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Happige Strafe für Pfannen-Schläger

Wegen schwerer Körperverletzung kassiert ein IV-Rentner eine Gefängnisstrafe von 28 Monaten. Das Gericht verfügte eine therapeutische Massnahme. Der Täter hatte 2005 seine Partnerin mit einer Bratpfanne geschlagen.

Das Obergericht hatte sich gestern mit einem komplexen Fall von Gewalttätigkeit zu beschäftigen. 2005 hatte der Angeklagte Karl* mit einer massiven Bratpfanne seine damalige Lebenspartnerin mehrmals auf den Kopf und ins Gesicht geschlagen. Das Opfer Sonja* erlitt diverse Körperverletzungen und musste fünf Tage hospitalisiert werden, war anschliessend auch längere Zeit arbeitsunfähig. Die Tat war unbestritten, die juristische Einordnung dagegen schon. Die erste Instanz, das Amtsgericht Solothurn-Lebern, befand 2008 auf einfache Körperverletzung und verurteilte Karl zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von 28 Monaten, dies auch, weil Karl bereits zuvor zwei Mal als gewalttätig aufgefallen war und dafür bereits 2004 eine zehnmonatige bedingte Strafe kassiert hatte. Urteil angefochtenDas Amtsgericht verfügte aber in Ergänzung zum Strafurteil auch die Massnahme einer stationären therapeutischen Behandlung, da der zur Tatzeit 50-jährige IV-Rentner gemäss Gutachten ein «psychisch schwer gestörter Mensch» sei. Für Karls Pflichtverteidiger fiel das Urteil zu hart aus, er plädierte auf eine bedingte Strafe und gegen eine Einweisung in eine Klinik, für die Anwältin des Opfers war das Urteil dagegen zu milde, sie sieht die Tat als schwere Körperverletzung, wenn nicht gar als vorsätzlicher Tötungsversuch. Die Folge: Beide Seiten appellierten ans Obergericht. Tragische UmständeGestern zeigte sich nun an der Verhandlung die Tragik dieser Geschichte in ihrem vollen Umfang. Das Opfer Sonja leidet heute noch unter dem Vorfall, klagt über regelmässige Kopfschmerzen, muss täglich Tabletten nehmen und bekundet Angst vor zu nahem Kontakt mit Mitmenschen. Der Täter Karl gab vor Gericht nur stockend und oft mit grosser Verzögerung Antwort, so als wäre da in seinem Kopf eine grosse Leere. Er zeigte sich über sein Fehlverhalten einsichtig, kann sich aber nicht erklären, weshalb er gewalttätig wird: «Wenn ich provoziert werde, kann ich mich nicht abwenden. Aber ich bin sicher, dass dies nicht mehr vorkommt», meinte er auch. Erstaunlich ist, dass Karl zwar gewillt wäre zu einer stationären Therapie, es aber anscheinend seit nunmehr über einem halben Jahr nicht möglich war, eine solche anzutreten. Sein Leben scheint in dieser Zeit vielmehr geprägt gewesen zu sein von sozialer Abschottung und immer wieder wechselnden psychiatrischen Hilfen.9'000 Franken GenugtuungDas dürfte sich nach dem Urteil des Obergerichts ändern. Auch das Obergericht ordnete nun eine stationäre therapeutische Massnahme für Karl an. Das Gericht stufte das Vergehen von Karl als schwere Körperverletzung ein und bestätigte insgesamt gesehen auch das Strafmass des Amtsgerichts von 28 Monaten Gefängnis unbedingt. Als Genugtuung muss Karl zudem statt wie vom Amtsgericht verfügt 7'000 neu 9'000 Franken an Sonja bezahlen.

*Namen geändert

ST/tss

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