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Er vergriff sich an Schulkind

AarwangenImmer wieder hat er sich an der Tochter

Schüchtern steuert die 16-Jährige auf ihren Platz im Gerichtssaal zu. Zwischen Juristen und Zuschauern hindurch – und an jenem Mann vorbei, der ihr Schlimmes angetan hat. Es ist der Ex-Freund ihrer Mutter, ein 47-jähriger Italiener, der seit Jahren im Oberaargau wohnhaft ist. Sexuelle Nötigung und sexuelle Handlungen mit einem Kind werden ihm vorgeworfen, passiert in den Jahren 2004 bis 2008, immer in der Wohnung der Mutter seines jungen Opfers. «Ich fühlte mich unwohl» Etwa zwanzigmal sei sie intim angefasst worden, gab die Neuntklässlerin gestern vor dem Einzelgericht im Schloss Aarwangen zu Protokoll. Mit leiser, fast unhörbarer Stimme sprach sie die ersten Worte. Doch dann wurde ihre Stimme kräftiger und selbstbewusster. Von Anfang an habe sie den Freund ihrer Mutter nicht gemocht, erzählte die 16-Jährige. «Er war mir unsympathisch, ich fühlte mich nicht wohl in seiner Gegenwart.» Diese Abneigung blieb dem Mann nicht verborgen. «Aggressiv und ablehnend» sei das Mädchen ihm gegenüber aufgetreten. Das Verhältnis habe er deshalb «ein bisschen verbessern wollen», wie er gestern vor Gericht sagte. So habe er sie «manchmal ein bisschen gekitzelt» oder mit ihr Scherze gemacht. «Aber ich blieb immer freundlich und respektvoll.» Das Mädchen erlebte diese Situationen ganz anders. Ihr Peiniger habe immer dann zugegriffen, wenn ihre Mutter nicht im Zimmer gewesen sei. «Er kitzelte nicht nur, sondern berührte mich gezielt – an den Brüsten, am Po und zwischen den Beinen.» Der schlimmste Vorfall geschah im Zeitraum 2005–2006, als der heute 47-Jährige in der Wohnung von Mutter und Tochter übernachtete. Frühmorgens musste die allein erziehende Mutter als Putzfrau arbeiten gehen, ihr Freund und ihre Tochter blieben alleine zurück. Nackt sei er auf einmal in ihrem Zimmer gestanden, erinnert sich die Schülerin. Er habe sie gepackt, ins Schlafzimmer der Mutter gezogen und aufs Bett geworfen. «Dort fasste er mir an die Brüste und zwischen die Beine. Ich habe mich heftig gewehrt und es irgendwann geschafft, mich aus seinem Griff zu lösen», erzählt sie. «Nach diesem Schock habe ich mich im Zimmer eingeschlossen und geweint.» Mit dieser Attacke war der Horror noch nicht ausgestanden. Der Italiener vergriff sich immer wieder an der Schülerin und gab ihr, als sie 13 Jahre alt war, gegen ihren Willen einen Zungenkuss. Strafe: 16 Monate bedingt Für diese Sexualdelikte gebe es zwar keine Zeugen, aber die Aussagen des Opfers würden glaubhaft klingen, sagte Gerichtspräsident Fritz Aebi gestern bei der Urteilseröffnung. «Sie erzählt die Ereignisse, wie sie sind, ohne zu dramatisieren.» Den Beschuldigten verurteilte er im Anschluss zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren. Zudem muss er die Verfahrenskosten in Höhe von 4400 Franken und dem Opfer eine Genugtuung von 4000 Franken bezahlen. Die Mutter geschwängert Ob er das Urteil akzeptiert, konnte der Mann gestern noch nicht sagen. Klar ist: Mit der Familie wird er noch lange in Kontakt bleiben. Im Herbst 2007, kurz bevor die Beziehung mit der Mutter in die Brüche ging, schwängerte er diese noch. Das Baby, ein Mädchen, kam im Mai 2008 zur Welt. Mit seiner grossen Schwester wird es nicht aufwachsen können. Die 16-Jährige wohnt mittlerweile in einer therapeutischen Lebensgemeinschaft in der Region. Trotz den Erlebnissen haben sich ihre schulischen Leistungen in den letzten Jahren verbessert. Diesen Sommer, nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit, wird sie ein 10.Schuljahr in Angriff nehmen können. Stefan Schneider >

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