Wo Bauarbeiter zuWasserbändigern werden

Rüegsauschachen

Die Bauarbeiten auf der Gerbematte in Rüegsauschachen haben begonnen. Das wohl grösste Bauprojekt der Gemeinde hat erst mal mit viel Wasser zu kämpfen. Die Siedlung mit Wohnungen, Ladenfläche und einer Kita soll Anfang 2018 bezugsbereit sein.

Der Aushub ist durch. Jetzt gehts auf der Gerbematte im Rüegsauschachen darum, den Grundwasserspiegel um 1,5 Meter abzusenken.

Der Aushub ist durch. Jetzt gehts auf der Gerbematte im Rüegsauschachen darum, den Grundwasserspiegel um 1,5 Meter abzusenken.

(Bild: Thomas Peter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Das wars mit der grünen Wiese. Die Gerbematte im Rüegsauschacher Dorfzentrum gleicht einer Mondlandschaft. Grosse Maschinen haben sich unerbittlich in die Matte gegraben und keinen Grashalm auf dem anderen belassen. Löcher und Erdhaufen so weit das Auge reicht. Bauleiter Paul Aeschlimann fasst es so zusammen: «Der Aushub ist fertig.»Die Gerbematte ist das letzte «Filetstück» der Gemeinde ­Rüegsau: Die Wiese zwischen ­Altersheim und Alpenstrasse musste lange auf ihre endgültige Bestimmung warten. Ein grösseres Bauprojekt der Genossenschaft Wohnen im Alter (Wima) ging 2011 aus finanziellen Gründen bachab.

Dann kam Swiss­lube-Chef Peter Blaser und sagte, dass er in die Gerbematte investieren wolle, um die Projekt-Idee zu retten. Das war 2012. Später verzögerten Einsprachen wiederum Blasers Projekt. Was lange währt, wird endlich gut: Seit zwei Wochen setzen Bagger, Kräne und Lastwagen das um, was sich Bauherr Blaser mit seinem Architekten Jürg Vogel ausgedacht hat. Es ist nichts Geringeres als das «wohl grösste Bauprojekt der Gemeinde aller Zeiten», wie dies der Bauherr einst formulierte.

Und wie viel kostet das grösste Projekt? «30 Millionen Franken», sagt Blaser. «Mindestens.» Für diese Summe ist aber auch einiges geplant: ein T-förmiges, dreistöckiges Mehrfamilienhaus sowie zwei kleinere, parallel zur Alpenstrasse stehende zweigeschossige Gebäude. Insgesamt sollen es 62 alters- und familiengerechte Wohnungen und Ladengeschäfte geben.

Keine Eigentumswohnungen

«Für Jung und Alt» will Peter Blaser seine künftige Siedlung charakterisiert wissen. Jung und Alt, das bedeutet sowohl Häuser für Familien in verschiedenen Grössen als eben auch alters- und behindertengerechte Wohnräume. Der Neubau ist so geplant, dass er mittels Tiefgarage mit dem ­Altersheim verbunden sein wird, damit künftige Bewohner auch die Dienste des Heims beanspruchen können. Weiter sind Räume für eine Arzt- oder Zahnarztpraxis vorgesehen. Und zuletzt soll es in der Gerbematte die erste und einzige Kindertagesstätte im mittleren Emmental geben. Wie Peter Blaser sagt, läuft derzeit die Suche nach möglichen Trägerschaften. Angedacht ist eine öffentliche, also vom Bund subventionierte, 2-Gruppen-Kita.

Nur fürs eigene Portemonnaie hat Peter Blaser seine Gerbe­matte nicht geplant. Denn die 62 Wohneinheiten sollen nur zur Miete angeboten werden. Eigentumswohnungen mit hoher Rendite sind kein Thema. Und wie sieht es mit den Mietpreisen aus? «Erschwinglich für jedermann», so der Bauherr.

200 000 Badewannen pro Tag

Von all dem ist auf der Gerbematte heute noch nichts zu sehen. Nach dem Aushub sind die Bauarbeiten erst gerade in die sogenannte zweite Phase übergegangen. Und die ist vor allem feucht. Denn alle Bauprojekte in Rüegsauschachen sehen sich mit dem gleichen Problem konfrontiert: dem Wasser. Auch die Untergeschosse der Überbauung Gerbematte werden dereinst 1,5 Meter unter dem Grundwasserspiegel liegen

Das bedeutet, dass während der Bauarbeiten an den Kellern ständig Wasser abgepumpt werden muss. In Zahlen: 20 000 Liter pro Minute. Das sind mehr als 200 000 volle Badewannen pro Tag. Und abgepumpt wird so lange, bis die Keller solide im Boden verankert sind. Wie Bauleiter Paul Aeschlimann sagt, dauert das etwa ein Jahr. Derzeit lassen mehrere Bohrwagen sieben sogenannte Filterbrunnen in die Erde hinab. Von dort aus wird das Wasser dann mittels Pumpen und einer Leitung in ein Absetz­becken befördert, wo es gereinigt und dann in den nahe gelegenen Gerbebach geleitet wird.

Richtig Form nimmt die Gerbematte-Überbauung also frühestens im nächsten Jahr an. Dann geht es aber schnell: Geplant ist, dass die ersten Wohnungen im Herbst 2017 bezugsbereit sind. Und doch: Bis dahin fliesst noch viel Wasser die Emme, also den Gerbebach hinunter.

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