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«Hier geht es um die Kameradschaft»

Noch ist es relativ ruhig auf der Höhematte. Ein Stand nach dem anderen wird eingerichtet, ein Fass nach dem anderen ins Festzelt gerollt, ein Trommler nach dem anderen trifft gemütlich beim Festplatz ein. Es ist Freitagmorgen. Das Tambouren- und Pfeiferfest Interlaken, das bis am Sonntag dauert, ist noch jung. In Reih und Glied liegen die Trommelschläger am Stand von Werner Trummali aus Buchs/SG bereit. Er ist Trommelmacher und schaut etwas besorgt in den grauen Himmel: «Sicher spielt das Wetter jeweils eine Rolle. Aber hier geht es vor allem um die Kameradschaft.» Mehrere grosse und kleine Trommeln, die er selber hergestellt hat, bietet er an. Werner Trummali geht aber nicht davon aus, dass so ein Instrument hier den Besitzer wechselt. Da seien Schläger und Trommelfelle gefragtere Artikel. «Aber dieses Fest ist eine gute Werbeplattform und Gelegenheit, alte Kunden zu treffen», sagt der Verkäufer. Da ertönen von weit her Trommelwirbel und ein Piccolo erklingt. Auf dem Spielplatz bei der Höhematte steht ein jugendlicher Flötist, neben der Rutschbahn übt ein Tambour. Sie lassen sich durch amüsierte Touristen nicht beirren und holen sich den letzten Schliff. Schliesslich gilt es bald ernst. Auch die beiden Jugendlichen, die im Park neben dem Bahnhof Ost ihr Stück noch einmal proben, sind vertieft in ihr Spiel. Der eine von ihnen ist Fabien Monory aus Vétroz im Wallis. «Ich bin hier, weil es das Eidgenössische und das wichtigste Fest für uns ist.» Ja, trommeln mache grossen Spass, und nein, er sei nicht so nervös, sagt er, bevor er sich galant entschuldigt und weiter übt. Gesenkten Hauptes steht Philipp Kost aus Zofingen im Festzelt vor seiner Jury. Konzentriert entlockt er der Trommel schnelle Wirbel und präzise Schläge. Doch nach seinem Vortrag ist er selber eher enttäuscht. «Es lief nicht so», sagt er leise. «Du warst zu schnell und konntest dann nicht ausspielen», korrigiert ihn sein Kollege. So seien die Finessen zu kurz gekommen. «Ja, ich war verkrampft», bestätigt der junge Mann. Ist für ihn das Fest nun gelaufen? Verdutzt antwortet er: «Sicher nicht. Es geht hier um mehr als um die eigene Leistung.» Trommeln sei eine «Rand-Musikart», da sei es umso schöner, für einmal viele Gleichaltrige zu treffen, die ebenfalls diesem Hobby frönten. Auch Roland Künzler nimmt nun im grossen Festzelt Platz. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit, 16 OK-Sitzungen, 33 Ausschuss-Sitzungen und zig Zusammenkünften mit den Ressortleitern «sitze ich hier mit einem sehr guten Gefühl und einer grossen Dankbarkeit meinen Kollegen vom OK gegenüber». Alles habe wie am Schnürchen geklappt. Die ganze Logistik aufzubauen, sei eine grosse Herausforderung gewesen. «Aber es haben alle sehr gut und Hand in Hand gearbeitet», lobt Roland Künzler. Auch der Tambourenverein Matten habe als Trägerverein grossen Mut bewiesen, diesen Grossanlass zu organisieren. Du, das kann dann noch an die Ohren gehen», sagt ein Passant zum anderen. «Stimmt», bestätigt OK-Präsident Künzler. Mit den Hoteliers seien deshalb viele Gespräche geführt worden, und die Anwohnerschaft habe Briefe erhalten. Denn Nachtruhestörung lässt sich wohl kaum vermeiden, schon gar nicht, wenn heute Samstag um Mitternacht der «Monsterzug» loslegt, der vom Stadthausplatz Unterseen bis zum Festplatz auf dem Höheweg führt. «Wir haben bisher rund 4000 Ohrpfropfen verteilt, damit sich möglichst wenig Leute über das Fest aufregen müssen», sagt Roland Künzler. Immer wieder wird er kurz unterbrochen, muss da und dort Auskunft geben. Nur über eines will OK-Präsident Künzler nicht reden: das Wetter. «Es ist, wie es ist, wir können es nicht ändern und haben hier mit oder ohne Sonne ein tolles Fest.» Susanna Michel Das OK des Tambouren- und Pfeiferfests Interlaken erwartet für das heutige Abendprogramm im Festzelt eine grosse Anzahl Besucher. Es weist deshalb darauf hin, dass ab 19 Uhr bis etwa 1 Uhr vom signalisierten Parkplatz, bei der Halle 2 auf dem Flugplatz Interlaken, zum Festgelände ein Shuttle-Bus im Einsatz ist. Dieser Shuttle-Bus kann mit dem Festabzeichen gratis benützt werden. >

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