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Lehrer drohen mit einem Boykott

Die Primarlehrkräfte haben sich an Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot gewandt. Sie stören sich daran, dass Klassenlehrkräfte mindestens ein 40-Prozent-Pensum haben müssen. Die Erziehungsdirektorin aber will nicht verhandeln.

Isabelle Chassot ist enttäuscht von der Haltung der Lehrer.
Isabelle Chassot ist enttäuscht von der Haltung der Lehrer.
Keystone

«Die gesamte Lehrerschaft aus Düdingen wird im kommenden Schuljahr keine Praktikantinnen und Praktikanten der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg aufnehmen.» Dies steht in einem Brief der Lehrerinnen und Lehrer an die Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot (CVP). Im Brief heisst es weiter: «Mit dieser Aktion zeigen wir unmissverständlich unseren Unmut.»

Die Lehrkräfte stören sich an der Pensenregelung: Seit das zweite Kindergartenjahr eingeführt wurde, können sich zwei Klassenlehrkräfte das Pensum nicht mehr nach Belieben aufteilen. Primarlehrer, die sich die Verantwortung einer Klasse teilen, müssen zu mindestens 40 Prozent arbeiten. Es gibt also nur noch die Möglichkeiten, die Pensen in 40 und 60 Prozent oder in 50 und 50 Prozent aufzuteilen.

«Festgefahren»

Die Lehrpersonen der Primarschule Düdingen fordern Chassot auf, die Pensenregelung aufzuheben. Zudem sollen die Schulleitungen und die Schulkommission Lehrpersonen anstellen und deren Pensen regeln können. Den Praktikumsstopp künden die Lehrkräfte an, «weil uns die Pensendebatte seit längerem festgefahren scheint und die bestehende Regelung für uns keine echte Lösung darstellt».

Von der Primarschule Düdingen wollte niemand Stellung nehmen. Die Verantwortlichen wollen die Gründe für den Praktikumsstopp später darlegen.

Jacqueline Häfliger, Präsidentin der Vereinigung Lehrerinnen und Lehrer Deutschfreiburg (LDF), kennt die Hintergründe. Die Primarschule habe einen grossen Wandel erlebt, die Lehrkräfte hätten genug. Und vor allem: «Wir werden von der Erziehungsdirektion nicht angehört.» Darum wehrten sich die Lehrkräfte nun mit anderen Mitteln. «Die Basis macht ihrem Unmut Luft.» Nicht nur die Düdinger kündigen einen Praktikumsstopp an. «Es beteiligen sich mehrere Schulen aus dem ganzen Gebiet Deutschfreiburgs.»

Am Gesetz nicht rütteln

«Ich bin extrem enttäuscht von dieser Haltung», sagt Erziehungsdirektorin Chassot. Unter einem Praktikumsstopp leide nicht der Arbeitgeber der Primarlehrkräfte, sondern «deren künftige Kollegen und die deutschsprachige Abteilung der Pädagogischen Hochschule». Chassot befürchtet, der Stopp könnte die deutschsprachige Abteilung gefährden: Sie betont, dass die neue Regelung seit 2008 in Kraft ist. «Kleinstpensen sind immer noch möglich.» Klassenlehrkräfte, die zu 60 Prozent arbeiten, können ihr Pensum durch Stützunterricht, Deutsch für Fremdsprachige und andere Lektionen aufstocken. «Aus pädagogischer Sicht ist es wichtig, dass eine Klassenlehrkraft mehr als einen Tag pro Woche mit ihren Schülern verbringt, um sie gut zu begleiten.» Chassot wehrt sich gegen den Vorwurf, sie schenke den Anliegen kein Gehör. «Wir diskutieren immer wieder zusammen.» Doch sei die Pensenregelung im Gesetz so festgelegt, daran werde nicht gerüttelt.

Gegen den Praktikumsstopp kann sich der Kanton nicht wehren: Die Aufnahme von Praktikantinnen ist nicht obligatorisch. PH-Rektorin Pascale Marro macht sich Sorgen: «Mit einem Praktikumsstopp wird es für uns sehr schwierig, Junge auszubilden.» Sie fragt sich, warum jene, die mit der Regelung nicht einverstanden sind, die PH-Studenten bestrafen: «Da wird auf zwei verschiedenen Niveaus verhandelt.»

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