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Ex-Chef ist schuld am Konkurs

Der Ex-Geschäftsführer des Verbands bernischer Waldbesitzer ist der Misswirtschaft schuldig gesprochen worden. Schwer wiegen neben dem Urteil die Verfahrenskosten von rund 100000 Franken, die der Mann zahlen muss.

Der Ex-Geschäftsführer des Verbands Bernischer Waldbesitzer (VBW) hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Verband Ende 2005 in Konkurs ging. Das Einzelgericht Bern-Laupen hat ihn gestern der grobfahrlässigen Misswirtschaft schuldig gesprochen. Das Urteil von Richterin Salome Krieger folgte in den wesentlichen Zügen dem Antrag von Staatsanwalt Beat Schnell. Der Angeschuldigte wurde zu einer Geldstrafe von 135 Tagessätzen à 50 Franken verurteilt, das sind 6750 Franken. Die Strafe ist bedingt auf zwei Jahre. Ursprünglich ebenfalls angeschuldigt war Hermann Weyeneth, ehemaliger VBW-Präsident. Das Verfahren gegen ihn wurde jedoch 2007 eingestellt. Hohe Verfahrenskosten Schwerer als die Strafe für das laut Richterin Krieger «leichte bis mittelschwere Verschulden» wiegen die Verfahrenskosten, die der Angeschuldigte übernehmen muss. Zusammen mit den Kosten für den Pflichtverteidiger und den Parteikosten der Privatklägerschaft ergibt sich eine geschuldete Summe von rund 100000 Franken. Der Mann ist im vorzeitigen Ruhestand, nachdem er im November 2005 per sofort vom VBW entlassen wurde. Sein Einkommen beträgt nach eigenen Angaben 4000 bis 4500 Franken pro Monat, inklusive des Beitrags der Ehefrau. Mit Sturmholz begonnen Die Vorgeschichte des Prozesses begann im Jahr 2000, nach dem Sturm «Lothar». Der Verband Bernischer Waldbesitzer (VBW) intensivierte in diesem Jahr seine Geschäfte mit Sturmholz erheblich. Der VBW fungierte eigentlich lediglich als Vermittler zwischen Produzenten und Kunden. Wie der Bericht des Untersuchungsrichters zeigt, hatte der Geschäftsführer in den Jahren 2000 bis 2003 jedoch die Praxis eingeführt, den Produzenten das gelieferte Holz zu bezahlen, bevor die Kundenrechnung beglichen war. Das Geld für diese Überbrückung war für den Selbsthilfefonds der Schweizerischen Holzwirtschaft (SHF) bestimmt. Der bernische Verband war für dessen Inkasso zuständig. Im November 2005 musste der VBW schliesslich seine Bilanz deponieren. Angehäuft hatte sich ein Schuldenberg von rund 1,2 Millionen Franken, der Verband war nicht mehr zahlungsfähig. Das Loch in der Kasse entstand, weil eine italienische Holzabnahmefirma ihre ausstehenden Schulden nicht beglich. Sorgfaltspflicht verletzt In der Begründung des Urteils betonte Richterin Krieger – wie auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer –, dass der Angeschuldigte kein Krimineller sei. Trotzdem habe er als Geschäftsführer diverse Sorgfaltspflichten verletzt. Am schwersten wiegt, dass der Geschäftsführer unterlassen hat, bei der italienischen Firma die Bonität zu prüfen. Er wusste, dass sich die Italiener nicht durch eine solide Zahlungsmoral auszeichneten. Ebenso schwer wiegt die Tatsache, dass der VBW ab dem Jahr 2000 das Risiko der Debitorenverluste auf sich genommen hat. Dieser Umstand widerspricht den Regeln des VBW. Der Angeschuldigte konnte dem Gericht nicht glaubhaft machen, dass er davon nichts gewusst hat: «Der Angeschuldigte war ‹Tätschmeister› des Verbands und wusste Bescheid über die Buchführung», sagte Einzelrichterin Krieger. Weitere Sorgfaltspflichten, die der Geschäftsführer als etablierter Profi verletzte, sind die Buchführung und die fehlende Prüfung der Liquidität. Zivilklage teils abgewiesen Der SHF trat im Prozess als Privatkläger auf und forderte rund 800000 Franken sowie die Übernahme der Verfahrenskosten. Seine Klage wurde nur für den Zeitraum vom Jahr 2000 bis 2003 gutgeheissen. Der SHF kann nun seine Forderungen vor dem Zivilgericht geltend machen. Anna Tschannen>

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