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Ein Erdrutsch lebt als Roman neu auf

Der neue Roman von Christian Schmutz ist da: In «Bachab – Falli Hölli verschwindet» steht der Erdrutsch von 1994 in Plasselb im Fokus. Gekonnt vermischt der Sensler Autor Fakten und Fiktion.

Auch der zweite Roman von Christian Schmutz spielt in seiner Heimat, dem Sensebezirk.
Auch der zweite Roman von Christian Schmutz spielt in seiner Heimat, dem Sensebezirk.
Aldo Ellena/FN

Das Ereignis erschütterte den Sensebezirk und sorgte weit über die Kantonsgrenze hinaus für Aufsehen: 1994 rutschte ein Hang im Gebiet Falli Hölli in der Gemeinde Plasselb in die Tiefe. Ein Restaurant, ein Ferienlager und mehrere Chalets wurden zerstört. Heute ist davon nichts übrig. «Also nicht nichts», schreibt Christian Schmutz in seinem Roman «Bachab», der die Katastrophe aufleben lässt. «Aber nur eine abgelegene Bergwiese, auf der Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen.»

«Bachab» hat alles, was es für einen Roman braucht: eine Liebesgeschichte, etliche Konflikte und viele persönliche Schicksale. Gleichzeitig wird auch geschichtlicher Hintergrund in den Roman verpackt. In seinem Zweitwerk wollte Christian Schmutz wiederum ein Sensler Thema aufgreifen. Von Beginn weg war zudem klar, dass sein Roman auch die Vorlage für ein Theaterstück sein soll. «Nach dem Freilichtspiel Hinterchehr brauchten wir ein neues Projekt», sagt Schmutz. Mit «wir» meint er sich und den Regisseur Mark Kessler. Dieser hatte Schmutz’ ersten Roman «Als die Nachtvögel kreisten» erfolgreich in das Theaterstück «D Hintercher-Banda» umgesetzt. Dort geht es um eine berüchtigte Sensler Diebesbande in den 1930er-Jahren.

Ein Versuch

Nachdem sich Kessler und Schmutz für die Geschichte von Falli Hölli entschieden hatten, begann Christian Schmutz ein Handlungsgerüst zu erarbeiten. Darauf aufbauend schrieb er seinen Roman, Mark Kessler verfasst ein Textbuch. «Es war ein Versuch, ob das so klappt», sagt Schmutz. Er empfand die Zusammenarbeit als vorteilhaft. Sei er nicht weiter gekommen, habe er sich mit dem Regisseur abgesprochen. «Gleichzeitig hat es mich beim Schreiben auch eingeschränkt, da ich ständig die Bühne im Hinterkopf hatte.» Das Theaterstück wird nächsten Sommer aufgeführt.

In seinem Roman vermischt Christian Schmutz Fakten und Fiktion. Alles, was den Rutsch an und für sich betrifft, entspricht den Tatsachen. «Die Figuren sind aber alle frei erfunden», betont er. Dies sei nötig gewesen, da das Ereignis nicht weit zurückliegt. «Es sollte sich niemand direkt wiedererkennen können», sagt Schmutz. So entspreche beispielsweise das Wirtepaar im Roman nicht dem effektiven Wirtepaar, genauso wenig, wie die Gemeinderäte, der Architekt oder der Oberamtmann den tatsächlichen Personen entsprechen.

Zeitgeist anprangern

Es war für den Autor nicht immer einfach, Distanz zur Geschichte zu wahren: Er kennt das Gebiet, als Journalist hatte er regelmässig mit Behörden zu tun. Er wolle auch niemanden anschwärzen, sondern eher den damaligen Zeitgeist anprangern, sagt Schmutz. Es herrschte im ganzen Land Aufbruchsstimmung; Plasselb sah in Falli Hölli eine Chance, ein Tourismuszentrum aufzubauen. Rücksicht auf die Natur wurde keine genommen, Plasselb war dabei kein Einzelfall. Gelegentlich erhält man als Leser den Eindruck, dass sich Schmutz nicht richtig zwischen einer Dokumentation und einem Roman entscheiden konnte. «Der Sprung von der Recherche zur Umsetzung ist immer schwierig», bestätigt Schmutz.

«Bachab – Falli Hölli verschwindet». Roman von Christian Schmutz. 264 Seiten, 35 Franken.

Freiburger Nachrichten/mir

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