Wackere Frauen gegen die Gleichgültigkeit

Burgdorf

Zum 26. Mal vergab die Stadt Burgdorf den Altstadtpreis mit dem gravierten Pflasterstein und 7000 Franken in bar: Die Macherinnen des Claro-Weltladen wurden geehrt.

Im Stein verewigt: Gründungsmitglied Menga Conti, Urs Niklaus (Präsident Claro-Verein), Madeleine Buser und Dora Abegglen (beide aktuelle Geschäftsführerinnen) und Gründungsmitglied Brigitte Tschannen (v. l.).

Im Stein verewigt: Gründungsmitglied Menga Conti, Urs Niklaus (Präsident Claro-Verein), Madeleine Buser und Dora Abegglen (beide aktuelle Geschäftsführerinnen) und Gründungsmitglied Brigitte Tschannen (v. l.).

(Bild: Daniel Fuchs)

Viel Volk zieht über die Staldenbrücke Richtung Oberstadt – es ist Nachtmarkt und angenehmes Sommerwetter. Ein mit Leuten beladenes Pferdefuhrwerk rasselt über das Kopfsteinpflaster, Kirchenglocken läuten zum Konzertbeginn, die Stadt zeigt sich auch nach der Solätte traditionsverbunden.

Recht viele Interessierte zweigen beim Theater Z ab, um die Verleihung des Altstadtpreises in Form eines gravierten Pflastersteins samt Laudatio zum Preisträger und einem Apéro für alle zu geniessen. Noch ist der Preisträger – pardon, es sind Preisträgerinnen – geheim, doch wird der Schleier gleich von Johannes Hofstetter, Präsident Altstadtleist Burgdorf, gelüftet.

Mit einem Gedicht gegen Gleichmacher und Ja-Sager vom deutschen Theologen Lothar Zenetti, das Konstantin Wecker vertont hat, unterstreicht Johannes Hofstetter die bemerkenswerte Beharrlichkeit und das enorme Engagement der «wackeren Claro-Frauen».

Vor 40 Jahren mit fair gehandelten Bananen aus Nicaragua im Leiterwägeli von der Bevölkerung belächelt und verspottet, werden heute im Claro-Fair-Trade-Weltladen an der Metzgergasse rund 2000 Food- und Non-Food-Produkte verkauft. Lebensmittel, Kleider, Schmuck und Geschenkartikel werden in hellen Gestellen präsentiert.

Die Geschäftsführerinnen Madeleine Buser und Dora Abegglen arbeiten mit zwei Dutzend ebenfalls ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und kennen Werdegang und Produktion aller Waren.

Der Nachweis zu Ursprung, Herstellung und fairem Handel, der Bauern, Handwerkern und Künstlern ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen soll, ist fester Bestandteil der Claro-Philosophie. Schweizweit gibt es noch 120 Claro-Läden (früher 160).

«Die Beharrlichkeit und der grosse Einsatz der Burgdorfer Frauen seit 40 Jahren auf dem Weg zu etwas mehr Gerechtigkeit zeichnen wir heute mit dem Altstadtpreis aus», sagt Hofstetter. Wie Madeleine Buser ihn informiert habe, sei trotz Trend zu Nachhaltigkeit und Bio der Einkauf im Claro-Laden nicht die Norm.

Deshalb bleibe auch der «grüne Zweig» für den Geschäftsgang ihres Geschäftes und damit die effektivere Unterstützung der Produzenten in der Dritten Welt Wunschdenken.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Natürlich spüren die fachkundigen Beraterinnen im grosszügig eingerichteten Geschäft die Konkurrenz durch Onlinehandel und Bioprodukte beim Grossverteiler. Doch als grössten Minuspunkt gibt Dora Abegglen die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber anderen an. Dagegen sei kaum anzukommen.

Ein Zeichen dagegen setzt Burgdorf mit dem Altstadtpreis von 7000 Franken und dem gravierten «Bsetzistei» ob der Staldenbrücke. Vielleicht animiert dies den einen oder anderen zum Einkauf im Claro-Weltladen an der Metzgergasse 10.

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