«46 Plätze weniger sind verkraftbar»

Murten

Der Auftrag des Generalrates an den Gemeinderat, eine Alternative zum Parkhaus-Siegerprojekt «Prinz von Tarent» zu finden, sei eine knifflige Sache, sagt Gemeinderätin Ursula Schneider (SP).

Wird Murtens Innenstadt zur Begegnungszone? Wenn ja, blieben nur noch rund 70 Parkplätze. Ein Parkhaus könnte die mangelnden Plätze kompensieren. Ob es aber jemals gebaut wird, steht in den Sternen.

Wird Murtens Innenstadt zur Begegnungszone? Wenn ja, blieben nur noch rund 70 Parkplätze. Ein Parkhaus könnte die mangelnden Plätze kompensieren. Ob es aber jemals gebaut wird, steht in den Sternen.

(Bild: zvg)

Das Doppeldossier Begegnungszone und Parkhaus bereitet dem Murtner Gemeinderat Kopfzerbrechen. Die Stadtregierung hätte ursprünglich die beiden Vorhaben gleichzeitig verwirklichen wollen. Nun aber hat das Stadtparlament – der Generalrat – das Parkhausprojekt «Prinz von Tarent» zurückgewiesen und fordert eine oberirdische Variante. Nun könnte die Begegnungszone vorgezogen werden.

Der Generalrat hat die Parkhausvorlage zurückgewiesen. Wie steht es mit der Begegnungszone in der Altstadt?
Ursula Schneider: Die Gestaltung der Begegnungszone ist klar, wir wissen, wie viele Parkplätze wo sein werden, und haben einen Plan für die Parkplatzbewirtschaftung. Auch die Finanzierung wäre keine grosse Sache, wir müssten die nötigen Kosten ins Budget nehmen. Schliesslich müssten wir eine 20er-Zone signalisieren und allenfalls Parkplätze ummarkieren.

Was hält Sie davon ab, sofort loszulegen?
Wenn wir im Stedtli weniger Parkplätze haben, brauchen wir neue an einem anderen Ort. Deshalb kam man auf die Lösung mit dem Parkhaus auf dem Viehmarktplatz. Wichtig für die Entwicklung der letzten Monate war aber auch die Initiative für ein verkehrsfreies Stedtli. Die einen wollen ein Parkhaus und sind bereit, eine Begegnungszone in Kauf zu nehmen. Die anderen wollen ein verkehrsfreies Stedtli und akzeptieren dafür ein Parkhaus. Deshalb ist es politisch nicht möglich, das eine vom anderen zu trennen. Der Gemeinderat hält darum vorderhand daran fest, dass wir das Parkhaus abwarten, bis wir die Begegnungszone umsetzen.

Werden die Projekte Parkhaus und Begegnungszone entkoppelt?
Solange das Parkhaus noch eine reale Möglichkeit ist, koppeln wir die Begegnungszone nicht ab. Langfristig jedoch wäre eine Entkopplung denkbar; es gäbe auch genug Unterstützung für dieses Anliegen, vor allem von jenen, die eine Verkehrsberuhigung wollen.

Und das liesse sich realisieren?
Baulich braucht es wenig Massnahmen. Die Leute müssen sich daran gewöhnen, dass sie im Stedtli weniger Parkplätze zur Verfügung haben. Heute gibt es 116 Parkplätze im Stedtli. Mit der Begegnungszone wären es noch rund 70. Das sind 46 Plätze weniger – das wäre verkraftbar.

Wie geht Ihre Suche nach einer Lösung nun weiter?
Wir müssen nun abklären: Prüfen wir eine Variante aus dem Wettbewerb, oder nehmen wir einen Anlauf mit neuen Varianten? Heikel wäre es, einfach eines der unterirdischen Projekte aus dem ersten Wettbewerb umzusetzen. Wir müssten das Siegerprojekt entschädigen, wenn wir auf ein neues Projekt umsatteln. Sie können das Parkhaus ja nicht einfach unter den Boden drücken.

Welcher Ausweg schwebt Ihnen persönlich denn vor?
Ich bin von der Idee eines zweiten Wettbewerbes nicht überzeugt. Ich finde es nicht fair gegenüber den Teilnehmern des ersten Wettbewerbs. Wir müssen nun dem Generalrat einen Nachtragskredit für das Studium einer unterirdischen Variante – ob mit oder ohne Wettbewerb – unterbreiten.

Fazit: Der «Prinz von Tarent», das Siegerprojekt des ersten Wettbewerbs, liegt – bildhaft gesprochen – im Sterben.
Der Gemeinderat hatte den Auftrag, das Parkhaus voranzutreiben. Wir haben ein breit abgestütztes und transparentes Verfahren lanciert und ein gutes Projekt vorgelegt. Es kam aber anders, und wir gehen nun einen neuen Auftrag an. Die grundsätzliche Frage eines Parkhauses ist aber nicht gestorben, und der «Prinz von Tarent» steht noch immer als Siegerprojekt zur Diskussion, denn wir werden ja eine Vergleichsvariante ausarbeiten. Aber der «Prinz» sieht heute schon nicht mehr wie ein echter Sieger aus.

Freiburger Nachrichten

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