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Genug Strom ohne Atomkraftwerke

AtomenergieDie BKW produziert heute mehr Strom, als die Konsumenten in ihrem Versorgungsgebiet verbrauchen. Für den «geordneten Ausstieg aus der Atomkraft», den der Verwaltungsrat jetzt verlangt, gibts mehrere Wege.

«Kernenergie bleibt ein unverzichtbarer Pfeiler für eine zuverlässige und klimafreundliche Stromzukunft.» Das schrieben BKW-Präsident Urs Gasche und BKW-Chef Kurt Rohrbach im Geschäftsbericht 2010, bevor die Atomkatastrophe in Japan die Schweizer Energiepolitik erschütterte. Die Gültigkeit dieser Aussage war kürzer als die Halbwertszeit von Atommüll. Denn am Dienstag beauftragte der Verwaltungsrat die BKW-Geschäftsleitung, den «geordneten Ausstieg aus der Atomkraft» zu planen (siehe Ausgabe von gestern). Die neue Strategie soll im März 2012 vorliegen. Mögliche Wege, so zeigt die Analyse der BKW-Daten, sind bereits absehbar. Mehr Produktion als Konsum Die BKW-Kraftwerke produzieren heute 2,4 Milliarden Kilowattstunden (kWh) mehr Strom, als Wirtschaft und Haushalte im BKW-Versorgungsgebiet verbrauchen. Das zeigen die Daten im Geschäftsbericht 2010 (siehe Grafik). Von der gesamten Produktion von 10,5 Milliarden kWh (Strommast 2) entfielen 2010 allerdings 2,4 Milliarden auf Beteiligungen im Ausland, insbesondere die AKW Cattenom und Fessenheim sowie ein Gaskraftwerk in Italien. Ohne Auslandbeteiligungen wäre die BKW-Strombilanz nahezu ausgeglichen. Bei einem «geordneten Ausstieg» würde das AKW Mühleberg 2022 abgeschaltet, die französischen AKW Fessenheim und Cattenom 2020 bis 2030, während das AKW Leibstadt bis 2044 weiter produzieren könnte. Auf der andern Seite produziert das im Bau befindliche Kohlekraftwerk Wilhelmshaven ab 2012 neu rund 1,8 Milliarden kWh Strom für die BKW. Zudem plant die BKW, die Produktion aus neuen erneuerbaren Energien auf 0,6 Milliarden kWh auszubauen. Drei Szenarien beim Ausstieg Im Jahr 2030 könnte die BKW trotz Atomausstieg immer noch 8,1 Milliarden kWh Strom produzieren (Strommast 3). Nahezu gleich viel, wie Wirtschaft und Haushalte 2010 im BKW-Gebiet verbrauchten. Diese Perspektive war schon vor der Katastrophe in Japan absehbar. Doch die BKW setzte auf weiter wachsenden Stromverbrauch. Darum plante sie eine Beteiligung von 15,5 Prozent oder 500 Megawatt an neuen Schweizer Atomkraftwerken. Damit stellt sich die neue Frage: Wie lassen sich bei einem Ausstieg 500 Megawatt Leistung respektive die Produktion von 4,0 Milliarden kWh Atomstrom ersetzen (oder einsparen)? Drei Szenarien zeichnen sich ab: Gaskraft: Am einfachsten wäre, Atom- durch Gaskraftwerke zu ersetzen. Dazu könnte die BKW ihr Gaskraftwerkprojekt mit 400 Megawatt Leistung in Utzenstorf aus der Schublade holen. Bei Volllastbetrieb liessen sich damit 3,2 Milliarden kWh Strom erzeugen. Der Haken daran: Damit allein stiege der CO2-Ausstoss in der Schweiz um rund vier Prozent. Das widerspricht den klimapolitischen Zielen. Sparen: Mit einer konsequenten Stromsparpolitik liesse sich der Stromverbrauch um einen Drittel oder 2,7 Milliarden kWh vermindern. Dazu müsste die BKW endlich tun, was Linke und Grüne seit Jahren fordern: Mengenrabatte ersetzen durch Stromtarife, die bei wachsendem Verbrauch progressiv steigen. Damit verringert sich der Stromeinsatz für Heizungen. Zudem würden ineffiziente Anlagen, Geräte, Beleuchtungen und Industriemotoren ersetzt. Erneuerbare Energien: Mit hohen Investitionen in Wind-, Solar-, Biomasse- und kleine Wasserkraftwerke liesse sich die Stromproduktion aus erneuerbarer Energie massiv erhöhen. Der Haken: Der Investitionsbedarf ist gross, ebenso der Widerstand gegen Windkraftwerke und die Trockenlegung von Bächen. Kombination als Lösung Die Umsetzung aller hier skizzierten Szenarien stösst auf ökonomischen, ökologischen oder politischen Widerstand. Denkbar wäre deshalb eine Kombination aus Stromsparen, vereinzelten kleinen Gaskraftwerken mit hohem Anteil an Wärmenutzung sowie der Förderung von erneuerbaren Energien auch ausserhalb des Strombereichs. Hanspeter Guggenbühl>

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