmarktlich-medizinische Massnahme auf.» Während einer solchen Massnahme wird die Leistungsfähigkeit des jungen Mannes durch ein Fachteam während mehrerer Wochen ermittelt und ausgewertet, wie das Gericht in seinem Urteil erklärte. Weil sie im Prozess unterlag, muss die IVB die Verfahrenskosten von 700 Franken übernehmen und dem jungen Mann die Parteikosten von rund 1000 Franken erstatten. Eine Beschwerde ans Bundesgericht ist möglich. Nora Scheidegger>

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