Wer dringend muss, hat ein Problem

Ramsei

Bis 150'000 Franken würde der Bau einer Toilettenanlage beim Bahnhof kosten. Doch weder die BLS noch die Gemeinde Lützelflüh wollen die Kosten übernehmen.

Vergessen wurde die WC-Anlage im neuen Bahnhof nicht, es wurde bewusst darauf verzichtet.

Vergessen wurde die WC-Anlage im neuen Bahnhof nicht, es wurde bewusst darauf verzichtet.

(Bild: Thomas Peter)

Der 33 Millionen Franken teure Umbau des Bahnhofs Ramsei ist im Endspurt. Die Liegenschaft auf dem Areal ist längst abgerissen und mit ihr auch der Schalter, der Warteraum und die Toilettenanlage.

Während die Fahrkarten an einem Automaten gelöst und die Wartezeiten in einem ­unbeheizten Häuschen auf dem Perron abgesessen werden können, gibt es indessen für das stille Örtchen keinen Ersatz. Die Folge: Hinterlassenschaften der unappetitlichen Art. Gemeint sind ­damit für einmal nicht weggeworfene Zigarettenstummel, gebrauchte Papiertaschentücher und leere Red-Bull- und Bierbüchsen.

«Selbstverständlich gehören WC zum Service im Zug.»Matthias Abplanalp, Mediensprecher BLS

Doch die Notdurft der Leute ist für die BLS kein Thema: «Bei unserem Kundendienst sind keine entsprechenden Rückmeldungen eingegangen. Auch das zuständige Serviceteam bestätigt dies nicht», sagt BLS-Mediensprecher Matthias Abplanalp und fügt hinzu, dass die BLS entlang ihrer gesamten Bahninfrastruktur Serviceteams stationiert habe, die die Bahnhöfe reinigen. In Ramsei sei dies täglich der Fall.

Was ist im Fahrpreis dabei?

So oder so: Werktags steigen in Ramsei ungefähr 1500 Personen ein und aus. Dem einen oder anderen Reisenden würde ein WC bestimmt Erleichterung bringen. Zumal er mit dem klofreien Bus weiterfährt, aufs Velo umsteigt oder, was ab und an auch passieren kann, die Toilette im Zug nicht benutzen konnte, weil diese defekt war. Hier drängt sich die Frage auf: Ist der Gang zur Toilette eigentlich im Billett-Kaufpreis inbegriffen? «Selbstverständlich gehören WC zum Service im Zug.»

Die BLS biete ihren Fahrgästen in allen Zügen Toiletten an, so Abplanalp. Auf den Linien S4 und S44 verfügen die Kompositionen in der Regel über zwei. Diese werden mindestens einmal pro Tag gereinigt. Auch gehöre es zu den Aufgaben des Unternehmens, bei den Bahnhöfen den Fahrgästen den Zugang zur Bahn zu sichern.

Das beinhalte die Einrichtungen wie Treppen, Lifte oder Perrons. Und dann bringt es Abplanalp auf den Punkt: «WC-Anlagen gehören nicht zu diesen Einrichtungen und werden entsprechend auch nicht über die Bundesgelder finanziert, die wir zum Bau der Bahninfrastruktur erhalten.»

Gespräche fanden statt

Der Mediensprecher betont, dass WC-Anlagen an Bahnhöfen Sache der jeweiligen Standortgemeinde seien. Modernisiere die BLS eine Station, nehme sie deshalb immer das Gespräch mit der Gemeinde auf und biete bei Bedarf Hand für den Bau einer WC-Anlage, indem sie beispielsweise Land zur Verfügung stelle.

Auch betreffend Bahnhof Ramsei fanden Gespräche statt. Die Räte von Lützelflüh haben sich im Mai 2016 gegen eine WC-Anlage entschieden. «Es liegt nicht in der Verantwortung der Gemeinde, am Bahnhof eine Toilette zu bauen und zu unterhalten», sagt Gemeindeverwalter Ruedi Berger.

Beim Bahnhof wird ein WC ein Wunschdenken der Pendler und Ausflügler bleiben, zumal weder Bahn noch Kommune für die Baukosten von 120'000 bis 150'000 Franken aufkommen wollen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt