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Immer mehr Forscher aus Deutschland

An der Universität Bern arbeiten als Lehrende und als Assistentinnen und Assistenten viele Deutsche. Zu viele, finden manche.

In seiner Kolumne vom vergangenen Samstag in dieser Zeitung schrieb Rudolf Strahm, Ökonom und ehemaliger Preisüberwacher: «44 Prozent der Professoren der Universität Bern sind Ausländer, mehrheitlich Deutsche. Die Ausschreibungen werden von den deutschen Professoren oft so formuliert, dass die deutschen Assistenten einen Vorsprung haben. Der hiesige akademische Nachwuchs wird vernachlässigt.» Der Vorwurf läuft auf Begünstigung hinaus – und ist kaum nachzuweisen. Die Bildung von Netzwerken und Seilschaften ist an Einzelfällen so gut wie gar nicht aufzudecken – schon weil die Benachteiligten fast immer von der Uni abhängig sind. Spuren in der Statistik Indirekte Hinweise auf die Bildung von Netzwerken können hingegen Zahlen liefern. Gemäss der Statistik der Universität Bern waren 2008 insgesamt 351 Professoren beschäftigt. 201 Professoren stammten aus der Schweiz, 150 waren Ausländer. Von diesen 150 ausländischen Professoren kamen nicht weniger als 102 aus Deutschland, lediglich 48 stammten aus anderen Ländern. Da spielt die grosse Anzahl deutscher Universitäten sicher eine Rolle. Ebenso die Vorliebe der Uni Bern für Professorinnen und Professoren, Dozentinnen und Dozenten und Assistentinnen und Assistenten, die die deutsche Sprache beherrschen. Dennoch ist die Überzahl deutscher Wissenschafter frappant. Deutsch können schliesslich auch die meisten Bewerber aus der Schweiz. Und dass die heimischen Wissenschafter grundsätzlich schlechter sind als ihre deutschen Konkurrenten, ist auch wenig glaubhaft. An Netzwerke und Seilschaften unter deutschen Forschern glaubt – neben Rudolf Strahm – auch der Berner Historiker Christoph Zürcher. Er fordert von der Universität seit Jahren mehr Transparenz – etwa bei der Berufung neuer Professoren. Zürcher setzt sich dafür ein, dass die Zusammensetzung der Gremien, die die Kandidaten auswählen, veröffentlicht wird. «Vor den Auswahlverfahren sollen die Mitglieder dieser Berufungskommissionen anonym bleiben, damit eine Beeinflussung ausgeschlossen ist», sagt Zürcher. «Aber danach sollen ihre Namen und Nationalitäten öffentlich gemacht werden.» Bern weiterhin attraktiv Für die Nachfolge des Medienwissenschafters Roger Blum stachen im vergangenen Herbst deutsche Kandidaten alle Schweizer Bewerber aus. Auf der Liste der Kandidaten für Professuren an der Philosophisch-historischen Fakultät standen im laufenden Jahr 8 Bewerbern aus der Schweiz 38 Kandidaten aus Deutschland gegenüber. Und weil deutsche Professoren gerne ihre Entourage nachziehen, stammen in manchen Fakultäten der Uni Bern zahlreiche Assistentinnen und Assistenten ebenfalls aus Deutschland. Dennoch ist Professor Robert Rieben, Präsident der Mittelbauvereinigung der Uni Bern (MVUB) überzeugt: «Jeder Schweizer, der bei uns doktorieren will, findet eine Assistentenstelle.»Thomas Kohler >

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