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«Froh um jedes Mitglied»

Der Berner Politologe

Herr Ladner, die SVP gewinnt wegen der Islam-Debatte im Oberaargau neue Mitglieder. Kann das sein? Andreas Ladner: Die Anti-Minarett-Initiative war natürlich ein Glücksfall für die Partei. Es erstaunt mich nicht, wenn die Partei davon profitiert. Aber man muss auch festhalten: Die Mitgliederzahlen der Parteien in der Schweiz sind intransparent. Wie schwer ist es denn für Parteien, neue Mitglieder zu erreichen? Sehr schwer. Im Grundsatz verlieren heute alle Parteien. Das gilt auch für die SVP. Aber einzelne Ereignisse wie die Anti-Minarett-Initiative respektive die Islam-Debatte können den Trend kurzfristig umkehren. Die SVP Langenthal holte im Zuge der Islam-Debatte 5 neue Mitglieder. Der Wert liege über dem Schnitt, heisst es. (Schmunzelt.) Das zeigt, dass die Bäume bei den Parteien nicht mehr in den Himmel wachsen. Sie sind bescheiden geworden. Aber andere Parteien wären schon froh, wenn sie überhaupt ein neues Mitglied gewinnen könnten. Die SVP Oberaargau will 200 neue Mitglieder anwerben. Das ist tatsächlich ein extrem hochgestecktes Ziel. Wenn die Partei schon nur 100 oder 50 neue Mitglieder gewinnt, kann sie stolz sein. Stolz darauf, dass sie die Ängste der Leute schürt? Das würde ich nicht unbedingt so formulieren. Es ist vielmehr so, dass die Partei den Leuten gewisse Probleme plausibel erschliesst. Und diese müssen nicht mit den wirklichen Problemen zu tun haben. Das hat ja auch die Anti-Minarett-Initiative gezeigt. Da ging es nicht um Minarette. Die SVP will auch viele Junge als Mitglieder gewonnen haben. Das kann sein. Die SVP ist für junge Menschen keine No-go-Partei mehr. Die SVP bezieht klar Position. Die Jungen wollen das. Die FDP zum Beispiel ist für die Jugendlichen zu wenig greifbar. Interview: Dominik BalmerAndreas Ladner (52) ist seit 2006 Professor für schweizerische Verwaltung und institutionelle Politik an der Universität für öffentliche Verwaltung IDHEAP in Lausanne. Davor lehrte und forschte er an der Universität in Bern. >

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