Das Geläut wird 100 Jahre alt

Plaffeien

Am kommenden Samstag gedenkt die Pfarrei Plaffeien der feierlichen Glockenweihe vor genau 100 Jahren. Am 31.Mai 1906 war die Kirche samt Glockenturm dem verheerenden Dorfbrand zum Opfer gefallen.

Die Feier zur Glockenweihe am 15.August 1909 wurde mit einem Gedenken an die Brandkatastrophe eröffnet. Es heisst dazu in einem Zeitungsbericht: «Erstlich erinnerte der Festprediger Viktor Schwaller an die alten Glocken, die am 31.Mai 1906 ihre Hilferufe ertönen liessen und dann selber vom Feuer erfasst worden und geschmolzen sind. Treu auf ihrem Posten sind sie dahingestorben.» Im Sommer 1909 waren die Bauarbeiten an der neuen Kirche und am Glockenturm so weit fortgeschritten, dass das neue Geläut aufgezogen werden konnte. Für die Weihe waren die fünf Glocken vor dem Turm auf einem mit Girlanden und Blumen geschmückten Gestell aufgehängt worden. Der Feier wohnte viel Volk bei. Jeder wollte möglichst nahe am Geschehen sein. Dazu heisst es: «Einige schwindelfreie Buben kletterten wie Eichhörnchen am Gerüst des hohen Turmes herum, um eine möglichst gute Aussicht auf das Geschehen zu haben.»Reine HarmonieDie Glocken wurden von Johann Aeby, Pfarrer in Plasselb, gesegnet. Die Patenpaare hatten nach der Segnung die Ehre, «ihre Glocke» zu läuten. «Mögen nun die schönen, neuen Glocken von Plaffeien und all die andern Glocken in reiner Harmonie stetsfort zusammentönen und die Herzen auch dazu einstimmen», wünschte der Festprediger in seinem Kanzelwort.Der Glockenweihe wohnten auch zwei Staatsräte und Oberamtmann Raymond Schwarz bei. In seiner Ansprache versprach Staatsratspräsident Ludwig de Weck unter anderem, dass die Bahn nach Plaffeien unbedingt gebaut werden müsse und das Sense-Oberland so neue Zukunftsperspektiven erhalte.In der darauf folgenden Woche fanden die Glocken unter Mithilfe der Schulkinder ihren Bestimmungsort auf dem Turm. Am Mittwoch wurden die Toten- und die Feuerglocke in den Turm hochgezogen. Am Donnerstagvormittag halfen Männer beim Hochziehen der zwei grösseren Glocken: der Wetterglocke und der Josephsglocke, die dann zu Mittag erstmals geläutet wurde. Am Nachmittag war die Marienglocke an der Reihe. Am Abend ertönte erstmals das volle Glockengeläut.Tonreinheit und KlangfülleAm Donnerstag, 23.September, fand die Expertise durch die Musiker Joseph Bovet und Paul Haas statt. Sie stellten in ihrem Bericht fest, dass das neue Geläute sowohl durch seine Tonreinheit wie auch durch seine Klangfülle überzeuge. Die Glocken sind gestimmt auf H, d, e, g, h. Die Experten liessen die Glocken in 18 verschiedenen Kombinationen läuten. «Aber auch das Gesamtgeläute hat eine majestätische Wirkung. Es ist von einer Tonfülle, die feierlichen Ernst und hehre Freude in sich schliesst», hielten die Experten fest.

Plaffeien: Sa, 15. August, 9 Uhr, Glockengeläut und Festgottesdienst.

ja/hus/BZ

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