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Grabenkämpfe in der Reformierten Kirche

Kein Konf-Lager, kein

Da reibt sich mancher Konfirmand verwundert die Augen: Zwei Briefe haben die Neuntklässler von Wangen und Umgebung in den letzten Tagen erhalten. Beide tragen den Briefkopf der Reformierten Kirchgemeinde, beide wurden am 6.November geschrieben, und in beiden wird über dasselbe Thema informiert. Und doch ist der Inhalt ziemlich unterschiedlich. Im einen Brief orientiert der Kirchgemeinderat über den Ausfall des Konfirmandenlagers und den Abgang von Pfarrer Andrea Fabretti, im anderen rechtfertigt sich der Pfarrer selbst. Das gibt zu reden im Aarestädtchen – und eines dürfte jedem klar sein: Hinter den Kirchenmauern herrscht dicke Luft. Konfirmation ohne Fabretti Seinen Vertrag in Wangen hat Pfarrer Andrea Fabretti per 31.März 2010 gekündigt. Ein denkbar schlechter Moment für die Neuntklässler: Ihre Konfirmation findet Mitte Mai statt, die letzte Etappe des kirchlichen Unterrichts müsste daher ein neuer Pfarrer übernehmen. «Ein solcher Wechsel wäre ungeschickt und belastend», ist Fabretti überzeugt. Dem Kirchgemeinderat hat er deshalb angeboten, die 20 Schülerinnen und Schüler über sein Kündigungsdatum hinaus weiter zu betreuen – bis zur Konfirmation. Doch davon wollen die Kirchenoberen nichts wissen: Einstimmig habe der Rat entschieden, unter das Arbeitsverhältnis «per 31.März einen sauberen Schlussstrich zu ziehen» und rasch einen Nachfolger zu suchen, der die verbleibenden Lektionen übernehmen könnte, sagt Kirchgemeinderatspräsident Anton Haas. Das Konfirmandenlager allerdings wird der Neue nicht mehr retten können: Es wurde vom Kirchgemeinderat bereits abgesagt, die Vorbereitungen für den Abschlussgottesdienst dürften an einem Wochenende nach Ostern stattfinden. Fabretti: «Tiefer Graben» Das Angebot von Andrea Fabretti wird im Schreiben des Kirchgemeinderats mit keinem Wort erwähnt. Überhaupt scheint das Tischtuch zwischen den Parteien längst zerschnitten. «Es herrscht ein tiefer Graben zwischen Kirchgemeinderat und Mitarbeiterteam», ist Fabretti überzeugt. Neben ihm hat auch die diakonische Mitarbeiterin gekündigt, ein dritter Abgang steht kurz bevor. Unzufrieden ist Fabretti mit dem Führungsstil in Wangen. «Zwischen den Aufgaben und den Kompetenzen der Kirchenmitarbeiter klafft eine grosse Lücke. Es fehlt an gegenseitigem Vertrauen.» Tatsächlich gebe es seit längerem Probleme, gibt Präsident Anton Haas zu – «allerdings nur mit Pfarrer Fabretti». Von einem Graben innerhalb der Kirchgemeinde könne keine Rede sein. Schon früher gabs Zoff Probleme lösen – das musste auch schon die Vorgängerin von Anton Haas: Kirchgemeinderatspräsidentin Christine Ramseier. Unter ihrer Leitung wollte der Rat Ende 2003 die Personalkosten um 20000 Franken kürzen. Die Kirchgemeindeversammlung mochte sich diesen Einschnitt allerdings nicht gefallen lassen und lehnte das Budget 2004 wuchtig ab – worauf Vizepräsidentin Dora Jäggi noch an der Versammlung ihren Rücktritt erklärte. Für die verlorene Abstimmung hatte Präsidentin Christine Ramseier damals eine simple Erklärung: «Das Pfarramt hat gegen uns mobil gemacht.» Andrea Fabretti kann sie als Sündenbock nicht gemeint haben. Er kam erst im Februar 2005 nach Wangen. Nun, knapp fünf Jahre später, geht seine Zeit im Oberaargau schon wieder zu Ende. Stefan Schneider>

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