Vom Motormäher bis zum Online-Handel

Die Geschichte der Bruno Lehmann AG erzählt von drei Unternehmergenerationen, die auf Emmentaler Präzision setzen, aber sich nicht fürchten, abzuheben. Heute produziert die 75-jährige Truber Firma auch in Indonesien.

2012 übergab Bruno Lehmann die Verantwortung für den Betrieb seinem Sohn Simon.

2012 übergab Bruno Lehmann die Verantwortung für den Betrieb seinem Sohn Simon.

(Bild: Thomas Peter)

Susanne Graf

Er hat sich alles selber beigebracht. Der Mann, der in Trub eine Firma gründete, die sich heute neue Märkte in Asien und Australien erschliessen will. Hans Lehmann ist mit drei Brüdern aufgewachsen. Der Vater stirbt früh, das Geld ist knapp, und nur der Älteste kann eine Lehre machen. Hans Lehmann wäre gerne Mechaniker geworden, aber einen Ausbildungsplatz – für den man damals bezahlen muss – kann er sich nicht leisten.

«Deshalb ist er durchaus zufrieden, als er während des Zweiten Weltkriegs zum Aktivdienst eingezogen wird», schreibt die Bruno Lehmann AG in einem Newsletter, in dem sie auf ihr 75-jähriges Bestehen zurückblickt. 1944 richtet der handwerklich geschickte Mann dann in Trub im Keller des Dorfschreiners eine kleine Werkstatt ein. Zusammen mit seinem Bruder gründet er die Gebrüder Hans & Ernst Lehmann. Er übernimmt die Vertretung von Bucher-Guyer und handelt mit Landmaschinen, die er auch repariert. Mit einem Motormäher erwirtschaftet er Umsätze, die Neider auf den Plan rufen. Plötzlich stellt Bucher-Guyer Fragen nach Berufsdiplomen. Doch Selfmademan Lehmann habe seinen Gegenspielern mit noch grösseren Verkaufserfolgen getrotzt, steht im Newsletter.

Bald schon baut Hans Lehmann ein Haus mit Werkstatt, darüber wohnen die Familien der beiden Firmeninhaber. Hans Lehmann ist inzwischen verheiratet. Mit einer Italienerin. Er habe die 20-jährige Antida Lusiani durch das Fenster seiner Kellerwerkstatt beobachtet und sei sofort zur Stelle gewesen, als ihr Heurechen zu Bruch gegangen sei, wird erzählt. Es blieb nicht beim Reparieren des Rechens, das Paar bekam drei Söhne und eine Tochter.

Hans Lehmann war einer der ersten, der Motorsägen verkaufte. 1967 bringt er Seilrollen aus Stahl auf den Markt und erfindet den Lehmann-Seilzug, von dem er 2000 Stück verkauft. Der Hanf- und Drahtseilfabrik Jakob in Trubschachen bleibt der Erfindergeist des Trubers nicht verborgen. Es beginnt eine Zusammenarbeit, die bis heute anhält. Mit 60 Jahren überschreibt Hans Lehmann seine Firmenanteile an seinen Sohn Bruno, zwei Jahre später kann dieser auch jene von Ernst Lehmann übernehmen. Bruno Lehmann ist erst 22-jährig, als er in die Firma einsteigt. Ab 1980 heisst sie Bruno Lehmann AG und beschäftigt fünf Mitarbeiter.

Bald schon bricht der Sohn mit einem Kodex, an den sich sein Vater stets gehalten hat: Er vertritt nicht mehr nur die Marke Bucher, sondern verkauft auch den allradgetriebenen Transporter von Reform. Als er auch noch Ersatzteile anbietet, liefert Bucher von einem Tag auf den andern keine Ware mehr nach Trub. Nach einem juristischen Kampf habe der Branchenriese seinen Boykott aufgeben müssen, schreibt die Firma.

Der Handel war aber nicht das, wofür Bruno Lehmann Leidenschaft entwickeln konnte. Vielmehr war es die Entwicklung neuer Produkte – etwa einer Verpackungsmaschine für die Truffes des Berner Confiseurs Beeler. Oder Endstücke für die Drahtseile der Firma Jakob. Mit diesen war Lehmann so erfolgreich, dass er eine CNC-Maschine anschaffen konnte, und die «goldenen Jahre der Fertigung» begannen, in denen die Firma über 50 Personen beschäftigte.

1993 trennt Bruno Lehmann die Bereiche Landmaschinen und Fertigung räumlich, baut das Gebäude 2001 und 2007 aus und an. Dann hält er es genau gleich wie sein Vater: Nach 34 Jahren übergibt er das Unternehmen. Mit 56 Jahren zieht er sich ins Privatleben zurück. Seit 2012 führt Simon Lehmann in dritter Generation die Geschicke des Familienunternehmens. Er muss sich nun völlig neuen Herausforderungen stellen.

Die Jakob AG ist zwar immer noch ein wichtiger Kunde, aber nicht mehr der wichtigste. Ein beträchtliches Auftragsvolumen sei verloren gegangen, als die Drahtseilfirma einen Teil ihrer Produktion nach Vietnam verlegt habe, gibt Simon Lehmann zu bedenken. Heute beschäftigt er 39 Personen im Handel und in der Lohnfertigung. Unter Simon Lehmann macht sich das Truber Unternehmen die Digitalisierung zunutze und hat einen Onlinehandel aufgebaut, der garantiert, dass der Kunde am nächsten Tag erhält, was er heute bis 17.15 Uhr bestellt.

Der Preiskampf

In der Lohnfertigung tobt gemäss dem Newsletter «unerbittlicher Preiskampf», seit der Euro-Franken-Mindestkurs aufgehoben wurde. Deshalb gründete Simon Lehmann 2015 in Indonesien ein Schwesterunternehmen. Das brachte ihm erst Kritik ein. Er weiss, dass viele meinten, das Traditionsunternehmen würde abwandern. Aber Lehmann betont:«Nur so sind wir konkurrenzfähig.» Weil dort Schweizer Qualität zu asiatischen Konditionen hergestellt werden könne.

«Die Produktion sehr komplexer Teile und auch die Entwicklung neuer Produkte finden weiterhin in Trub statt.»Simon Lehmann Firmeninhaber

Zudem eröffneten sich ihm neue Märkte in Asien und Australien. «Die Produktion sehr komplexer Teile und auch die Entwicklung neuer Produkte finden weiterhin in Trub statt», versichert der 40-Jährige. Er hat eine 10-jährige Tochter und einen 8-jährigen Sohn. Die Frage, ob sie die Firma einst in vierter Generation übernehmen werden, kann ihr Vater nicht beantworten. «Zurzeit haben sie andere Ideen im Kopf.»

Berner Zeitung

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