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Voller Einsatz im Rhabarberfeld

Alexandre Javet ist der grösste Rhabarberproduzent der Region. Zurzeit werden auf seinen Feldern täglich 1000 Kilogramm des Gemüses geerntet.

Ernte der rotgrünen Stengel: Auf dem Feld von Alexandre Javet am Fuss des Mont Vully arbeiten Angestellte aus Polen.
Ernte der rotgrünen Stengel: Auf dem Feld von Alexandre Javet am Fuss des Mont Vully arbeiten Angestellte aus Polen.
Urs Baumann

Eins, zwei, drei: Der Rhabarberstengel wird ausgerissen, mit je einem Messerschnitt werden das Blatt und das untere Ende entfernt. Schwungvoll landet der Stengel in einer grünen Harasse, die sich blitzschnell füllt. Auf Alexandre Javets Rhabarberfeld am Fuss des Mont Vully wiederholen sich diese Bewegungen von April bis Juni unzählige Male. Im Mai ernten die sechs polnischen Angestellten bis zu 60 Kilogramm pro Stunde, täglich bis 1000 Kilogramm Rhabarber. Diese gelangen über Grossisten in die Läden von Migros, Coop und Aldi.

Auch Javet selber schwingt das Messer, wenn grosse Lieferungen anstehen. Sonst kümmert er sich, zusammen mit seiner Ehefrau Anne-Claude, um Liefertermine, Transport und um alles, was es noch zu tun gibt. Der 45-Jährige ist Präsident der Gemüseproduzenten im Wistenlach, wie das Gebiet Vully zu Deutsch heisst. Er hat die Routine eines Profis, denn die Rhabarberkultur ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt seines landwirtschaftlichen Familienbetriebs mit 42 Hektaren.

2015: Später Erntebeginn

«Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage», freut sich Javet. Das saure Gemüse ist wieder in Mode, nicht nur als Wähe, Kompott und Konfitüre, sondern auch als Gemüse in Suppen und Fleischgerichten. Rhabarber wird Süssgetränken beigemischt, Joghurts und Desserts. Für letztere schwärmt Alexandre Javet ebenfalls: «Ich liebe Rhabarbertiramisu», verrät er (siehe Rezept).

Rhabarber ist das erste Freilandgemüse, das in der Schweiz noch vor Salat und Spargel geerntet werden kann. Mit Spargel hat Rhabarber etwas Gemeinsames: Beide werden nur über zweieinhalb Monate geerntet, bis am 22.Juni. Aber das Feld bleibt besetzt. Es kann nichts anderes angebaut werden. Wie Spargel bleibt auch der Rhabarber über Jahre am gleichen Platz. Im ersten Jahr dürfen noch keine Stengel geerntet werden. Javet: «Erst im dritten Jahr darf man voll ernten, allerdings nur die dicken Stengel.»

Rot ist beliebter als grün

Mit der heurigen Ernte ist er zufrieden. Wegen des kalten Winters mussten die Rhabarber zwar länger unter Plastik bleiben als sonst, aber mit dem Wechsel von Wärme und Regen haben sich die Pflanzen gut entwickelt. Sie sind anspruchslos, brauchen kaum Dünger und werden selten von Krankheiten oder Schädlingen befallen – ausser von Mäusen. Alexandre Javet zeigt auf die zahlreichen Lücken in den Reihen am Feldrand. «Die Mäuse lieben Rhabarberwurzeln.»

Auf Javets Feldern wachsen drei Sorten Rhabarber. Das erlaubt es, die Ernte zu staffeln. Die roten Stengel sind beliebter als die grünen. «Der Geschmack unterscheidet sich nicht, aber gerade in Desserts ist rot natürlich schöner», sagt Javet.

Anfang April, wenn erst wenige Rhabarber auf dem Markt sind, erhält der Produzent bis 4 Franken pro Kilogramm. Auf dem Erntehöhepunkt dagegen kann der Preis bis Fr. 1.50 sinken. Trotzdem lohnt sich der Anbau, vor allem bei den grossen Mengen, die im Wistenlach wachsen. Die fünf Hauptproduzenten liefern jährlich rund hundert Tonnen Rhabarber, der in der ganzen Schweiz konsumiert wird.

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