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Filmprüfung: Sind wir im falschen Film?

Unterschiedliche Alterslimiten für dieselben Kinofilme? Kommt immer wieder vor. Eine nationale Filmprüfungskommission könnte Abhilfe schaffen. Solothurn wäre dafür. Die eigene Kommission tagt seit Jahren nicht mehr.

Ein schwieriger Fall: Den letzten James Bond (Daniel Craig) durfte man in Solothurn ab 10 Jahren sehen, in St. Gallen erst ab 14.
Ein schwieriger Fall: Den letzten James Bond (Daniel Craig) durfte man in Solothurn ab 10 Jahren sehen, in St. Gallen erst ab 14.
zvg

Es ist absurd: Der Kanton Solothurn – genauer: der Regierungsrat – wählt alle vier Jahre eine Filmprüfungskommission; gerade erst hat er es wieder für vier Jahre getan. Die Aufgabe der Kommission ist unter anderem, Kinofilme zu visionieren und eine Altersgrenze festzulegen.Getagt hat die Solothurner Filmprüfungskommission letztmals aber vor Jahren. «Das muss in den 1990er-Jahren gewesen sein», versucht sich Rudolf Tschachtli zu erinnern. Und der Leiter des Amts für öffentliche Sicherheit, der automatisch Präsident der Kommission ist, ergänzt: Es werden auch künftig keine Sitzungen stattfinden.Eine überflüssige Kommission also, ein Überbleibsel höchst föderalistischster Güte?Für den Fall, dass…Nicht ganz, meint Tschachtli. Die Kommission habe lange Zeit Sinn gemacht und auch getagt – sprich: Filme visioniert und Altersgrenzen festgelegt. Irgendwann habe man aber begonnen, Entscheide anderer Kantone zu übernehmen, vorwiegend jene aus Bern und dem Aargau. «Dort sind die Filmprüfer Profis», sagt Rudolf Tschachtli. Diese Praxis habe sich bestens bewährt. Aber: Sollte ein lokaler Kinobetreiber – aus welchen Gründen auch immer – einen Entscheid der Solothurner Kommission verlangen, dann müssten Tschachtli und die anderen vier Kommissionmitglieder ins Kino und den Film visionieren. Allein für diesen Fall, egal wie unwahrscheinlich er auch ist, brauche es die Kommission.Derweil läuft auf nationaler Ebene eine ganz andere Diskussion. Die nämlich, eine eidgenössische Filmprüfungskommission ins Leben zu rufen. Nicht etwa, um Sonderfälle wie jenen in Solothurn abzuschaffen, sondern aus anderen Gründen: Eben weil es keinen einheitlichen Ansatz zur Festsetzung der Altersgrenze für Kinofilme gibt, kommt es regelmässig zu Absurditäten. So durften den letzten Bond-Film im aargauischen Brugg und in Olten bereits 10-Jährige sehen, in St.Gallen dagegen musste man 14 sein. In Zürich wollten die kantonalen Filmprüfer 007 sogar erst ab 16 freigeben. Der Verleiher rekurrierte – man einigte sich auf Schutzalter 14.Überall ein wenig andersNoch kontroverser wurde die Diskussion Anfang letztes Jahr geführt, als «Kleinohrhasen» mit Til Schweiger in die Kinos kam. Im Film wimmelt es von Ausdrücken wie «Fick mich» odere «Pimmel», zudem gibt es Szenen mit angedeutetem Oralverkehr. Im Zürcher Kino Arena wurde der Film ab 6 Jahren freigegeben, anderswo ab 11 oder 12. Dieser Wildwuchs rief Verfechter einer verbindlichen Altersgrenze auf den Plan. Etwa Roger Schneeberger, den Generalsekretär der kantonalen Jusitz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD). Seit zwei Jahren versuchen er und die KKJPD, die Kantone von einer einheitlichen Lösung zu überzeugen. Zuletzt wurde eine Vernehmlassung durchgeführt. Diese ging Ende letzter Woche zu Ende. Resultat: Genf, Waadt, Neuenburg und Graubünden wehren sich gegen das Vorhaben. Die Waadt etwa habe erst gerade den Jugendschutz verschärft und die Bestimmungen auf DVDs und Videos ausgedehnt, sagt Roger Schneeberger.Nationale DiskussionDie Festsetzung einer Altersgrenze für DVDs und Videos geht wiederum der KKJPD zu weit. «Das wäre für eine Filmprüfungskommission nicht bewältigbar», sagt Schneeberger. Zudem habe die Branche kein Interesse, die Altersgrenze für gewisse Filme zu tief anzusetzen, weil sie so für einen Teil des Publikums uninteressant werden.Es ist höchste ZeitFür Kinofilme wolle man aber eine eidgenössische Kommission bilden, sagt Schneeberger. An der Herbstversammlung im November will die KKJPD deshalb zu einem Entscheid kommen, die nunmehr zwei Jahre dauernde Diskussion endlich abschliessen – und den Weg zu einer eidgenössischen Filmkommission ebnen.Ein Schritt, den auch Pro Cinema, der Verband für Kino und Filmverleih, begrüssen würde. «Es kann nicht sein, dass ein Tourismus in andere Kantone stattfindet, nur weil dort die Altersbegrenzung tiefer ist», sagte Geschäftsleiter René Gerber jüngst gegenüber der Zeitung «Sonntag». Es wäre höchste Zeit, finden auch Bundespolitiker: In Vorstössen werden eine zentrale Zertifizierungsstelle für Kinofilme verlangt oder gar ein einheitliches Kontrollsystem auch für DVDs, TV-Filme, Handyvideos und andere Medien.Alten Zopf abschneiden?Noch einmal zurück nach Solothurn. Warum schafft man den alten Zopf einer Filmprüfungskommission, die nie tagt, nicht einfach ab? Das sei nur noch eine Frage der Zeit, glaubt Rudolf Tschachtli. «Mich muss man nicht überzeugen, dass für den gleichen Film überall das gleiche Schutzalter gelten muss», sagt er. Tschachtli ist auch deshalb guter Hoffnung, dass sich auch die welschen Kantone noch dieses Jahr von einer eidgenössischen Filmprüfungskommission überzeugen lassen.

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