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Fünfer-Ticket «gegen den Filz»

Der Wahlkampf ist lanciert: Gleich mit fünf Kandidaten steigt die SVP in die Regierungsratswahlen 2009. Sie tat das gestern nicht ohne Provokation. Es sei endlich an der Zeit, den Solothurnischen «Parteifilz» aufzubrechen.

Egal, was man bisher unternommen habe: Die anderen Parteien hätten sich stets gemeinsam auf den SVP-Kandidaten eingeschossen und bei den Regierungsratswahlen einen Erfolg der SVP verhindert. «Damit ist es jetzt endgültig vorbei», wetterte Parteipräsident Heinz Müller gestern Nachmittag an einer Medienkonferenz in Kestenholz. «Es ist an der Zeit, den Solothurnischen Parteifilz aufzubrechen.» Um ihr Ziel zu erreichen, greift die SVP zu bisher ungewohnten Mitteln: Gleich mit einem Fünfer-Ticket will sie 2009 den Kampf um die fünf Sitze in der Solothurner Regierung aufmischen.Wie diese Zeitung bereits gestern verkündete, wird das Zugpferd dabei Nationalrat Roland Borer (1951, Kestenholz) sein. Die anderen Kandidaten sind Heinz Müller selber (1961, Grenchen), Kantonsrat Roman Jäggi (1964, Fulenbach), die Chefin der Solothurner Fremdenpolizei, Colette Adam (1961, Derendingen) und der Oltner Gemeinderat Christian Werner?(1984).

Ziel: Der zweite Wahlgang

Die Strategie der SVP ist klar, auch wenn die Parteileitung dies gestern so nicht direkt bestätigen wollte: Mit einem einzelnen Kandidaten wäre die SVP wie bei den vier vorangegangenen Versuchen (1997, 2001, 2003, 2005) wohl chancenlos, zumal alle amtierenden Regierungsräte nochmals antreten. Mit dem Fünfer-Ticket will sie nun den einen oder anderen Magistraten in den zweiten Wahlgang schicken und dort dann mit dem aussichtsreichsten Kandidaten angreifen. Die fünf Kandidaten stammen aus vier verschiedenen Bezirken. Auch dies ist in der Strategie der SVP ein wichtiges Puzzleteil: Die amtierenden Regierungsräte sollen in ihren Heimatbezirken bedrängt werden. Ganz ging die Rechnung allerdings nicht auf. Fürs Schwarzbubenland und somit für Bildungsdirektor Klaus Fischer konnte kein Kandidat beziehungsweise Gegenspieler gefunden werden.

«Viele Defizite»

Teilweise tönte es gestern im Restaurant Kastanienbaum in Kestenholz ähnlich wie dieser Tage im Bundeshaus: Die SVP sei bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen, betonte Heinz Müller mehrfach. Er begründete auch gleich, weshalb es «höchste Zeit» sei, dass die SVP in der Exekutive Einsitz nehme: «Die fünf amtierenden Regierungsräte weisen grosse Defizite auf.» Welche Defizite? Auf wen hat es die SVP abgesehen? Auf Baudirektor Walter Straumann, den Müller bei jeder Gelegenheit als «Sesselkleber» bezeichnet? Darauf gab es gestern erstaunlicherweise keine – oder höchstens vage – Antworten. «Wir spielen nicht primär auf den Mann», so Müller. Das ist neu für die SVP. Neu war auch, dass just jene Partei, die die Basisdemokratie so gerne hochhält, ihre Mitglieder erst im letzten Moment über die Strategie und das Fünfer-Ticket informierte – gestern Abend nämlich. An der Parteiversammlung in Mümliswil schien dies jedoch niemanden zu kümmern: Die fünf SVP-Regierungsratskandidaten wurden offiziell nominiert.

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