Kerzers: Volk will kein Parlament

Kerzers

Wie schon vor zehn Jahren haben die Stimmberechtigten von Kerzers die Einführung eines Generalrats abgelehnt. Einführen wollten ihn alle vier Ortsparteien.

Barbara Krähenbühl trägt die Stimmzettel, die sie mit Gemeindeschreiber Erich Hirt aufs Oberamt in Murten bringt.

Barbara Krähenbühl trägt die Stimmzettel, die sie mit Gemeindeschreiber Erich Hirt aufs Oberamt in Murten bringt.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Nur rund 3,2 Prozent der 3536 stimmberechtigten Kerzerserinnen und Kerzerser besuchen die Gemeindeversammlungen. Der traditionsreiche Anlass liegt ihnen offenbar aber doch am Herzen. Denn an der Urnenabstimmung vom Wochenende sprachen sich die Stimmberechtigten gegen die Einführung eines Generalrats aus, wie im Kanton Freiburg ein Gemeindeparlament heisst. Bei einer Stimmbeteiligung von fast 42 Prozent sagten nur 653 Personen Ja zu der Institution, die die Gemeindeversammlung hätte ersetzen sollen. 815 schrieben ein Nein auf den Stimmzettel.

«Demokratischer Entscheid»

Nach Bekanntgabe des Abstimmungsresultats sagte Gemeindepräsidentin Susanne Schwander (FDP): «Mit dem heutigen Resultat ist ein demokratischer Entscheid gefallen, den es zu akzeptieren gilt. Das Volk will die Gemeindeversammlung.»

Der Gemeinderat hatte sich zum Begehren der Parteien neutral verhalten. Schwander zeigte sich überzeugt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Parteien und dem Gemeinderat nach wie vor gut sei, und betonte das gute Einvernehmen, das allenthalben herrsche. Als Beweis dafür führte sie an, dass Befürworter und Gegner der Abstimmungsvorlage gemeinsam die Stimmen ausgezählt hätten.

«Etwas enttäuscht»

«Ich bin schon etwas enttäuscht», sagte Jörg Bönzli, FDP-Mitglied und Hauptinitiant der Initiative für einen Generalrat. Der Anstoss für dessen Einführung kam von den vier Ortsparteien FDP, SVP, SP und CVP. Im Vorfeld der Abstimmung hatten sie ein Podium organisiert, das Gegner auf den Plan gerufen hatte, weil sich nur Befürworter geäussert hatten. Das hatte den Bürger David Bolliger bewogen, knapp zwei Wochen vor der Abstimmung beim Kantonsgericht in Freiburg eine Beschwerde einzureichen. «Die einseitige Besetzung des Podiums hat mich stutzig gemacht», sagte Bolliger damals. Jetzt, wo die Beschwerde hinfällig ist, meint er, das Abstimmungsresultat sollte dem Gemeinderat deutlich machen, in Zukunft nicht einfach «unbesehen einigen wenigen Exponenten der Ortsparteien» zu folgen. «Vielmehr sollte die Bevölkerung schon von Anfang an in die politischen Geschäfte miteinbezogen werden.»

Ein weiterer Befürworter des Generalrats, Adolf Rüfenacht (SVP), meinte gestern, dass es nach dieser Abstimmung nun gelte, das politische Interesse in der Gemeinde zu beleben, um das Volk an die Gemeindeversammlung zu holen. «Jetzt sind die Parteien gefordert», sagte er.

Das Resultat: Ja: 653 Stimmen (44,5 Prozent); Nein: 815 Stimmen (55,5 Prozent); Stimmbeteiligung: 41,94 Prozent

Berner Zeitung

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