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Fliegende Fäuste an der Seestrasse

BoxenSie haben mit Erfolg Zeit, Geld und Energie investiert. Das Box-Team Thun Oberland von Christina Nigg und André Schenk hat an der Elite-Schweizer-Meisterschaft Mannschaftsgold und vier Titel im Einzel geholt.

Leichtfüssig bewegen sie sich, schlagen hart Richtung Kopf und Körper. Eine Boxerin und sieben Boxer schwitzen in vier Duellen, ein einzelner bearbeitet einen Sandsack. Und mittendrin die Chefin. Christina Nigg (50) korrigiert: «Steh nicht halb im Spagat, Drin. Füsse näher zusammen, dann ist der Stand stabiler. Hey, Nicole, nimm die Deckung hoch.» Die Angesprochenen tun, wie ihnen geheissen, schliesslich kommen die Tipps von einer Fachfrau: Christina Nigg war 1998 die erste Profiweltmeisterin aus der Schweiz. «Ich bin hier im Gym nicht Frau oder Mutter, ich bin die Trainerin. Die Boxerinnen und Boxer haben sich mir unterzuordnen und sich an die Regeln zu halten», erklärt Nigg. Das regionale und kantonale Leistungszentrum für olympisches Boxen sorgte jüngst weit über Thun hinaus für Schlagzeilen. Im Ende Januar dieses Jahres eröffneten Box Gym in der Nähe des Bahnhofes bieten Nigg und der ehemalige Nationaltrainer André Schenk individuell abgestimmte Trainings an. Mit Erfolg: Anfang November feierten die Oberländer Faustkämpferinnen und -kämpfer den Gewinn des nationalen Mannschaftstitels und von vier Elite-Einzeltiteln. Für ihren Traum hat Christina Nigg das Sparbuch geplündert. Sie ist vom Erfolg des Projektes in Thun überzeugt und hofft, dereinst den Status eines nationalen Leistungszentrums zu erhalten. «Wäre ich das nicht, hätte ich gar nicht erst angefangen», sagt die Boxpionierin. Von Spinnern mit dem Virus «Boxen ist Leben, Leben ist Boxen» lautet einer der Leitsätze, die Christina Nigg und André Schenk gerne zitieren. «Boxer sind vom Boxvirus angesteckt und sind – im positiven Sinn – Spinner. Boxer bist zu während 24 Stunden am Tag», sagt Schenk. Dieser Sport vermittle eine Lebenseinstellung und sei eine Lebensschule. «Wenn du im Ring stehst, hilft dir keiner. Du musst einstecken und austeilen. Und wenn du am Boden liegst, musst du selber wieder aufstehen.» Nigg, die die Ausbildung zur Sportmanagerin absolviert hat, will neben der Persönlichkeitsbildung auch Voraussetzungen für die soziale Integration schaffen. «Und das gelingt. Die Dankbarkeit der Sportlerinnen und Sportler ist unbezahlbar», sagt die Thunerin. Und weiter: «Die Leistung von Amateurboxern ist immer abhängig vom Dreieck Beruf, soziales Umfeld, Talent und Training.» Das Duo Nigg/Schenk versucht die Seiten dieses Dreiecks positiv zu beeinflussen. Mischa Nigg ist vom Boxvirus, der das Leben seiner Mutter bestimmt, angesteckt worden. «Beim Boxen kann ich den Kopf lüften, spüre den Körper», sagt er, der vor der Aufnahme an die Fachhochschule für angewandte Psychologie steht. Boxen sei zum grossen Teil Kopfsache, eine Art Schachspiel, und jede Niederlage auch eine Chance. «Ich lerne, mit der Enttäuschung umzugehen und das Positive zu sehen», sagt der 24-Jährige. Er wolle viele Kämpfe machen und Erfahrungen sammeln. «Klar, das Fernziel jedes Amateurboxers ist eine Olympiateilnahme. Da bin ich keine Ausnahme.» Dass die Qualifikation für Rio 2016 eine schwierige Aufgabe sei, verschweigt Mischa Nigg aber nicht. «Da muss man realistisch bleiben. Als Schweizer Boxer hängt die Traube Olympia sehr hoch.» Das Box-Team Thun Oberland befindet sich aber auf dem Höhenflug. Ob dieser gar bis nach Rio führt? Peter Gerber>

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