Lyssach

«Wir versuchen, den Lebenszyklus von Maschinen zu verlängern»

LyssachDie Troostwijk AG versteigert weltweit Industriegüter und hat ihren Schweizer Sitz seit Jahren in der Region. Kürzlich war die Firma zuständig für den Verkauf des Mobiliars des Kongresshauses Zürich.

Oliver Zwahlen ist überzeugt vom Onlineauktionsgeschäft. «Einen Gebrauchtwarenmarkt hat es schon immer gegeben und wird es wohl auch immer geben», sagt der operative Leiter der Firma Troostwijk.

Oliver Zwahlen ist überzeugt vom Onlineauktionsgeschäft. «Einen Gebrauchtwarenmarkt hat es schon immer gegeben und wird es wohl auch immer geben», sagt der operative Leiter der Firma Troostwijk. Bild: Marcel Bieri

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Das Kongresshaus und die Tonhalle Zürich gehören zu den wichtigsten Veranstaltungsorten der Schweiz mit weltweiter Ausstrahlung. Derzeit werden die Traditionshäuser an bester Lage am Zürichsee umfassend saniert. Zuvor wurde aber ein Teil des Betriebsmaterials und des Mobiliars versteigert. Dafür zuständig war eine Firma, die ihren Schweizer Sitz im unteren Emmental hat: die Troostwijk AG in Lyssach. Sie hat sich auf Onlineauktionen spezialisiert.

Wie der Name vermuten lässt, hat Troostwijk die Wurzeln in Holland, wo das Unternehmen 1930 gegründet wurde. Noch heute befindet sich der Hauptsitz in Amsterdam. Mittlerweile hat die Firma in 16 europäischen Ländern Niederlassungen, auch in der Schweiz (siehe Kasten). Im Blickle-Gebäude an der Kernenriedstrasse 1 in Lyssach führt der operative Leiter Oliver Zwahlen ein Team mit fünf Festangestellten und drei freien Mitarbeitern. Der 31-Jährige arbeitet – abgesehen von einem zweijährigen Unterbruch – seit 2009 für das Onlineauktionshaus.

«Alles hat einen Wert»

Troostwijk versteigert – im Gegensatz zu den bekannten Plattformen wie Ebay oder Ricardo – keine alltäglichen Dinge, sondern Industrie- und Wirtschaftsgüter. Auf die Frage, wie das funktioniert, kommt Zwahlen zuerst auf die Firmenphilosophie zu sprechen: «Wir sind überzeugt, dass alles einen Wert hat. Die Herausforderung ist es, diesen Wert zu finden.» Die lange Erfahrung und das grosse Wissen innerhalb des Unternehmens bei der Bewertung von Industriegütern sei dabei hilfreich. «Wir versuchen, den Lebenszyklus von Maschinen zu verlängern, indem wir ihnen einen weiteren Nutzen geben», erklärt Zwahlen.

Wenn in der Schweiz eine Anlage aussortiert werde, könne sie anderswo möglicherweise noch eingesetzt werden. «Hierzulande werden Maschinen sehr gut gewartet, was sie bei potenziellen Käufern im Ausland beliebt macht.» Er habe schon oft den Satz gehört: «Diese Anlage können wir gleich verschrotten.» Er entgegne dann: Auch diese Maschine habe noch einen Wert. «Wir haben schon Anlagen verkauft, bei denen niemand mehr daran geglaubt hat», so Zwahlen.

Das Inkasso prüfen

Troostwijk übernimmt für den Verkäufer den gesamten Verkaufsprozess. «Unser Projektleiter schaut, dass die Anlagen komplett sind, und erstellt dann einen Katalog von den Gütern.» Sie müssen zudem möglichst gut fotografiert werden, damit der Produktekatalog online gestellt werden kann. Dann startet die Auktion. «Meistens läuft sie etwa sechs Wochen», sagt Zwahlen. Interessenten haben die Möglichkeit, die Anlagen vor Ort zu besichtigen. «Das ist wichtig. Wenn ein möglicher Käufer sicher sein will, dass eine Maschine für ihn passt, ist es besser, wenn er sie zuerst begutachtet.»

Schliesslich endet die Auktion, und die Meistbietenden werden benachrichtigt. «Wir vereinbaren dann einen Zeitraum, bis wann die Maschine abgeholt werden muss. Natürlich wird vor dem Abtransport das Inkasso ­geprüft.» Troostwijk unterstütze die Käufer auch in administra­tiven Belangen, zum Beispiel, wenn sie Exportpapiere oder ­Deklarationen benötigten. Am Schluss erhält der Verkäufer eine Abrechnung, und Troostwijk zieht ihren Anteil am Geschäft ab. «Es ist eine Stärke von uns, dass wir ­Maschinenparks innerhalb von sechs bis acht Wochen verkaufen können», sagt der operative ­Leiter.

Eine der Maschinen, die nach dem Konkurs einer Metallbaufirma in Kirchberg noch bis Anfang September von Troostwijk zum Verkauf angeboten werden. Bild: zvg

Versteigerung in Kirchberg

Versteigerungen haben laut Zwahlen den Vorteil, dass es mehr Interessenten gibt. «Und je mehr davon, desto näher kommen wir einem maximal möglichen Marktpreis.» Er erklärt: «Gibt es nur einen Kaufinteressenten, bestimmt dieser mehr oder weniger den Preis. Doch bei mehreren Bietern erreicht man einen Betrag, der letztlich auch den Markt widerspiegelt.»

Troostwijk sei in verschiedenen Märkten aktiv: «Einerseits verkaufen wir technisch hochstehende Anlagen, die eher in Industrieländern abgesetzt werden. Andererseits auktionieren wir auch ältere Maschinen, die in der Schweiz nicht mehr gefragt sind, aber andere Märkte im Osten oder in Afrika ansprechen.» Genau diese Vielfalt sei für das Unternehmen interessant, erklärt der operative Leiter.

Derzeit versteigert Troostwijk gerade den Maschinenpark ei­nes Kirchberger Metallbau­unternehmens, das im Frühling in Konkurs gegangen ist. Das Firmen­inventar wurde von ei­nem Investor gekauft. Nun wird es über das ­Onlineauktionshaus weiterverkauft. Dass Troostwijk Maschinen aus dem Emmental versteigere, komme nur selten vor, sagt Zwahlen.

Zehntausende Artikel

Der Auftrag des Kongresshauses Zürich war eine echte Heraus­forderung, wie Zwahlen rückblickend sagt. Es gab mehrere Zehntausend Artikel, die gruppiert ­angeboten wurden. Und die Versteigerung musste während des laufenden Betriebs organisiert werden. Zudem habe es verhältnismässig viele Käufer gegeben. «Wir mussten dann gewährleisten, dass sie ihre ersteigerte Ware reibungslos abholen konnten. Dafür braucht es ein gutes ­System.»

Branche hat Potenzial

Die Versteigerung des Mobiliars von Kongresshaus und Tonhalle erregte medial einige Aufmerksamkeit. Darüber hat sich Zwahlen gefreut, der sich dadurch Folgeaufträge bei ähnlichen Projekten erhofft. Er ist überzeugt, dass die Branche der Onlineauktionen Potenzial hat. «Ganz einfach deshalb, weil es einen Gebrauchtwarenmarkt schon immer gegeben hat und wohl auch immer geben wird», sagt der 31-Jährige. «Für eine Firma, die eine Maschine kaufen will, ist es durchaus interessant, etwas zu ersteigern, das genau das erfüllt, was sie sucht, auch wenn es nicht neu ist.» Durch Troostwijk finde der Verkäufer zudem den Käufer mit der höchsten Kaufbereitschaft. Und nichts anderes als das ist letztlich die Idee einer Versteigerung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 07:08 Uhr

In Hettiswil begonnen

Aufgebaut wurde die Schweizer Niederlassung des Auktionshauses Troostwijk 2001 von Markus Wynistorf in Hettiswil (Gemeinde Krauchthal). Während vieler Jahre befand sich das Büro der Firma bei ihm zu Hause. Wynistorf, der mittlerweile zu einer Schwesterfirma von Troostwijk gewechselt ist, war es auch, der Oliver Zwahlen ins Unternehmen holte. Seit einem Jahr ist Zwahlen operativer Leiter, seit Anfang 2017 befindet sich das Büro im Gewerbepark Paradies an der Shoppingmeile.
Troostwijk ist laut eigenen Angaben europäischer Marktführer im Bereich Industrie­versteigerungen. Über die Jahre hat sich die Firma von einem traditionellen Auktionsunternehmen zu einem Onlineauktionshaus entwickelt. tg

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